Wo, wann und warum verhängte Karl V. die Reichsacht über Martin Luther?

Der Begriff „Wormser Edikt“ bezieht sich auf einen Erlass Kaiser Karls V. (*1500/°1558), der damit 1521 – drei Wochen nach dem Reichstag in Worms – die Reichsacht über Martin Luther (*1483/°1546) aussprach.

 

Was zuvor geschah

Vorausgegangen waren dieser für die Menschen der Zeit durchaus unangenehmen Obrigkeitsverordnung die von Martin Luther angestrebten Reformen der katholischen Kirche.

Dabei ging es Luther unter anderem um den für Fürsten, Könige, Kaiser und Päpste so überaus einträglichen Ablasshandel in Form so genannter Ablassbriefe, die in großem Stil und mit päpstlicher Billigung von einer unüberschaubaren Schar von Ablasspredigern geradezu marktschreierisch unters Volk gebracht wurden.

Was im Klartext soviel hieß, dass sich die Gläubigen gegen Zahlung einer entsprechenden Summe Geldes von ihren Sünden freikaufen konnten. Vielleicht, so wurde ihnen weisgemacht, blieben ihnen durch den Kauf dieser Straferlasszettel sogar die Qualen eines gegebenenfalls zu erwartenden Fegefeuers erspart.

Widerspruch

Diese Praxis missfiel Luther. Vehement kämpfte er dagegen an.

So zum Beispiel mit seinen am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagenen 95 Thesen, seiner eindeutigen Haltung gegenüber dem Medici-Papst Leo X. (*1475/°1521) im August 1518 in Rom und einer breit angelegten theologischen Auseinandersetzung ein Jahr später in Leipzig.

Präzision

In seinen Darlegungen stellte Luther überdies die Vorrangstellung des Papsttums in Frage und sah den Sinn allen Glaubens allein in der Bibel, der „Heiligen Schrift“.

Das alles konnte nicht gut gehen.

Gegenschlag

Und der „päpstliche Hof“, die Kurie, war tatsächlich „not amused“. Der Papst reagierte postwendend.

Im Juni 1520 bezeichnete Leo X. in seiner Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ kurzerhand 41 Thesen Luthers als ketzerisch. Was Luther aber nicht wirklich beeindruckt zu haben schien.

Wer nicht hören will ...

Im Gegenteil! Er verbrannte die päpstliche Urkunde, wurde daraufhin allerdings umgehend exkommuniziert.

Standfestigkeit auf dem Reichstag in Worms

Es war Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen (*1463/°1525), der dafür sorgte, dass seinem Schützling Martin Luther doch noch einmal die Chance eingeräumt wurde, seine Sicht der Dinge nochmals deutlich zu machen. Und diese Gelegenheit bekam Luther auf dem von Januar bis Mai 1521 andauernden Reichstag in Worms.

Mit seiner Rede vor dem Auditorium im April d. J. verteidigte Luther seinen Standpunkt erneut sehr eindrucksvoll, und schloss seine Ausführungen mit den (bekannten) Worten: „Gott helfe mir. Amen.“

Wartburg, Wormser Edikt und Rechtlosigkeit

Nur wenige Tage darauf verließ Luther unter dem Schutz Friedrichs des Weisen Worms in Richtung Wartburg (nahe Eisenach/Thüringen).

Dort mag Luther bereits an der Übersetzung des Neuen Testaments gearbeitet haben, als Kaiser Karl V. drei Wochen nach Beendigung des Reichstages sein „Wormser Edikt“ erließ. Mit diesem Erlass sprach sich Karl ganz eindeutig gegen Martin Luthers Reformbestrebungen der katholischen Kirche aus.

Und um seinem Unmut Nachdruck zu verleihen, verhängte er über den in seinem Glauben standfesten Doktor der Theologie die so genannte „Reichsacht“.

Luther war somit nicht nur aus der kirchlichen, sondern nun auch aus der weltlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Er galt jetzt sozusagen als vogelfrei …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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