Wo lebte und wohnte Oliver Cromwell während seines politischen Wirkens?

Nicht jede seiner Unterkünfte – im Besonderen die, die er während seiner Feldzüge in England, Schottland und Irland bewohnt haben mag – sind, wie’s scheint, im Detail nachvollziehbar. Ein paar der wesentlichen Aufenthaltsorte dagegen schon.

Einmal Ely/London – hin und zurück

Zwischen 1640 und 1646 - Oliver Cromwell (*1599/°1658 - englischer Staatsmann, Heerführer, „Lord Protector“/„Schutzherr“ und radikaler Puritaner) war erneut ins Parlament berufen worden, dieses Mal in das so genannte „Lange Parlament“ von 1640 bis 1660 - scheint er einige Jahre Pendler zwischen London und Ely gewesen zu sein.

Sicherlich hat er die heute mit dem Zug im günstigsten Fall in einer Stunde und neun Minuten zu bewältigende Strecke nicht täglich bewerkstelligt. Vielleicht nur am Wochenende? Per Kutsche?

Schwer vorstellbar! Immerhin wurde mit dem Bau der M11 (-> Motorway/Autobahn) erst in den 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen. Wie auch immer!

Whitehall Palace und Hampton Court Palace

Nachzulesen ist allerdings, dass Oliver Cromwell mit der Familie etwa ab 1646 Quartier in der City von London genommen haben soll.

Zuerst in ihm zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten nahe des Whitehall Palace, dann ab 1653/54 - Oliver Cromwell war jetzt Lord Protector - in für ihn angemessen hergerichteten Zimmerfluchten direkt im Whitehall Palast.

Und, sozusagen als Draufgabe, requirierte er für sich und die Familie den Hampton Court Palace, ein prachtvolles Schloss in Londons Umgebung.

Nachtrag

Oliver Cromwell verstarb im September 1658 im Palace of Westminster. Vermutlich an Malaria.

Zuvor, mit Beginn seiner zweiten Amtszeit als Lord Protector (-> 1657), hatte Cromwell den auf König Edward I. (*1239/1307) zurückzuführenden Krönungsstuhl von der Westminster Abbey in die Westminster Hall (-> ältester heute noch erhaltener Trakt des Westminster Palastes/Houses of Parliament) bringen lassen.

Aus Gründen der Repräsentation oder, nicht unwahrscheinlich, aus einem gewissen Geltungsdrang heraus?

Sei’s drum!

Heute, nach vorübergehender Verlegung während des Zweiten Weltkrieges und eines kuriosen Diebstahls, begangen 1950 von schottischen Studenten (die straffrei blieben), steht der Stuhl - und mit ihm der „Stone of Scone“ (-> „Krönungsstein“) - selbstverständlich wieder in der Westminster Abtei …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Das Gewissen und die Macht (Peter de Mendelssohn / Prestel Verlag),
London (David Piper / Prestel Verlag)

 

 

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