Wer war Maria Stuart? Und was haben Elisabeth I. und Friedrich Schiller mit ihr zu tun?

Maria Stuart (*1542/°1587), geboren als Mary Stewart, stammte aus dem Hause Stuart, einer schottischen Adelsfamilie, die über zweihundert Jahre – bis 1587 – die schottischen Könige gestellt hat. In einem Land, in dem sich Schotten und Engländer pausenlos, fortdauernd und unverdrossen in den Haaren lagen am 08. Dezember 1542 in der Nähe Edinburghs/Schottland zur Welt gekommen, wurde Mary unmittelbar nach dem Tod ihres nur sechs Tage darauf verstorbenen Vaters Jakob V. (*1512/°1542) zu Maria I. Königin von Schottland.

Die Zeit in Frankreich

Zwar bereits mit neun Monaten offiziell gekrönt, führten bis 1554 ein gewisser James Hamilton, 2. Earl of Arran und auf diesen folgend – bis 1560 – ihre Mutter die königlichen Geschäfte.

Wegen heftiger Zwistigkeiten zwischen Schotten und Engländern, wurde die fünfjährige Maria von der Mutter 1548 nach Frankreich gebracht, erhielt dort eine exzellente Erziehung, wuchs mehrsprachig auf und heiratete 1558, da war Maria fünfzehn Jahre alt, den ein Jahr jüngeren Franzosenkönig Franz II. (*1544/°1560). Die Ehe dauerte allerdings nicht lange.

Etwas mehr als zwei Jahre später, im Dezember 1560 verstarb der junge Mann. Damit hatte sich Marias kurzzeitiger Titel ‚Königin von Frankreich‘ abrupt erledigt.

Katholiken und Protestanten

Im Jahr darauf, 1561, kehrte Maria zurück nach Schottland. Bedenkt man im Folgenden das düstere Schicksal dieser Frau, war die Rückkehr keine gute Idee. Nirgends war sie so richtig wohlgelitten.

In Schottland wandten sich die Protestanten im Allgemeinen sowie der aufwieglerische, subversive und dogmatische John Knox (*1514/°1572) im Besonderen gegen die Katholikin Maria. Vielmehr unterstützten die protestantischen Schotten die Königin von England, Elisabeth I. (*1533/°1603).

Umgekehrt war die Situation in England. Dort sahen die Katholiken eher Maria als rechtmäßige Regentin auf dem Thron, war sie doch die legitime Urenkelin Heinrichs VIII. (*1491/°1547). Wohingegen Elisabeth, den seinerzeitigen Konventionen zur Folge, widerrechtlich auf dem englischen Thron saß, war sie doch ‚nur‘ die ‚unehelich‘ geborene Tochter des ‚Womanizers‘ Heinrich VIII.

Kurz und gut – alles in allem ging es bei diesen gegensätzlichen Auffassungen sowie daraus entstandenen erbittert und schonungslos geführten Auseinandersetzungen zwischen Marias Tante 2. Grades (Elisabeth I.) und der ebenfalls den englischen Thron beanspruchenden Maria von Schottland schlicht um Macht, Ehrgeiz, Intrigen, Ränkespiele, Hinterlist, Heimtücke, Boshaftigkeit und – wie so oft in der Geschichte (und das bis heute) – auch um die Religion. Um den wahren Glauben, sozusagen. Turbulente Zeiten also.

Marias zweite Ehe

Und doch heiratete Maria Stuart – trotz, oder gerade wegen ihres so genannten 'Lebens bunter Fülle' – noch zweimal.

Der erste (1565) hieß Henry Stuart (Lord Darnley), war Marias neunzehn Jahre alter Cousin, der allerdings einen wenig beeindruckenden Lebenswandel führte. Im Sommer 1566 wurde beider Sohn geboren, der 1567 als Jakob VI. (*1566/°1625) König von Schottland wurde und 1603 als Jakob I. zum König von England und Irland avancierte. Knapp darauf, im Februar 1567, verstarb Lord Darnley. Vermutet wurde/wird, dass er einem Auftragsmord zum Opfer fiel. Möglicherweise veranlasst durch Maria? Die einen sagen ja, andere sagen nein. Unter den Historikern herrscht Uneinigkeit ob, oder ob nicht.

Der dritte Mann und Flucht nach England

Marias dritter Ehemann war ein gewisser James Hepburn (*1534/°1578), 4. Earl of Bothwell und 1. Duke of Orkney.

