Wer waren die Skythen - und woher kamen sie?

Vom Stammesverband der Skythen selbst verfasste schriftliche Zeugnisse gibt es nicht.

Quellen

Was über dieses indogermanische/indoeuropäische Reiter- und Nomadenvolk bekannt ist, stammt im Wesentlichen aus griechischen Quellen.

Und hier im Besonderen aus den Berichten des griechischen

  • Geschichtsschreibers Herodot (*etwa 485/°424 v. Chr.) und des berühmten
  • Arztes des Altertums, Hippokrates von Kos (*etwa um 460/°370 v. Chr.)

sowie aus archäologischen Funden einer Vielzahl während der zurückliegenden gut zwei Jahrzehnte aufgespürter Grabstätten im Süden Russlands.

Ausbreitung

Angenommen wird heute, dass die von den Griechen „Skythen“ genannten Nomadenvölker etwa zwischen der Mitte des 2. Jahrtausends bis zum 8/7. Jahrhundert v. Chr. aus Mittelasien (Kasachstan, Russland, Mongolei, China) über die südrussischen Steppen bis in den Schwarzmeerraum vordrangen.

Bei dieser Gelegenheit haben sie – (vermutlich) gemeinsam mit den Assyrern – die bis dahin dort ansässigen und bereits in Homers Odyssee erwähnten Kimmerier/Kimmerer entweder vertrieben oder assimiliert.

Und im Zusammenschluss mit den Medern und Babyloniern sollen sie (etwa um 612 v. Chr.) die assyrische Stadt Ninive eingenommen und drei Jahre später (609 v. Chr.) sogar Ägypten erobert haben.

Sieg über den Perser/Achämeniden Kyros II.

Etwa um 530 v. Chr., so erzählt es Herodot in seinen „Historien“, gelang es den mit den Skythen verwandten Massageten, das Heer des Achämenidenkönigs Kyros II. aufzureiben. Mit ihm selbst, Kyros II., machten die Skythen/Massageten kurzen Prozess – er wurde erschlagen.

Verlorene Schlachten und endgültiges Aus

Dann, etwa ab dem 4. Jahrhundert v. Chr., ging es mit den Skythen bergab. Allerdings langsam und ohne Hast.

Denn obwohl sich der neunzigjährige skythische König Atheas (*etwa 430 v. Chr.) dem Vater Alexanders des Großen, Philipp II. von Makedonien (*um 382/°336 v. Chr.) 339 v. Chr. geschlagen geben musste, und die Skythen dann zehn Jahre später, 329 v. Chr., auch noch dem makedonischen Feldherrn Krateros (*um 370/°320 v. Chr.) unterlagen, führten sie ihr Reich trotzdem noch eine Zeitlang wirtschaftlich und kulturell in gewohnter Manier weiter – bis, ja, bis das Volk der Skythen ab Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. schließlich zunehmend von einfallenden Kelten, Thrakern, Sarmaten und Goten vereinnahmt und schließlich – so kanns gehen – vernichtet wurden …

PS

  • Homer, wenn es ihn denn wirklich gegeben hat (immerhin sagen die einen so, die anderen so), soll der griechische Dichter der Ilias und der Odyssee etwa in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. gelebt haben,
  • Kimmerier/Kimmerer = ein in der Geschichte im späten 8. Jahrhundert v. Chr. auftauchendes, den Skythen verwandtes Reitervolk aus der Gegend der Halbinsel Krim (Schwarzes Meer/Ukaine) und des Kaukasus (Hochgebirgszug zwischen Schwarzem- und Kaspischem Meer, der sich über die Länder Russland, Georgien, Türkei, Armenien und Aserbaidschan erstreckt),
  • Ninive = Stadt in Mesopotamien, heute: Irak,
  • Massageten = antikes indoeuropäisches, mit den Skythen verwandtes Nomaden- und Reitervolk aus der Gegend zwischen Kaspischem Meer (größter See der Erde; an Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan grenzend) und vom Aralsee (heute austrocknender ehemals viertgrößter (Salz-)Binnensee bei Kasachstan und Usbekistan) stammend,
  • Makedonien/Mazedonien = sowohl seit 1991 unabhängige Republik in Südosteuropa mit der Hauptstadt Skopje, ehemals zu Jugoslawien gehörend, als auch namensgleich mit der griechischen Region Makedonien. Um den Namen wird (immer noch) zwischen Griechenland und Mazedonien gestritten,
  • Krateros = Gefolgsmann und Kampfgenosse Alexander des Großen,
  • Kelten = Stammesverband diverser Völker (z.B. Gallier, Galater), der in der Antike und der europäischen Frühgeschichte Spuren von Kleinasien über Anatolien, dem Balkan, der iberischen Halbinsel und Frankreich bis nach Irland hinterlassen hat,
  • Thraker = ein in der Antike u.a. auf dem Balkan, in Moldawien, Serbien, Mazedonien und im Norden Griechenlands siedelnde indogermanische/indoeuropäische Volksgruppe verschiedenster Stämme,
  • Sarmaten = mit den Skythen möglicherweise verwandtes iranisches indogermanisches/indoeuropäisches Völkerkonglomerat aus den Steppen Südrusslands und der Ukraine.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige