Was bedeuten die Begriffe „Kurzes“ und „Langes“ Parlament?

Etwa seit Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich unter der Herrschaftsdynastie der Tudors (-> 1485 bis 1603) in England ein leistungsfähiges und engagiertes Parlament etabliert, dem es - trotz nach wie vor massiver Abhängigkeit vom Königshaus - unter anderem gelungen war, ein Einspruchsrecht in Steuerfragen zu erreichen.

 

Magna Charta, Absolutismus, Petition of Rights

Als Königin Elisabeth I. (*1533/°1603) von England im März 1603 verstarb und mit James I. (*1566/°1625) sowie mit dessen Sohn, Charles I. (*1600/°1649), die Stuarts das Ruder übernahmen, geriet das bisher mehr oder weniger einvernehmliche Miteinander beider Institutionen (-> Königshaus/Parlament) in Schieflage.

Die Stuart-Könige sahen sich ausschließlich nur Gott gegenüber verantwortlich, und begriffen ihre Herrschaft  folgerichtig als absolutistisch.
Anders gesagt:
Sie hielten das Parlament für entbehrlich und billigten ihm allenfalls eine beratende Funktion zu - und das auch nur dann, wenn sie selbst es für angebracht hielten.

Diese uneinheitliche und gegensätzliche Sicht der Dinge, führte - wie könnte es auch anders sein - zu Konflikten zwischen den Parteien. Und meistens ging es dabei ums liebe Geld.

Begonnen hatte der Streit im März 1629.
Charles I. benötigte Bares für seine kostenaufwändigen Auseinandersetzungen mit den Spaniern.
Das Parlament bewilligte die Gelder, verlangte allerdings als Gegenleistung des Königs Unterschrift unter die „Petition of Rights“ (-> "Bittschrift des Rechts") - was, neben der 1215 vom englischen König Johann Ohneland verabschiedeten "Magna Charta", so etwas wie ein weiterer Baustein in der Entwicklung der Freiheitsrechte bedeutete.

Zwar unterschrieb der König die darin enthaltene Festlegung staatbürgerlicher Rechte für Jedermann, hielt sich aber nicht daran.
Als die Volksvertreter wenig später eine Resolution, unter anderem gegen die vom König ohne Billigung des Parlaments erhobenen Steuern, verabschiedeten, löste Charles I. das Parlament kurzerhand auf.

 

„Kurzes Parlament“

Nach elf Jahren Alleinherrschaft ohne jede Einbeziehung dieses staatlichen Organs, geriet Charles I. aufgrund der seit 1638 revoltierenden presbyterianisch/calvinistischen Schotten finanziell erneut in die Bredouille.

Im April 1640 rief der König das Parlament ein, löste es drei Wochen später allerdings wieder auf, als er sah, dass die Versammlung - außer unergiebigen und dem Anliegen nicht entsprechenden endlosen Diskussionen - keine Neigung verspürte, ihm die erforderlichen Gelder zu bewilligen.

 

„Langes Parlament“

Das so genannte „Lange Parlament“ wurde noch im gleichen Jahr, 1640, erneut von Charles I. einberufen und wird so genannt, weil es im weitesten Sinn -

  • den von 1642 bis 1649 dauernden „Englischen Bürgerkrieg“ (-> „Puritanische Revolution“) sowie die
  • „Englische Republik“ (-> „Commonwealth“) mit Oliver Cromwell (*1599/°1658) als Lord Protector überdauernd

bis zur beginnenden Wiederherstellung (-> „Restauration“) der Monarchie zwanzig Jahre, bis 1660, „überlebte“ ...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Kompakt & Visuell - Geschichte" (Philip Parker / Dorling Kindersley), "Duden - Das große Buch der Allgemeinbildung", "Das Gewissen und die Macht" (Peter de Mendelssohn / Prestel Verlag)

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige