Wann begann der Niedergang etruskischer Macht - und wo sind die Etrusker geblieben?

Den Niedergang der Etrusker leiteten eine Fülle verlorener Schlachten/Kriege und Zwistigkeiten im Inneren ein.

Militärische Auseinandersetzungen

Gute siebzig Jahre nach der erfolgreichen Seeschlacht bei Alalia (Korsika) gegen die Griechen (540 v. Chr.), waren das – unter anderem – die

  • 474 v. Chr. verlorene Schlacht bei Cumae (nahe Neapel/Italien) gegen Syrakus,
  • die Niederlage gegen den Volksstamm der Samniten 430 v. Chr. in Kampanien/Italien,
  • die Aufgabe der antiken etruskischen Stadt Veji (nahe Rom) 396 v. Chr. – nach immerhin zehnjähriger Belagerung durch die Römer – sowie die
  • verlustreiche Auseinandersetzung 310 v. Chr. mit römischen Truppen am Vadimone-See.

Innenpolitische Unruhen

Begleitet wurde der langsame Verfall etruskischer Herrschaft und Kultur durch die Hinwendung von einer monarchieähnlichen Staatsform zur Herrschaft einer kleinen Gruppe Adeliger (Oligarchie), gegen deren in Anspruch genommenen Privilegien bald die unteren Stände – Nichtadelige, Beamte und sogar Sklaven – revoltierten.

Die von den Oligarchen um Hilfe gebetenen Römer nahmen den Ruf gerne an, packten allerdings (entgegen jeder Erwartung) die Gelegenheit beim Schopf und zerstörten – nach drei zuvor ergebnislosen Anläufen (392/308/294 v. Chr.) – schließlich 264 v. Chr. die Stadt Volsinii endgültig.

Einsicht

Bereits zur Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. hatten die Römer begonnen, die Vorherrschaft der Etrusker aufzubröseln und sich von der bis dahin führenden Rolle toskanisch-umbrischer Landesherren zu lösen.

Während der folgenden gut einhundert Jahre nach der vernichtenden Niederlage bei Volsinii, schlossen die eine und andere etruskische Stadt, die ein ähnliches Schicksal vermeiden wollte, vorbeugend Bündnisverträge mit Rom.  
Schleichend wandelten sich die Etrusker zu Verbündeten Roms.

Zu Beginn, da ging es noch gemeinsam gegen die Kelten (um 260 v. Chr.) und gegen die Karthager (im Rahmen der beginnenden drei Punischen Kriege von 264 bis 146 v. Chr.), hatte die Unterstützung der Römer noch irgendwie freiwilligen – sprich: eigennützigen – Charakter. Ob diese Freiwilligkeit allerdings 205 v. Chr. im 2. Punischen Krieg gegen den Karthager Hannibal noch gegeben war, oder doch bereits der gewachsenen Einsicht in die gewonnene Überlegenheit der Römer geschuldet war, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen.

Obwohl – anzunehmen bleibt wohl letzteres.

Anpassung

Etwa um 90/89 herum erhielten und übernahmen die Etrusker das römische Bürgerrecht, verloren formell ihre Unabhängigkeit und damit, spätestens ab etwa 40 v. Chr., ihre  politische und wirtschaftliche Bedeutung.


Kurz und gut, die Etrusker wurden zu Römern.

Allerdings, und das war auch gut so, übernahmen die neuen Herren zu einem nicht unbeträchtlichen Teil etruskische Errungenschaften, wie zum Beispiel das Zahlen- und Verwaltungssystem, den Baustil sowie eine Reihe etruskischer Götter (u.a. Jupiter, Juno, Minerva) und religiöser Rituale.

Nachtrag

Volsinii  – antike etruskische Stadt am Lago di Bolsena, Region Latium nahe an den Grenzen zur Toskana und Umbrien,

Punische Kriege – Die römische Republik führte drei Kriege gegen die von Phöniziern gegründete Kolonie Karthago:

  • 264 bis 241 v. Chr.,
  • 218 bis 201 v. Chr. (das ist der 2. Punische Krieg, mit dem der Karthager Hannibal, der mit siebenunddreißig Elefanten die Alpen überquerte, bekannt wurde) und
  • 149 bis 146 v. Chr.

„Punisch“ werden diese Kriege genannt, weil die Karthager, abgeleitet vom Begriff Phönizier, von den Römern Punier genannt wurden.

Jeder dieser drei Kriege, bei denen es – wie so oft – grundsätzlich um Macht und hier im Besonderen um die Vorherrschaft am westlichen Mittelmeer ging, endete mit der Niederlage Karthagos. Der Dritte bedeutete schließlich die vollständige Zerstörung.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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