Die Hochzeit fand spornstreichs drei Monate nach dem Hinscheiden des zweiten Ehegatten statt, stand aber wegen der andauernden und immer unübersichtlicher werdenden Querelen zwischen schottischen und englischen Katholiken und Protestanden ebenfalls unter keinem guten Stern.

Maria wurde gestürzt bzw. zur Abdankung genötigt, und floh 1568 von Schottland nach England.

Obwohl Maria den ihr bisher gewährten Zuspruch – zum Beispiel des Papstes (Pius V. - *1504/°1572) und des einen oder anderen weltlichen Würdenträgers – verloren hatte, weil ihr der Vatikan und eine beachtliche Anzahl katholischer Fürsten Europas übel nahmen, ihre Hochzeit mit dem Earl of Bothwell auf Basis protestantischer Gepflogenheiten begangen zu haben, hatte Elisabeth I. nun wohl doch das ständige und aufreibende Tamtam um und mit Maria – umgangssprachlich – 'satt'. Maria schien ihr zu gefählich geworden zu sein. Also galt es, den englischen Thron für sich zu bewahren.

Gefangenschaft, das Urteil und die Vollstreckung

Mit ihrer Geduld am Ende, ließ Elisabeth Maria also kurzerhand inhaftieren und gute achtzehn Jahre später (1587) wegen (angeblichen?) Hochverrats hinrichten.

Vollstreckt wurde das Urteil im Februar auf Schloss Fotheringhay in der Grafschaft Northamptonshire, wobei, so heißt es, der Klappskalli von Scharfrichter – brutaler geht es nicht – drei Mal die Axt schwingen musste.

Ach ja!

Da war doch noch was. Na klar, der Earl of Bothwell. Nun, der war bereits 1567 – wahrscheinlich wegen staatsfeindlicher Umtriebe – in Norwegen aus dem Verkehr gezogen, 1573 auf Schloss Dragsholm/Dänemark verlegt worden und dort 1578 nach fünfjähriger Haft unter keinesfalls freundlichen Umständen verstorben.

Insgesamt gesehen, ohne hier auf die unzähligen Details eingegangen zu sein, konnte Maria Stuart auf eine in weiten Teilen verwirrende Lebensgeschichte zurückschauen. Auf ein Leben mit vielen Wendungen. Und geprägt von echten und falschen Gefühlen, Leidenschaft, ruchlosen Winkelzügen und an Niederträchtigkeit nicht zu überbietendem Machtpoker.

Friedrich Schiller

Anlass genug für Friedrich Schiller (*1759/°1805), das letztlich traurige Schicksal Maria Stuarts in seinem gleichnamigen Trauerspiel in fünf Aufzügen aufzugreifen.

Die Uraufführung des Dramas fand im Juni 1800 in Weimar statt, spielt 1587 in England wenige Tage vor Marias Exekution auf Schloss Fotheringhay, und gibt, abgesehen von einer in Anspruch genommenen künstlerischen Freiheit in der Darstellung der Ereignisse, das moralisch und politisch bedenkliche Kalkül der beteiligten Parteien – wie im bereits weiter oben geschilderten ‚echten‘ Leben – auf eindringliche Art wider.

In Schillers Drama sind die Niederungen menschlichen Miteinanders eindeutig zu erkennen.

Auch hier bestimmen Lügen, Machtstreben, Tricksereien, Eifersucht, Hass und Rachegefühle, ein Attentatsversuch auf Elisabeth I., Liebesbeteuerungen seitens Mortimer, dem Neffen des ‚Bewachers‘ der Gefangenen sowie des zögerlichen Robert Dudley, Graf von Leicester und – last but not least – divergierende, bei genauer Betrachtung schlichtweg unverständliche und eigentlich nicht nachzuvollziehende  Glaubensfragen die Handlung.

Das Maria und Elisabeth I. durchs Leben begleitende angespannte Verhältnis lässt Schiller gegen Ende des Stücks allerdings in einem etwas versöhnlicheren Licht erscheinen, indem er Maria kurz vor der Urteilsvollstreckung im Gespräch mit Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh und Großschatzmeister der englischen Königin, sagen lässt:  '...Der Königin von England bringt meinen schwesterlichen Gruß. Sagt ihr, dass ich ihr meinen Tod von ganzem Herzen vergebe, meine Heftigkeit von gestern ihr reuevoll abbitte – Gott erhalte sie! Und schenk ihr eine glückliche Regierung ...!'

Summa summarum: Eine durchaus spannende Story...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Reclams Schauspielführer“ (Reclam-Verlag Stuttgart), „Duden – Das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag), „Maria Stuart“ (Stefan Zweig/Fischer Taschenbuch Verlag)

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige