Wie kamen die Habsburger nach Spanien?

Durch die 1496/97 stattgefundene Doppelhochzeit Philipps I., dem ‚Schönen‘ (*1478/°1506), mit Johanna von Kastilien, der ‚Wahnsinnigen‘ (*1479/°1555) und seiner Schwester Margarete von Österreich (*1480/°1530) mit Johann von Aragón und Kastilien (*1478/°1497).

 

Die Erziehungsberechtigten

Die Eltern der beiden Paare waren der Habsburger

  • Maximilian I. – römisch-deutscher König und Kaiser von 1468 bis 1519 – und Maria von Burgund sowie
  • Isabella I. von Kastilien (*1451/°1504) und Ferdinand II. von Aragón (*1452/°1516).

Das erzkatholische spanische Königspaar pflegte, auf eine im wahrsten Sinne über Leichen gehende Praxis, die Inquisition, war nicht zimperlich im Umgang mit Juden und Muslimen (Reconquista), schuf aber auch – indem sie Christoph Kolumbus ermöglichten Amerika (nicht Indien!) zu ‚entdecken‘ und auszubeuten – die Ausgangsbasis für das spätere spanische Kolonialreich. Wie auch immer.

Auftakt

Triftiger Grund der genannten Ehegemeinschaften waren die feindseligen Auseinandersetzungen der Habsburger mit den Franzosen, die für sich, vermeintlich erbschaftsbedingt, dringend Teile Burgunds an Land ziehen wollten. Das konnte Vater Maximilian so nicht stehen lassen. Wobei Spanien den Habsburgern Schützenhilfe leistete.

Um nun diesen Schulterschluss zu untermauern, entschloss man sich zu dem Arrangement einer ehelichen Verbindung beider Häuser. Aber, wie so oft festzustellen ist, wohnte zu Beginn auch in diesem Fall unübersichtlicher Verflechtungen gekrönter Häupter keinesfalls ein uneingeschränkter Zauber inne.

Kräftemessen

Das änderte sich mit dem Tod Isabellas 1504.

Da der Sohn Isabellas und Ehemann Margaretes von Österreich bereits 1497 verstorben war, trat Johanna von Kastilien, Tochter Isabellas, das kastilische Erbe an. Ihr Vater Ferdinand II. von Aragón behielt seine Latifundien und übte darüber hinaus, stellvertretend für Johanna, die Regentschaft in Kastilien aus.

In den folgenden zwei Jahren, bis 1506, kämpfte Philipp der Schöne um seine Machtansprüche. Jedes Mittel war ihm recht. So startete er – in diesem unter den Mächtigen nicht unüblichen Gerangel um die jeweils beanspruchten Zuständigkeiten im Land – nicht nur den schofeligen Versuch, Johanna für unzurechnungsfähig erklären zu lassen (vermutlich war sie lediglich bekümmert und irgendwie down) sowie seinen in unüberwindbarer Feindschaft verbundenen Schwiegervater Ferdinand dazu zu bewegen, ihm – schließlich sogar per ‚Vertrag von Villafáfila‘als Philipp I. die Herrschaft über Kastilien zuzusichern.

Was lange währt, wird nicht immer gut

Das hat dann letztlich auch geklappt.

Philipp war nun der erste Habsburger, der in einem der Hoheitsgebiete auf der iberischen Halbinsel das Sagen hatte. Dummerweise konnte er seinen Status nicht lange genießen. Noch im gleichen Jahr, im September 1506, verstarb er. An einer Infektion. Philipp wurde achtundzwanzig Jahre alt.

Und? Wie ging es nun weiter?

Wie eh und je. Verwirrend. Also, sozusagen, in des Lebens bunter Fülle.

Johanna und ihr Vater reklamierten virtuos ihren Anspruch auf die Herrschaft über Kastilien. Mal hatte sie, mal hatte er Oberwasser. Schließlich ließ der Vater die Tochter aus dem Verkehr ziehen, indem er sie 1509 in einem zu einem Kloster umgewandelten ehemaligen Palast in Tordesillas, einer Stadt im Norden Spaniens – im übertragenen Sinne – hinter ‚schwedische Gardinen‘ bringen ließ.

All das natürlich ausschließlich aus Gründen des Machterhalts. Womit nur haben sich diese Leute sonst noch so beschäftigt? Egal!

Ferdinand, der Ränkespieler

Immer noch galt Johanna als Alleinerbin Spaniens. Das weckte Begehrlichkeiten. Auch bei den englischen Tudors. Aber aus dem geplanten Ehebündnis zwischen Johanna und Heinrich VII., König von England (*1457/°1509), wurde nichts. Ferdinand II. hatte es verstanden, dieses Vorhaben zu durchkreuzen.

Kurz und gut – so, oder ähnlich, ging es noch eine ganze Weile hin und her.

Dann, 1516, verstarb Vater Ferdinand.

Was blieb?

Nun, in Aragón und Kastilien saßen die dortigen so genannten Regenten an den Schalthebeln der Macht.

Johanna aber, die, der Form nach immer noch – und das bis zu ihrem Tod 1555 – rechtmäßige Königin war, allerdings nach wie vor in Tordesillas quasi einsaß, verfügte über so gut wie keinerlei Anerkennung, geschweige denn die nötige Autorität. Sie hatte im nicht enden wollenden Marathon um die Macht schlicht keine Chance.

Es waren, wieder einmal, trickreich agierende Kirchenleute (Erzbischöfe), die 1516 Erzherzog Karl von Österreich (*1500/°1558), also den Sohn Johannas und Philipps, auf den Thron Kastiliens und Aragóns setzten. Das war möglich. Denn mit Karls Geburt war die habsburgische Thronfolge gesichert. Johanna dagegen blieb zwar, wie gesagt pro forma, Mitregentin, allerdings ohne jeglichen Einfluss.

Wer zuletzt lacht

Karl wiederum, machtversessen und keine Verwandten mehr kennend, fusionierte – subito – die

  • beiden Königreiche (Kastilien, Aragón) unter das Dach des spanischen Königreiches (bestehend aus: Spanien, Neapel, Sizilien, Sardinien sowie den bis dahin annektierten Kolonien in Übersee),
  • wurde 1519/20 im Kaiserdom zu Aachen zum ‚Erwählten‘
  • und 1530 in Bologna/Italien zum 'offiziellen' Kaiser des 'Heiligen Römischen Reiches' gekrönt. Von Papst Clemens VII. (*1478/°1534).

Karl, aus dem Hause Habsburg, war nun Karl V. Im Laufe seiner Regentschaft wurde er bekannt als der Herrscher, ‚in dessen Reich die Sonne nie unterging‘…

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Welt der Habsburger“ (DVA; Spiegel Buchverlag), „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker/DK, Dorling Kindersley Verlag München), „Die Habsburger“ (Heinz-Dieter Heimann/C.H. Beck-Wissen)

 

 

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