Woher kamen die Azteken?

Woher die Azteken tatsächlich kamen, weiß man bis heute nicht so ganz genau. Aber es existieren Legenden und Mythen. Aufgezeichnet allerdings erst viele Jahrzehnte nach den Eroberungszügen spanischer Konquistadoren und aufgearbeitet im Laufe der Jahrhunderte – nicht immer einstimmig – von Archäologen, Sprachwissenschaftlern und Völkerkundlern.

Wann, woher, wohin

In der aztekischen Mythologie wird als ursprünglicher Herkunftsort „Aztlán“, eine „Insel im See“, genannt. Vermutet wird dieses frühe Gemeinwesen der Azteken heute – neben einer stattlichen Anzahl sonstiger Möglichkeiten (die Rede ist da zum Beispiel vom „Großen Salzsee“ im nordamerikanischen Bundesstaat Utah oder auch von einem nicht weiter spezifizierten Platz in Kalifornien) – irgendwo in „Mesoamerika1“. Egal!

Denn wo auch immer die Azteken/„Azteca2“ – ein Wort, das in ihrer Sprache, dem „Nahuatl“, in etwa so viel wie „einer aus Aztlán“ bedeutet – nun wirklich zu Hause gewesen sein mögen, erzählt die Legende auch, dass sie irgendwann, es soll im 12. Jahrhundert gewesen sein,

  • „Aztlán“ verlassen,
  • sich – angeführt von ihrem obersten Gott "Huitzilopochtli" – auf eine lange Wanderschaft begeben und nach Jahren (etwa zwischen 1325 und 1345, oder so)
  • schließlich ihr Reiseziel, den Texcoco-See in Zentralmexiko,

erreicht haben sollen.

Wo, wie und wie lange

Dort, auf einer (oder mehreren?) Insel(n) des Texcoco-Sees,

  • errichteten die Azteken/Mexica im ersten Schritt ihre phänomenal prächtige Stadt „Tenochtitlán3“,
  • unterwarfen entweder die bereits vor ihnen in dieser Gegend lebenden Völker oder banden sie in ihre Interessen ein (Dreierbund: Tenochtitlán, Texcoco und Tlacopán) und
  • entwickelten sich in den folgenden gut zweihundert Jahren zum mächtigsten Reich in Mittelamerika

bis, ja bis ihr Staat, ihre Kultur und ihre Religion während der Jahre 1519 bis 1521 von den eindringenden Spaniern unter Hernán Cortès (*1485/°1547), getrieben von Bekehrungswahn und der Gier nach Gold und Reichtum, auf brutalste – und vor allem unchristlichste – Art und Weise vernichtet wurde.

PS

1) Der Begriff „Mesoamerika“ stammt vom deutschen (Kultur)-Anthropologen Paul Kirchhoff (*1900/°1972) und wird – in Abgrenzung zum geografischen Begriff „Mittel-/Zentralamerika“ – seit 1943 in der Archäologie für den kulturhistorischen Raum der vorkolumbianischen Hochkulturen, wie zum Beispiel die der Olmeken, Zapoteken, Mixteken, Maya und Azteken, angewandt. Danach umfasst Mesoamerika den Süden Mexikos mit Yucatán, die heutigen Staaten Guatemala, Belize, El Salvador und den Westen Honduras.

2) Der Name „Azteken/Azteca“ findet sich hauptsächlich in den Legenden und Mythen der Azteken; selbst haben sie sich nicht so genannt, sondern meistens mit „Mexica“, „Acolhua“ oder „Tenochca“ bezeichnet. Dass der Ausdruck „Azteken“ aus dem Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken ist, soll – so heißt es – zurückzuführen sein auf das 1843 vom Historiker William H. Prescott veröffentlichte monumentale Geschichtswerk „History of the Conquest of Mexico“.

3) Tenochtitlán – Hauptstadt der Azteken/Mexica; gegründet um 1325 oder – wahrscheinlicher – um 1345; 1521 von den Spaniern zerstört; auf den Trümmern in den folgenden Jahrhunderten unter dem Namen Ciudad dé México (Mexico-Stadt) wieder aufgebaut; seit 1535 Hauptstadt des Vizekönigreichs Neuspanien und heute mit rund neun oder – inclusive des Großraums drum herum – etwa 20 Millionen Einwohnern die Hauptstadt Mexikos.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Die Azteken" (Nigel Davies / Econ-Verlag)

 

 

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