Wer war wann und wieso Kaiser von Mexiko?

Ja, in der Tat, es gab ihn, den Kaiser von Mexiko. Allerdings lediglich von April 1864 bis Juni 1867. Das Konstrukt einer in Mexiko zu installierenden Monarchie entstand auf Initiative Kaiser Napoleons III. (*1808/°1873). Und in Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich (*1832/°1867) aus dem Hause Habsburg-Lothringen hatte er – redensartlich – ‚einen Dummen gefunden‘. Maximilian sollte in Mexiko französische Interessen vertreten.

Es waren einmal drei Brüder ...

Erzherzog Maximilian, bereits von den Zeitgenossen als ‚netter Kerl‘ apostrophiert sowie als  aufgeschlossenen, unvoreingenommenen, klug, charmant und beim Volk beliebt geschildert, hatte zwei Brüder.

Der eine,

  • Franz Joseph I. (*1830/°1916), wurde 1848 Kaiser von Österreich sowie König von Ungarn und Böhmen – und blieb es bis zu seinem Tod 1916.

Der andere,

  • Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria von Österreich (*1833/°1896), als Drittgeborener in der Erbfolge ohnehin nicht relevant, war dreimal verheiratet, hatte aus zweiter und dritter Ehe insgesamt sechs Kinder, spielte am kaiserlichen Hof letztlich so gut wie keine Rolle und verstarb 1896 an einer Infektion, die er sich vermutlich mit dem Trinken verseuchten Flusswasser zugezogen hatte.

Was blieb nun aber für den Zweitgeborenen Maximilian? Na ja, auch ihm wurde kein offizielles und verantwortliches Staatsamt angetragen.

  • Maximilian war und blieb der so genannte ‚ewige Zweite‘, war nicht glücklich mit diesem Zustand, widmete sich daher den ‚schönen Künsten‘, entdeckte sein Faible für die Seefahrt und wurde, weil es sich gut traf, 1854 zum Kommandanten der königlich-kaiserlichen Kriegsmarine ernannt.

Eine Position, die Napoleon III. auf ihn aufmerksam werden ließ. Warum?

Ausgangslage

Nun, die mexikanische Regierung unter Benito Juárez (*1806/°1872) hatte die Zahlung ihrer Auslandsschulden eingestellt. Das veranlasste Spanien, das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Irland) und, besonders engagiert Frankreich, aktiv zu werden. Die Bündnispartner wollten schlicht ihre bereits in Mexiko investierten Gelder zurück. Also betätigten sie sich, wie man so sagt, als Inkassoeintreiber – was, natürlich, nicht ohne Blutvergießen über die Bühne ging.

Nach der Einnahme der Hauptstadt Mexiko-Stadt (‚Ciudad de México‘) wähnte Napoleon III. sich am Ziel. Als die Verbündeten aber begriffen, dass dem Franzosen nicht nur an einer Schuldentilgung, sondern an einer grundsätzlichen Inbesitznahme Mexikos gelegen war, zogen sie sich zurück. Napoleon dagegen blieb bei seiner Idee, aus dem Land eine Monarchie zu machen.

Dazu brauchte es einen Kaiser. Eine Person des Vertrauens. Denn Napoleon selbst konnte ja schlecht an zwei Orten (Europa und Mexiko) gleichzeitig nach dem Rechten sehen.

Leere Worte, hohles Versprechen

Die Wahl fiel, und jetzt kommt der Habsburger wieder ins Spiel, auf den österreichischen Erzherzog Maximilian.

Trotz einer aufgenötigten stattlichen Summe Geldes, die Napoleon für die Inthronisierung forderte sowie des ihm vom Hause Habsburg auferlegten Verzichts auf sämtliche eventuellen Nachfolge- und/oder Erbschaftsansprüche, wollte der idealistisch angehauchte Maximilian nicht ‚Nein‘ sagen. Zu verlockend war die Aussicht, endlich auch einmal Kaiser – nämlich Kaiser Maximilian I. von Mexiko – zu sein und, selbstverständlich mit besten Absichten, für sein Volk, die Mexikaner, etwas bewegen zu können.

Der Gedanke war lobenswert, die Umsetzung allerdings knifflig, heikel und komplex.

Hatte nicht schon Napoleon den auf das Kaiseramt fixierten Maximilian mit unlauteren Mitteln sowie unter Vortäuschung falscher Tatsachen nach Mexiko gelockt, entpuppten sich die potenziellen mexikanischen Untertanen als ausgesprochen starrköpfig und hartnäckig in ihrer Ablehnung des vom Franzosen eingesetzten Pseudokaisers.

Akt der Verzweiflung

Maximilians Bemühungen, seinen Status innenpolitisch zu festigen, waren untauglich und liefen ins Leere. Als er noch eins obendrauf setzte, und die Anhänger Benito Juárez‘ per Erlass als kriminelle Wegelagerer zum ‚Schuss‘ freigab, was wiederum tausenden Menschen das Leben kostete, wurde es eng für Maximilian.

Unterstützung von den Franzosen war nicht mehr zu erwarten. Die hatten inzwischen – auf Intervention der Amerikaner – die beabsichtigte Vorherrschaft in Mexiko aufgegeben und hopphopp das Land verlassen.

Da auch eine von Maximilian angeforderte Hilfe anderer europäischer Staaten auf wenig bis überhaupt keine Gegenliebe stieß, versuchte er zwar noch,  mit den ihm verbliebenen Streitkräften das Schlimmste zu verhindern, wurde aber – sozusagen durch einen ‚V-Mann‘ der gegnerischen Seite –

  • ans Messer geliefert,
  • seines kaiserlichen Amtes enthoben,
  • verurteilt und
  • mit Billigung des wieder an der Macht stehenden Präsidenten Benito Juárez im Juni 1867, mit zweien seiner getreuen Generäle, von einem Exekutionskommando erschossen.

Fazit

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Habsburger Maximilian I. von Mexiko hatte einiges gewagt, als er sich auf die – sich im Nachhinein als Luftnummer erwiesenen – Versprechungen Napoleons III. verließ; gewonnen hatte er nichts.

Im Januar 1868 wurde Maximilian, nach monatelangem Gefeilsche um seine sterblichen Überreste sowie einer daran anschließend quälend langwierigen Rückführung, in der habsburgisch/habsburg-lothringischen Grabkammer, der Kaisergruft/Kapuzinergruft in Wien bestattet.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Welt der Habsburger“ (DVA; Spiegel Buchverlag), „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker/DK, Dorling Kindersley Verlag München), „Die Habsburger“ (Heinz-Dieter Heimann/C.H. Beck-Wissen)

 

 

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