Was bedeutet „Bundschuh-Bewegung“, und was sind die „Bauernkriege“?

Eigentlich war der Bundschuh ein Schnürstiefel aus Leder, der vorzugsweise von der Landbevölkerung, den Bauern getragen wurde. Im Gegensatz zum mit Sporen bewehrten Schuhwerk der Ritter.

 

Voraus geschickt

Unter anderem konfrontiert mit wirtschaftlicher Not, Kriegswirren, schlechter bis keiner Infrastruktur, Missernten, Spitzbuben, Wegelagerern, Totschlägern, Seuchen und der Arroganz der herrschenden und besitzenden Klasse, egal ob kirchlich oder weltlich, kam es zwischen 1493 bis 1517 zu lokal begrenzten Zusammenschlüssen und punktuellen Aufständen (-> vorwiegend im Südwesten Deutschlands) unzufriedener Bauern.

 

Vom Bundschuh zu den Bauernkriegen

Als Symbol und Wappen ihres im Grunde bescheidenen Anliegens, nämlich mehr Gerechtigkeit und Gleichheit von oben nach unten, wählten sie den vorwiegend von ihnen getragenen Stiefel mit dem Riemen zum Schnüren - woraus der Begriff „Bundschuh-Bewegung“, des Vorläufers der 1524/1525 stattgefundenen Bauernkriege, entstand.

 

Alles umsonst

Beide Bestrebungen - die der Bundschuh-Aufständischen, als auch die der Bauernkriege - nach rechtlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Besserstellung, verliefen allerdings für die Putschisten nicht wirklich erfolgreich. Adel und Geistlichkeit behielten letztlich die Oberhand.

 

Mit Mistgabeln und Schaufeln gegen Schwerter und Kanonen

Die Bauern waren schlecht ausgerüstet, unzureichend organisiert und verunsichert durch die unterschiedlichen Lehrmeinungen - wie zum Beispiel die der Reformatoren Martin Luther (*1483/°1546), Ulrich Zwingli (*1484/°1531) und/oder Christoph Schappeler (*um 1472/°1551) aus der Schweiz.
Die engagierten, aber in militärischen Auseinandersetzungen unerfahrenen und auf dem Schlachtfeld unsortierten Streiter für Freiheit, Gleichheit und Rechtssicherheit, hatten keine Chance.

 

Ein Traum, der sich nicht realisiert

Auch Thomas Müntzer (*1489/°1525), Theologe, Prediger und Bauernführer aus Sachsen-Anhalt konnte daran nichts ändern. Sein Traum von einer besseren Welt, die allen Menschen gleiche Rechte einräumen würde, platzte im Mai 1525 in der für die Aufständischen - an deren Spitze er sich gestellt hatte - verlorenen gegangenen Schlacht bei Frankenhausen in Thüringen.

 

Fazit

Thomas Müntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet; die Niederlage bedeutete das Ende der Bauernkriege.
Etwa 70’ bis 100000 Bauern, die Quellen nennen hier unterschiedliche Zahlen, hatten in dem kriegerischen Konflikt ihr Leben verloren.
Und was schon damals, im ausgehenden Mittelalter bis hinein in die beginnende Frühe Neuzeit galt, hat sich im Grunde nicht geändert - die Reichen wurden/werden immer reicher, die Armen immer ärmer …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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