Wer waren die Karthager, was war Karthago - und was waren die „Punischen Kriege“?

Phönizier! Die Karthager waren Phönizier, die ihre Stadt, Karthago, vermutlich um 814 v. Chr. am Mittelmeer im heutigen Tunesien nahe Tunis als phönizische Kolonie gegründet hatten.

Etwa seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. wurden die Einwohner der Kolonie von den Römern Punier (lat.: „poeni“) genannt. Seither wird, statt von phönizischer, von punischer Kultur gesprochen.

Unabhängigkeit

Die Stadt wuchs schnell zu beachtlicher Größe und Stärke.

Während der ersten gut zwei Jahrhunderte nach der Gründung dem Mutterland noch zu Abgaben verpflichtet, löste sich Karthago nach der Eroberung Phöniziens (Libanon, Syrien, Israel) durch die Perser zur Mitte des 6. Jahrhunderts  endgültig vom Einfluss ihrer ehemaligen „Hauptstadt“ Tyrus.

Aufstieg

In der Folge entwickelte sich Karthago zu einer der wohlhabendsten und wichtigsten Städte der Antike.

Archäologische Funde zeigen zum Beispiel ein Straßensystem, das ähnlich rechtwinklig konzipiert war, wie das des heutigen New York.

Karthago expandierte, mauserte sich zur Handelsmetropole und die Bevölkerungszahl – zur besten Zeit sollen dort 200-400000 Menschen gelebt haben – wuchs stetig. Aber trotz des außergewöhnlichen Booms und einer ständigen Aufwärtsentwicklung Karthagos, scheinen die Karthager allerdings nie einen Gedanken an die Bildung eines eigenständigen Staates verschwendet zu haben.

Animositäten und Ressentiments

Das Seefahrer- und Handelsvolk der Karthager hielt wenig von Krieg und Militär, dafür umso mehr von guten Geschäften. Wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand führten zur Gründung einer Vielzahl weiterer Handelskolonien.

Die Einflusssphäre Karthagos erstreckte sich schon bald weit über den Mittelmeerraum hinaus.

Aber, wie das so ist mit dem Erfolg.

Obwohl einerseits wegen ihrer Umtriebig- und Schlitzohrigkeit durchaus geschätzt und bewundert, gerieten die Karthager andererseits in einen scheinbar unausweichlichen Konflikt mit ihren (ehemaligen) Geschäftspartnern, die angesichts der karthagischen Prosperität begannen, ihre Pfründe den Bach runter gehen zu sehen.

"... Karthago muss zerstört werden!" (Cato, römischer Feldherr – *um 234/°149 v. Chr.)

So kam es, mit wechselndem Erfolg, zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu Auseinandersetzungen mit den Griechen um Sizilien und Korsika sowie schließlich zu den drei „Punischen Kriegen“ gegen die Römer:

  • 264 bis 241 v. Chr. - Erster Punischer Krieg, in dem es vornehmlich um die Herrschaft über Sizilien ging;
  • 219 bis 201 v. Chr. - Zweiter Punischer Krieg, in dem es dem Karthager Hannibal (*um 246/°183 v. Chr.) mit seinen – mehrere tausend Landser, Reiter und über dreißig Elefanten umfassenden – Truppen zwar gelang, die Alpen zu überqueren und die Römer am Trasimenischen See (Umbrien/Italien) und bei Cannae (Apulien/Italien) zu schlagen, aber letztlich 202 v. Chr. in der Schlacht von Zama (nahe Karthago) eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste;
  • 149 bis 146 v. Chr. - Dritter Punischer Krieg, der mit der vollständigen Zerstörung Karthagos endete.

Was danach geschah

Gaius Julius Cäsar (*etwa 100/°44 v. Chr.) gab 46 v. Chr. den Anstoß, Karthago wieder aufzubauen; Kaiser Augustus (*um 63 v. Chr./°14 n. Chr.) realisierte diesen Gedanken um 29 v. Chr., und in den folgenden zwei Jahrhunderten erreichte Karthago erneut einen nicht unerheblichen Aufschwung.

Die Stadt wurde zum Zentrum des frühen Christentums in Nordafrika, erlitt allerdings

  • im 3. Jahrhundert n. Chr. einen wirtschaftlichen Rückschlag durch eine grassierende Pestepidemie sowie
  • im 4. Jahrhundert durch ein Erdbeben,
  • „erholte“ und erneuerte sich vorübergehend, hatte sich
  • im 5. Jahrhundert mit den im Zuge der Völkerwanderung eindringenden Vandalen auseinanderzusetzen und wurde nach der Eroberung durch die Araber zum Ende des
  • 7. Jahrhunderts (698 n. Chr.) endgültig zu einem Steinbruch degradiert.

Heute ...

... sind die archäologischen Ausgrabungen von Karthago, etwa fünfzehn Kilometer von Tunis entfernt und eingebettet in einen Villenvorort der tunesischen Hauptstadt, touristischer Anziehungspunkt.

Seit 1979 sind die Ruinen von Karthago Weltkulturerbe der UNESCO …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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