Wer war Schuld am Untergang der Inkakultur – und wer war der letzte Inkakönig?

Die Schuld am Untergang der Inka, tragen wohl im Wesentlichen die spanischen Konquistadoren!

Und – lässt man die auf ihn noch folgenden sechs nicht mehr entscheidend in die Geschichte der Inka eingreifenden und heute weitestgehend unbekannten Herrscher (Túpac Huállpa, Manco Capác II., Paullu Inca Túpac, Savri Túpac, Titu Cusi Yupanqui, Túpac Amaru I.) außen vor, dann gilt Atahualpa (*um 1500/°1533) als der letzte Inkakönig von einiger, im Grunde allerdings trauriger, Bedeutung.

Ein folgenreicher letzter Wille

Traurig allein schon deswegen, weil Atahualpa sich auf Geheiß des Vaters nach dessen Tod die Herrschaft über das riesige Inkareich mit seinem gleichaltrigen Halbbruder Huáscar teilen sollte.

Und prompt kam es, wie es kommen musste.

Ein etwa fünfjähriger Erbschaftsstreit war die Folge des möglicherweise nur unpräzise formulierten letzten Wunsches des Vaters. Egal! Atahualpa blieb ersteinmal siegreich.

Ende der Zwistigkeiten

Huáscar wurde bei Cusco (noch heute Hauptstadt der gleichnamigen Region/Provinz in Peru) gefangen genommen, die Stadt geplündert, ein Großteil der Bevölkerung auf unschöne Art getötet und Huáscar schließlich ebenfalls – mitsamt seiner Familie – in die „ewigen Jagdgründe“ geschickt.

Gutgläubigkeit und Verweigerung

Wenn nicht jetzt, wann dann sollte das Reich unter Atahualpas Führung wieder konsolidiert werden? Gute Frage! Aber dazu kam es nicht mehr.

Atahualpa, der zwar von den immer näher rückenden Konquistadoren – ausgerüstet mit Feuerwaffen, Pferden und „Anzügen aus Metall“ – gehört hatte, ohne aber diesen Umstand besonders ernst zu nehmen, empfing daher die Spanier im November 1532 ausgesucht höflich, zeigte aber keinerlei Neigung sich und sein Volk zu unterwerfen, geschweige denn den christlich-katholischen Glauben anzunehmen.

Kleine Ursache, große Wirkung oder - eine Bibel, die nicht spricht

Da traf es sich für Francesco Pizarro (*um 1478/°1541), ohnehin kein Freund langen Zögerns, ausgesprochen gut, dass es zwischen einem Dominikanerpriester aus seiner Entourage und Atahualpa zu einer Auseinandersetzung um eine Bibel, sozusagen dem „Wort Gottes“, kam.

Atahualpa hielt sich die Bibel ans Ohr, hörte Gottes Wort nicht, warf das Buch von sich und löste damit ein ungeheueres Massaker unter seinen Leuten aus. Atahualpa wurde eingesperrt.

Gold gegen Leben – leider umsonst

Im Glauben, damit sein Leben zu retten, bot er Pizarro tonnenweise Gold und Silber an. Aber weit gefehlt – Pizarro dachte gar nicht daran Atahualpa freizulassen. Im Gegenteil!

Im August 1533 ließ er den zuvor in einem fadenscheinigen Prozess zum Tode Verurteilten erdrosseln.

Was ihn, Pizarro, aber keineswegs daran hinderte, Gold und Silber in unermesslichen Mengen mit nach Spanien zu nehmen.

Die letzten vierzig Jahre

Nach dem unrühmlichen Dahinscheiden Atahualpas benötigten die spanischen Eroberer noch weitere gut vierzig Jahre, um die Kultur der Inka endgültig auszulöschen.

Das Fähnlein der sechs auf Atahualpa noch folgenden Aufrechten hatten dem Verfall des Inkareiches nichts wesentliches mehr entgegenzusetzen.

Mit der Enthauptung des letzten dieser sechs – geschichtlich keine große Rolle mehr spielenden – Inkakönige namens Túpac Amaru I. (*um 1545) im Spätsommer 1572, war das Ende der Inka und ihrer nur! gut dreihundert Jahre währenden Hochkultur endgültig besiegelt – verschollen, verschwunden und vergangen, aber keinesfalls vergessen.

Denn - da ist doch noch was!

Zahlreiche, größtenteils in Peru gelegene historische (Ruinen-)Stätten – wie zum Beispiel  Machu Picchu, Choquequirao, Moray, Ollantaytambo oder Písac im Valle Sagrado, dem „Heiligen Tal der Inka“ sowie die weiterhin anhaltende Forschung – lassen die Inka und deren Kultur, trotz aller (noch) verbliebener Rätsel, weiterleben …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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