Was bedeutet der Begriff Habsburgermonarchie?

Mit dem Begriff Habsburgermonarchie wird von den Historikern die annähernd sechshundertfünfzig Jahre währende Regierungszeit der Habsburger umrissen. In ihren Anfängen eine aus der deutschsprachigen Schweiz – der heutigen Gemeinde Habsburg im Kanton Aargau – stammenden Adelsfamilie, regierten die Habsburger jahrhundertelang über weite Teile Europas.

 

1273 bis 1438

Beginnend mit dem Grafen Rudolf IV. von Habsburg (*1218/°1291), der 1273 als Rudolf I. von Habsburg zum ersten römisch-deutschen König aus dem Hause Habsburg gewählt wurde.

Auf ihn folgte, nach einem sechsjährigen Intermezzo eines gewissen Adolf von Nassau (*1250/°1298), Albrecht I. von Habsburg (*1255/°1308).

Zwischen 1308 bis 1437 war – ‚international‘ sozusagen – Pause für die Habsburger. Das war die Zeit römisch-deutscher Könige und römischer Kaiser aus dem Hause der Luxemburger und Wittelsbacher. Abgesehen von Friedrich I., Herzog von Österreich und der Steiermark (*1289/°1330), der sich, nicht wirklich erfolgreich, als römisch-deutscher König Friedrich III. zum Gegenkönig des gerade herrschenden Wittelsbachers, Ludwig IV., aufschwang, navigierten die Habsburger – während ihrer etwa einhundertdreißigjährigen mangelnden Einflussnahme für das ‚große Ganze‘ – lediglich als Erzherzöge und Herzöge im so genannten ‚Kleinen‘.

Also regierten die Habsburger während dieser Jahre vornehmlich innerhalb ihrer Latifundien in – zum Beispiel – Tirol, Ober- und Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark.

Jetzt geht's richtig los

Aber dann! Dann wurde mit Albrecht II. (*1397/°1439), Herzog von Österreich, endlich wieder ein Habsburger zum römisch-deutschen König gewählt – 1438 in Frankfurt. Im Nebenjob betätigte Albrecht sich außerdem als König von Ungarn, Kroatien und Böhmen.

Bis auf einen kleinen ‚Schönheitsfehler‘ – nämlich das etwa drei Jahre (1742-1745) dauernde Zwischenspiel des Wittelsbachers Karl VII. als römisch-deutscher König und Kaiser – stellten die Habsburger von nun an bis 1806 beharrlich und unbeirrt die Weichen im ‚Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation)‘.

Dabei vergaßen sie nie, das Wohl ihrer – mit unzähligen Mitgliedern fast unüberschaubar gewordenen – Familie aus den Augen zu verlieren.

Hauptakteure, Spielmacher und Gestalter

Zu den Sachwaltern des Reiches und Bewahrern der Erbmonarchie Österreich mit allem, was über die Jahrhunderte durch Eroberungen, einer nicht zu unterschätzender Heiratspolitik, den Konquistadoren (z.B. Hernán Cortés und Francisco Pizarro) und den Kolonien hinzukam, gehörten – unter anderen – so berühmte, bekannte und manchmal auch berüchtigte römisch-deutsche Könige und römische Kaiser, wie zum Beispiel:

  • Friedrich III.: von 1440/1452 bis 1493,
  • Maximilian I.: von 1486/1508 bis 1519,
  • Karl V.: von 1519 bis 1556 – in dessen ‚Reich die Sonne nie unter ging‘ gefolgt von
  • Ferdinand I., Maximilian II., Rudolf II., Matthias,
  • Ferdinand II.: von 1619 bis 1637 und Ferdinand III.: von 1637 bis 1657 – beides Kaiser während des Dreißigjährigen Krieges,
  • Ferdinand IV.: Sohn Ferdinands III. durfte von 1653 bis 1654 zwar den Titel 'römisch-deutscher' König tragen, aber nicht regieren. Na ja, ist zu vernachlässigen,
  • Leopold I.: kämpfte von 1658 bis 1705 unter anderem ausdauernd gegen die Türken (Osmanen) sowie gegen den französischen 'Sonnenkönig' Ludwig XIV. (*1638/°1715),
  • Joseph I.: von 1690 bis 1711 – war hauptamtlich mit dem 'Spanischen Erbfolgekrieg' beschäftigt,
  • Karl VI.: von 1711 bis 1740 – legte mit der so genannten ‚Pragmatischen Sanktion‘ sowohl die ewige Unteilbarkeit aller ohnehin bereits als Erbkönigreich festgeschriebenen habsburgischen Besitzungen plus der darüber hinaus zum Erzherzogtum Österreich (Habsburgermonarchie) gehörenden Territorien, als auch – unter bestimmten Voraussetzungen – die Möglichkeit einer ‚weiblichen‘ Thronfolge fest.

Auf den weiter oben schon einmal erwähnten Wittelsbacher Karl VII. (*1697/°1745) folgten

  • Franz I. Stephan von Lothringen und Joseph II. – der eine Ehemann, der andere der Sohn Maria Theresias (*1717/°1780) – als Mitregenten in den Jahren 1745 bis 1780/90 der nie gekrönten, aber doch immer Kaiserin genannten Ehefrau und Mutter.

Das Haus Habsburg hieß nun Haus Habsburg-Lothringen.

  • Von den sechszehn Kindern Maria Theresias und Franz I. folgte von 1790 bis 1792 der neunte Spross – Leopold II.

Als Leopold nach zwei Jahren Regentschaft plötzlich auf nicht ganz geklärte Weise verstarb, wurde sein Sohn

  • Franz II. (*1768/°1835) dessen Nachfolger. Franz rief 1804 das so genannte Kaisertum Österreich ins Leben, trat 1806 als letzter Kaiser des ‚Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation‘ vom Amt zurück und stand fortan ‚lediglich‘ als Kaiser Franz I. von Österreich den verbliebenen, allerdings immer noch stattlichen Territorien der Habsburgermonarchie vor.

Mit der Abdankung Kaiser Franz II. war das 844 Jahre andauernde ‚Heilige Römische Reich Deutscher Nation‘ Geschichte. Es gab es nicht mehr.

Österreich-Ungarn

Franz‘ Kaiserreich dagegen mündete 1867 in die Donau- oder auch k.u.k.-Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, als die der Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie, bestehend aus Österreichern, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Kroaten, Bosnier-Herzegowinern, Italienern, Serben, Montenegrinern, Rumänen, Polen und Ukrainern, bis 1918 fortbestand.

Nach den auf Franz II. folgenden Königen und Kaisern dieses Konstrukts:

  • Ferdinand I. (*1793/°1875) und
  • Franz Joseph I. (1830/°1916), war es
  • Karl I. (*1887/°1922) mit dessen Regentschaft von 1916 bis 1918 als letzter Kaiser von Österreich und König von Ungarn die Monarchie nach nur zweijähriger Herrschaft zerfiel und die Habsburger Dynastie enteignet und entmachtet wurde.

Aber – es gibt sie noch, die weit verzweigte Familie der Habsburger. Seit 1918 zwar nicht mehr als Könige oder Kaiser; dennoch als durchaus anerkannte und wertgeschätzte Politiker (z.B. Otto Habsburg-Lothringen; verstorben 2011), Banker, Diplomaten, IT-Experten und/oder tätig in anderen ‚normalen‘ und durchaus ehrbaren Berufen.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Welt der Habsburger“ (DVA; Spiegel Buchverlag), „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker/DK, Dorling Kindersley Verlag München), „Die Habsburger“ (Heinz-Dieter Heimann/C.H. Beck-Wissen)

 

 

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