Wer war der Namensgeber der „Minoischen Epoche/Kultur“?

Das war der englische Archäologe Arthur Evans (*1851/°1941), der sich bei der Namensgebung an dem kretischen König Minos orientiert hat. Minos, das ist der, der in der Mythologie unter anderem aus der Story um das im Labyrinth von Knossos eingesperrte Ungeheuer namens Minotaurus bekannt wurde.

Und die ging - kurz gesagt - in etwa so:

Der Sage nach hatte Minos vor Jahren die Athener besiegt, bei dem Unternehmen aber seinen Sohn verloren, an dessen Tod Minos natürlich den Athenern die Schuld gab.

Athen wurde also dazu verdonnert, fortan alle neun Jahre Opfergaben in Gestalt von je sieben jungen Männern und Frauen nach Kreta zu schicken. Dort angekommen, wurden die jungen Leute dem Minotaurus zum Stillen seines Hungers vorgeworfen.

Wer und was war Minotaurus?

Minotaurus war ebenfalls ein Sohn des Minos, allerdings kein leiblicher!

Minos´ Gattin Pasiphae hatte sich, unerhört!, mit einem Stier eingelassen und eine Missgeburt zur Welt gebracht. Minotaurus war halb Mensch, halb Stier.

König Minos, sein Bauherr Daidalos und Theseus

Minos, not amused, befand, der hässliche Typ gehöre weggesperrt. Unverzüglich ließ er also für das Scheusal eine adäquate Heimstätte errichten.

Auf Anordnung seines Königs, entwarf und baute also der Konstrukteur Daidalos ein Labyrinth, aus dem Minotaurus nie wieder hinausfinden sollte.

Wozu es auch gar nicht erst kam, denn die Athener hatten schließlich in Theseus jemanden gefunden, der sich bereit fand, der Tragödie um die jugendlichen Opfer ein Ende zu bereiten.

Ariadne und der Ariadnefaden

Theseus ging nach Kreta, verliebte sich in die Königstochter Ariadne und machte dem Monster Minotaurus den Garaus.

Diese Aktion gelang allerdings nur deshalb, weil die kluge Ariadne ihrem Helden sowohl ein funktionales Schwert, als auch ein Wollknäuel in die Hand gedrückt hatte, welches Theseus auf seinem Weg zum Ungeheuer abrollen lassen sollte.

Und richtig! Mit Hilfe dieses Fadens, dem so genannten Ariadnefaden, fand Theseus nach der Tötung des Minotaurus den Weg aus dem Labyrinth zurück und machte sich – gemeinsam mit Ariadne und den geretteten vierzehn jungen Leuten aus der dritten Athener Tributlieferung – aus dem Staub ...

Übrigens

Ein Labyrinth, einen Irrgarten im Sinne der Bedeutung des Wortes hat es mutmaßlich in Knossos nie gegeben.

Dafür gab es aber anscheinend einen – bereits von Homer in der Ilias erwähnten – Mosaikfußboden mit labyrinthartigen Mustern, der den Tänzern möglicherweise als roter Faden für den Rebhuhn-Frühlingstanz gedient haben soll.

Nicht auszuschließen ist andererseits, dass das vorgriechische Wort „labrys“ („Doppelaxt“) mit dem daraus abgeleiteten Begriff „Labyrinth“ in Verbindung mit dem „Palast der Doppelaxt“ (der „Labrys“) in Knossos ein Labyrinth vermuten ließ.

Vielleicht ist den Zeitgenossen aber auch nur – sofern sie denn Gelegenheit hatten, Knossos kennenzulernen – der Palastkomplex mit seinen verwirrend verschachtelten Bauten und zahlreichen Räumlichkeiten schlicht und einfach wie ein Labyrinth vorgekommen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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