Wer war Karl V.?

Heutzutage würde Karl V. (*1500/°1558) aus dem Hause Habsburg wohl zu denen gehören, die in Deutschland mit dem Begriff „Erbengeneration“ bezeichnet werden. Immerhin war er schon früh (1506) Nutznießer der üppigen Hinterlassenschaften des Vaters (Philipp I. des Schönen; *1478/°1506). Und, als wäre das nicht schon genug, wurde Karls Erbe mit dem Tod des Großvaters (Maximilians I.; *1459/°1519) durch dessen umfangreiche Anhäufung von Landbesitz noch einmal beträchtlich aufgestockt.

Lebensart und Lebenslust

Zwar verfügte Karl, der zu dem Zeitpunkt seit drei Jahren (ab 1516) König Carlos I. in Spanien war, nun über ein von Europa bis nach Amerika reichendes territoriales Herrschaftsgebiet, war aber – mangels Barem – ständig knapp bei Kasse.

Dennoch soll der in den Chroniken als wenig attraktiv geschilderte Karl V. absolut kein Freund von Traurigkeit gewesen sein. Denn, wie es heißt, pflegte er – seinem Großvater ähnlich – einen lustvollen Lebensstil, hatte Spaß an großartig ausgestatteten Festivitäten, liebte Bier, Wein und opulente Mahlzeiten.

Der "gekaufte" Kaiser

Sei’s drum!

Seine ungeheueren ererbten Besitzungen verlangten nach dem Kaisertitel. Aber das Wahlgremium der sieben Kurfürsten tat sich schwer, waren doch nicht nur Karl, sondern auch der französische König Franz I. (*1494/°1547) und sogar Heinrich VIII. von England (*1491/°1547) im Gespräch.

Papst Leo X. (*1475/°1521), dem Karl mit seinen Besitzungen um den Kirchenstaat herum unheimlich erschien, brachte dann auch noch Friedrich den Weisen von Sachsen (*1463/°1525) ins Spiel.

Irgendwann war von Heinrich keine Rede mehr, der Sachse trat gar nicht erst zur Wahl an und Franz I. hatte gegen die Bestechungsgelder Jakob Fuggers, dem der Habsburger näher stand als der Franzose, keine Chance.

Ende gut, alles gut

Im Juni 1519 wurde Karl zum römisch-deutschen König gewählt, ein Jahr später in Aachen gekrönt, nannte sich fortan (wie zuvor schon sein Großvater Maximilian I. sowie ebenfalls mit Billigung des Papstes) „erwählter“ Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und wurde – was lange währt, wird endlich gut – 1530 von Papst Clemens VII. (*1478/°1534) in Bologna ganz offiziell zum Kaiser gekrönt.

Von Kriegen, Eroberungen, dem Reich und der Sonne

Während seiner Amtszeit als mächtigster europäischer Regierungschef Europas führte Karl V. zahlreiche Kriege:

  • gegen Frankreich,
  • die Osmanen (heute: Türken) sowie die
  • protestantischen Kurfürsten (Schmalkaldischer Krieg/1546-47)

und trug mit der Eroberung und Ausbeutung zum Beispiel weiter Teile Mittel- und Südamerikas, Nordafrikas und der – nach Karls Sohn Philipp II. (*1527/°1598) benannten – Philippinen (Spanien-Ostindien) zur Sanierung der spanisch-habsburgischen Staatskasse bei. Letztendlich, so soll Karl V. gesagt haben, ging in seinem Reich die Sonne nie unter.

Resignation, Abdankung, Aufteilung, Rückzug und Tod

Und trotzdem muss er irgendwann im Laufe des Jahres 1556 mit sich und dem Amt gehadert haben.

Karl V. dankte ab,

  • überließ das Kaisertum dem österreichischen Zweig der Habsburger unter seinem Bruder Ferdinand I. (*1503/°1564) und das
  • Königreich Spanien mit den Niederlanden, den Besitzungen in der so genannten „Neuen Welt“ und einiges andere mehr seinem Sohn Philipp II.,

zog sich in den Südwesten Spaniens zurück und verstarb im September 1558 im Kloster San Jeronimo de Yuste an inzwischen wissenschaftlich einwandfrei nachgewiesener Malaria.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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