Wann und warum kam es in England zum „Ersten Bürgerkrieg“?

Der „Englische Bürgerkrieg“ (1642-1649), auch „Puritanische Revolution“ genannt, begann 1642 aufgrund divergierender politischer, sozialer und religiöser Auffassungen zwischen dem streng katholisch ausgerichteten Königshaus Charles I. (*1600/°1649) aus der schottischen Dynastie der Stuarts und dem stark calvinistisch-protestantisch (-> puritanisch) orientierten Unterhaus des englischen Parlaments.

 

Parlament, Bürgerrechte und absolute Herrschaft

Zum einen wollten die Parlamentarier aller Couleur an ihren über die Jahrhunderte hinweg erkämpften Bürgerrechten festhalten und sich weder mit dem Absolutheitsanspruch des Königs abfinden, noch ihren protestantischen Glauben wieder katholisieren lassen.
Charles/Karl I. sah das zwar genau andersherum, war aber in Geld- und Steuerfragen auf das Parlament angewiesen.

Um die seitens des Königs mehrfach benötigten Gelder für dessen Kriegspolitik (-> Spanien/Schottland/Irland) zu bewilligen, verlangte das Parlament 1628 die Wiederherstellung uneingeschränkter Staatsbürgerrechte (-> „Petition of Rights“).
Charles willigte ein, unterschrieb das Gesuch, hielt sich aber nicht daran.
Jeglichen weiteren Protest der Abgeordneten beantwortete er im Frühjahr 1629 kurzerhand mit der Auflösung des Parlaments und regierte in den nächsten elf Jahren ohne diese Institution.

 

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln

Ähnliches wiederholte sich 1640.
Wieder benötigte Charles I. Geld.
Dieses Mal, um gegen die calvinistischen Schotten vorzugehen.
Wieder wurde das Parlament einberufen, aufgelöst und wieder einberufen (-> „Langes Parlament“).

Der Konflikt verschärfte sich, als Charles 1642 das Parlament stürmen, und ihm nicht gewogene Gegner verhaften ließ. Aber, der Schuss ging nach hinten los.
Charles sah sich gezwungen, London zu verlassen.

 

Die üblichen Triebfedern

Was daraufhin folgte, waren kriegerische Auseinandersetzungen auf englischem, schottischem und irländischem Boden.
Dabei ging es im weitesten Sinne - zusammengefasst - um Geld, königlichen Absolutismus, Machterhalt, Machtgewinn, Staatbürgerrechte, Katholizismus, Calvinismus und Puritanismus.

 

Und? Was hat's gebracht?

Nun, es lief schlecht für Charles I.
Bereits 1644 bei Marston Moor (-> nahe York/Nordengland) und 1645 bei Naseby (-> Mittel-Ost England) vernichtend von Oliver Cromwells (*1599/°1658) „New Model Army“ geschlagen, kam es 1648 nach der für ihn ebenfalls verloren gegangenen Schlacht von Preston zum finalen „Halali“.
Charles wurde gefangen genommen, vor Gericht gestellt und 1649 vor dem „Banqueting House“ des später, 1698, niedergebrannten Whitehall Palastes enthauptet.

 

Der "Lord Protector"

Bis zu seinem Tod, 1658, übernahm nun Oliver Cromwell die - von ihm keineswegs in der so genannten „feinen englischen Art“ ausgeübte - Regierungsgewalt ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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