Mit wem, wie oft und warum war Philipp II. verheiratet?

Obwohl Philipp II. (*1527/°1598) - der bereits ab 1543 formal König von Spanien war und es nach der unverhofften Amtsaufgabe des Vaters, Karls V. (*1500/°1558), dann 1556 sozusagen auch offiziell wurde - in den Chroniken allgemein als asketisch, fromm und „düster“ beschrieben wird, war er dennoch - sieh’ an, sieh’ an - viermal verheiratet.

 

Erste Ehe

In erster Ehe mit seiner gleichaltrigen sechszehnjährigen Cousine Maria von Portugal (*1527/°1545) aus dem Hause Avis.
Die Hochzeit fand 1543 statt.
Zwei Jahre später, bei der Geburt des Sohnes Karl de Austria/Don Carlos im Juli 1545, verstarb Maria.
Als 1580 der letzte Herrscher (-> „Kardinalkönig“ Heinrich) der portugiesischen Dynastie der Avis - benannt nach der gleichnamigen Kleinstadt etwa in der Mitte Portugals - ohne Erben verstarb, führte dieser Umstand erbschaftsbedingt zur Vereinigung Spaniens mit Portugal.
Philipp II. war nun auch als Philipp I. König von Portugal, einschließlich der portugiesischen Besitzungen in Übersee.

 

Zweite Ehe

Philipps II. zweite Ehe kam auf Vermittlung Karls V. zustande.
Im Juli 1554 heiratete er, politisch motiviert, Maria I. Tudor (*1516/°1558) von England, die sich auch als Maria die Katholische und/oder Bloody Mary einen Namen gemacht hat.
Maria/Mary war die Tochter des englischen Königs Heinrich VIII. (*1491/°1547) - das war der mit den sechs Frauen, von denen zwei in der Tat „den Kopf verloren“ - und dessen erster Ehefrau Katharina von Aragon (*1485/°1536).
Die Verbindung erfreute sich bei Spaniern und Engländern keiner großen Beliebtheit und blieb kinderlos.

 

Dritte Ehe

Dann folgte im Februar 1560 - Karl V. war 1558 verstorben, der Frieden mit Frankreich und dem Vertrag von Cateau-Cambrésis 1559 besiegelt - die dritte Ehe mit der Französin Elisabeth von Valois (*1545/°1568), die aber eigentlich bereits dem Sohn Philipps II. - Don Carlos (*1545/°1568) - versprochen worden war.
Über die Irrungen und Wirrungen dieser Dreiecksgeschichte und all ihrer Protagonisten lässt sich, mit einigen historischen Ungenauigkeiten und mythologisiert, trefflich in Friedrich Schillers 1787 uraufgeführtem Drama „Don Carlos, Infant von Spanien“ sowie in Giuseppe Verdis erstmals 1867 in Paris auf die Bühne gebrachter Oper „Don Carlos“ nachlesen bzw. nachhören.
Trotz Philipps zu Markte getragener Düsternis soll die acht Jahre währende Ehe, so heißt es, glücklich gewesen sein. Elisabeth verstarb - nach diversen Krankheiten sowie vermutlich fünf Schwangerschaften, aber nur zwei überlebenden Töchtern - mit dreiundzwanzig Jahren in Aranjuez unweit von Madrid.

 

Vierte Ehe

Die im September 1570 geschlossene vierte und letzte Ehe mit seiner Nichte Erzherzogin Anna von Österreich (*1549/°1580) - von Papst Pius V. (*1504/°1572) nur widerwillig sanktioniert - verlief weitestgehend unspektakulär. Zu Beginn der Beziehung fremdelnd, traf ihr Tod Philipp II. - nach Annas vorausgegangener Krankheit und einer nicht lebensfähigen Frühgeburt - dennoch, so scheint’s, schwer.
Immerhin hatte Anna ihm fünf Kinder „geschenkt“, von denen allerdings lediglich der spätere Thronfolger Philipp III. (*1578/°1621) das Erwachsenenalter erreichte.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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