Wer und was waren die Phönizier?

Die Phönizier waren ein außerordentlich erfolgreiches Seefahrervolk, das gelegentlich, wenn es dem eigenen Vorteil entsprach, auch Piraterie zu seiner Tätigkeitsbeschreibung zählte.

 

Schon die „alten“ Griechen, setzten jeden mutmaßlichen Spitzbuben mit einem „Phönizier“ gleich. Selbst Homer (etwa 9/8. Jahrhundert v. Chr.) war in seiner Odyssee nicht frei von diesem ehrverletzenden Vergleich.

Was die Phönizier selbst an Schriftlichem hinterlassen haben, ist im Grunde gleich Null. Alles, was heute über sie bekannt ist, stammt aus fremden Quellen. Sei´s drum!

Wer sie waren

Die Urväter der Phönizier waren Semiten, das heißt, sie gehörten zu den Völkern, deren gemeinsame Sprachwurzeln in der semitische Sprache lagen/liegen (z.B.: Äthiopier, Babylonier, Assyrer, Malteser, Aramäer, Hebräer, Syrer und einige andere mehr).

Die Phönizier, die sich selbst nie so nannten, gehörten zu den aus der Bibel bekannten Kanaanitern (1. Buch Mose 9, 18 und 12, 5/6).

Gründungsboom

Etwa im 3. Jahrtausend v. Chr. gründeten die Phönizier erste Siedlungen in den Küstengegenden der Levante (Libanon, Syrien und Israel). Hier entstanden die Hafenstädte des umtriebigen Seefahrervolkes – unter anderen:

  • Byblos, Tyrus, Sidon, Berytos/Beirut (alle im Libanon),
  • Ugarit (heute: Ras Schamra in Syrien).

Und später, als sie – etwa zu Beginn des 12. Jahrhunderts v. Chr. – die langjährige Unterdrückung durch die Ägypter los waren, kamen eine Vielzahl Kolonien, Handelsplätze und Truppenquartiere hinzu, wie zum Beispiel:

  • Tripoli (Tripolis/Libanon),
  • Karthago (Tunis/Tunesien),
  • Gadir (Cadiz/Spanien) sowie
  • auf Malta, Korsika, Zypern, Rhodos und Sizilien.

Zwecks Zinnbeschaffung, sollen sie es sogar bis Cornwall/England geschafft haben.

Seefahrer, Kaufleute und Kulturträger

Zwischen dem 9. und 6. Jahrhundert galten die Phönizier als stärkste Handels- und Seemacht, und ihre Städte als unermesslich reich und wohlhabend.

Sie produzierten und handelten – unter anderem – mit Glaswaren, Getreide, Elfenbein, Papyrus, Holz von der Libanonzeder, Edelmetallen und der Herstellung purpurner Stoffe, deren Farbe sie aus der Purpurschnecke gewannen.

Und doch waren die Phönizier nicht nur schnöde Kaufleute, sondern auch Kulturträger. Wissenschaftliche und kulturelle Errungenschaften und Kenntnisse – beispielsweise die Kunst zu schreiben aufgrund der Entwicklung einer Buchstabenschrift, eines frühen Alphabets – wurden von ihnen in die damals bekannte Welt hinausgetragen.

Äußere Einflüsse und das Ende

Politisch standen die Phönizier

  • im 8. Jahrhundert v. Chr. unter assyrischem Einfluss,
  • im 6. Jahrhundert v. Chr. gehörten sie zum Neubabylonischen Reich,
  • sollen für die Ägypter Afrika umsegelt haben, gerieten
  • im 5. Jahrhundert in die Auseinandersetzungen des Perserkönigs Xerxes (*um 519/°465 v. Chr.) mit den Griechen und mussten
  • 332 v. Chr. die totale Zerstörung der Stadt Tyrus hinnehmen.

Als dann die Römer 149 bis 146 v. Chr. (im Dritten Punischen Krieg) Karthago dem Erdboden gleichgemacht hatten, war es mit der Zeit der Phönizier vorbei. Sie nahmen römische Sitten an, heirateten Römerinnen, sprachen mehr und mehr Griechisch oder Latein, kurz: Die Phönizier assimilierten sich. Sie lösten sich sozusagen „in Luft auf“ …

Anmerkung

Die Herkunft des Namens „Phönizier“ ist ungewiss. Ob nun aus dem griechischen Begriff „phönix roebelenii“ („Zwerg-Dattelpalme“) oder „phoinos“ („Purpur/rot“) stammend, von ihrer braunroten Hautfarbe herrührend oder auf die Herstellung purpurfarbener Stoffe zurückgehend – der Namensursprung bleibt offen.

Woher auch immer der Name gekommen sein mag, den so genannten „Phöniziern“ war´s egal. Sie benannten sich jeweils nach ihren Städten.

Weil Papyrus ein geschätztes Handelsgut der Phönizier war, bezeichneten die Griechen zum Beispiel jedes auf Papyrus gebrachte Schriftstück (nach der phönizischen Metropole Byblos) schlicht und einfach „Biblos“ – woraus dann irgendwann das griechische „ta biblia“ und dann „Bibel“ wurde.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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