Wer waren die Indogermanen, woher kamen sie - und was bedeutet „Indogermanisch“?

Wer die so genannten Indogermanen waren, und woher sie kamen? Das weiß man (noch!) nicht so ganz genau.

Suche nach den Wurzeln

Seit aber der deutsche Sprachwissenschaftler Franz Bopp (*1791/°1867), etwa um 1820 herum, nachweisen konnte, dass fast alle heute gesprochenen Sprachen Europas (mit Ausnahme des Finnischen, Baskischen, Ungarischen und Estnischen) untereinander verwandt sind und sogar eine gemeinsame Wurzel mit dem Indischen und Persischen aufweisen, wird bis heute nach einem Volk „gefahndet“, das irgendwann einmal eine gemeinsame Sprache gesprochen haben muss.

Vermutungen

Aber, unabhängig davon, dass bis jetzt keinerlei eindeutige archäologischen Funde jedweder Art gemacht werden konnten, die auf eine mögliche Zivilisation mit einhergehender kultureller Eigenart schließen lassen, wurde – trotz nur vager Indizien – von der Wissenschaft bisher angenommen, dass dieses „geheimnisvolle“ Volk, wenn es es denn tatsächlich gegeben haben sollte, seinen Ursprung sowohl in mittel- und westeuropäischen Gegenden oder auch – nach anderer Auffassung – in den Steppen Osteuropas um 3500 v. Chr. gehabt, und sich sukzessive in alle Richtungen ausgebreitet haben muss.

Allerdings kommt man nicht umhin zu sagen, dass das nicht zwingend der Weisheit letzten Schluss bedeutet. Denn die Wissenschaft bleibt dran. Am Thema.

Die Karten werden neu gemischt

So halten – zum Beispiel – die Mitglieder der ‚Indogermanischen Gesellschaft/Society for Indo-European studies‘ sowie der ‚Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte/German Society for Pre and Early History‘ nur noch zwei Annahmen für möglich.

Die eine, die des britischen Archäologen Colin Renfrew (*1937), der eine ursprüngliche Herkunft des Indogermanischen in Anatolien verortet sowie die des georgischen Linguisten Tamas Gamqrelidse (*1929), der das im Osten daran anschließende Transkaukasien mutmaßt, scheint jedoch zunehmend in den Hintergrund zu treten.

Immer mehr Akzeptanz dagegen gewinnt die zweite theoretische Möglichkeit, nach der die Urheimat in den (Wald-) Steppen nördlich des Schwarzen- und des Kaspischen Meeres zu suchen ist.

Namensgebung

Wie aus diesen unterschiedlichen Betrachtungen eindeutig zu beobachten ist, gehen hier die Meinungen der Forscher nach wie vor einigermaßen auseinander.

Was bis zu einer endgültigen Klärung bleibt, ist, dass der Begriff „Indogermanisch“ per heute lediglich als eine Wortprägung zu sehen ist, die vor etwa zweihundert Jahren von den Sprachwissenschaftlern um und nach dem weiter oben genannten Professor Franz Bopp gewählt wurde, um dem „Kind“ – eben diesem vermuteten Volk – einen Namen zu geben.

Namenswechsel

Allerdings, und weil bereits schon der – unter anderem auch mit vergleichender Sprachwissenschaft befasste – Schriftsteller, Philosoph und Literaturhistoriker Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel (*1772/°1829) in diesem Zusammenhang 1819 von einer „indisch-lateinisch-persisch-germanischen Sprachfamilie“ gesprochen hat, hat sich in der Sprachwissenschaft zunehmend und länderübergreifend, statt der Bezeichnung

  • „Indogermanisch“,

inzwischen mehr und mehr der Terminus

  • „Indoeuropäisch“

durchgesetzt.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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