Wer war Oliver Cromwell?

Oliver Cromwell (*1599/°1658), englischer Staatsmann, Heerführer, Lord Protector (-> „Schutzherr“) und radikaler Puritaner, wurde im Marktflecken Huntingdon (-> heute: Grafschaft Cambridgeshire/England), geboren.

 

Familie und Kindheit

Die Familie gehörte zum so genannten niederen Landadel, war nicht wirklich reich, aber doch gut situiert und verfügte über ein aus dem 13. Jahrhundert stammendes Herrenhaus (-> „Hinchingbrooke House“) im Tudor-Stil, das den Cromwells um 1538 von King Henry VIII. (*1491/°1547) zugesprochen worden war.
Auf diesem Landsitz soll Oliver einen großen Teil seiner Kindheit verbracht haben.

 

Studium und Puritanismus

Von den Eltern 1616 nach Cambridge geschickt, kam Oliver am dortigen „Sidney Sussex-College“ der Universität Cambridge mit der während des 16/17. Jahrhunderts in England um sich greifenden, streng protestantisch-calvinistisch geprägten Reformbewegung (-> Puritanismus) in Berührung.
Eine fundamental-religiöse Richtung, der er sich einige Jahre später, 1628, vorbehaltlos anschloss.

 

Einzug ins "Kurze"- und "Lange" Parlament

Ebenfalls in diesem Jahr trat Oliver Cromwell zum ersten Mal dem Unterhaus des englischen Parlaments bei.
Nach dessen Auflösung 1629 durch den Stuart-König Charles/Karl I. (*1600/°1649) und dessen darauf folgender elfjähriger Alleinherrschaft, wurde Cromwell 1640 zum zweiten Mal - zuerst ins so genannte „Kurze“-, dann in das „Lange“ Parlament gewählt.

 

Englischer Bürgerkrieg/Puritanische Revolution

Während des „Englischen Bürgerkrieges“ (-> von 1642 bis 1649) organisierte er den

  • Aufbau einer Parlamentsarmee, die so genannte „New Model Army“,
  • tat sich in den Schlachten gegen Charles I. bei Marston Moore, Naseby und Preston als draufgängerischer Heerführer hervor und
  • betrieb 1649 vehement die Hinrichtung des Königs.

Der war nämlich den im Parlament mehrheitlich vertretenen Puritanern im Hinblick auf die Gewährung ihrer puritanischen Glaubensfreiheit als unsicherer Kandidat und in seinen möglichen Absichten als ständige Bedrohung erschienen.

 

Lord Protector des "Commonwealth of England"

Aber, jetzt war der König tot.
Es lebe die Republik!

Das so genannte „Commonwealth of England“, das bis 1660 Bestand hatte.
Und Oliver Cromwell übernahm das Ruder,

  • war 1650/51 erfolgreich im Sieg über die Schotten,
  • löste 1653 das verbliebene Parlament auf,
  • ernannte sich zum Lord Protector (-> „Schutzherrn“) und
  • führte das Land bis zu seinem Tod 1658 in einer rigoros puritanisch ausgelegten Gewaltherrschaft.

Nichts desto trotz werden ihm heute durchaus eine Stärkung des englischen Parlaments, große Erfolge in den Handelskriegen mit den Niederlanden und Spanien sowie - damit einhergehend - die Wegbereitung Englands zur See- und Handelsmacht zugeschrieben.

 

Was bleibt nachzutragen?

Oliver Cromwell

  • heiratete um 1620/21 eine gewisse Elisabeth Bourchier (*1598/°1665), Tochter eines wohlhabenden Londoner Kaufmanns,
  • hatte mit ihr neun Kinder,
  • eine grundsätzlich - so heißt es - lebenslang glückliche Beziehung zu Elisabeth und

wohnte und lebte im Laufe seines Lebens - abgesehen von möglichen Biwaks/Feldlagern im Freien oder ggf. in Zelten - in:

  • Huntingdon,
  • Cambridge,
  • St. Ives (1631/1636),
  • Ely (1636/1646) sowie - während seiner Zeit im Parlament - im
  • Whitehall Palace,
  • Palace of Westminster sowie im
  • Hampton Court Palace um London herum.

Nach seinem Tod im September 1658 im Whitehall Palast - darin waren sich, so scheint's, Freund und Feind einig - erhielt Oliver Cromwell ein bombastisches Staatsbegräbnis.

 

Rache ist scheinbar doch "süß"

Begleitet von Fahnenträgern, Trommlern und allen Wichtigkeiten aus Politik und Gesellschaft wurde der verstorbene Lord Protector des Commonwealth von England, Schottland und Irland in der Westminster Abtei beigesetzt - um mit dem Wiedereinzug des im Mai 1660 aus dem Exil zurückkehrenden Charles/Karls II. (*1630/°1685) unmittelbar

  • aus dem Grab geholt,
  • im Januar 1661 zum Galgenplatz der City of London gebracht und
  • posthum geköpft zu werden.

Tot schien nicht gleich tot gewesen zu sein. Doppelt hält wohl doch besser.
Nun denn …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Das Gewissen und die Macht (Peter de Mendelssohn / Prestel Verlag),
London (David Piper / Prestel Verlag)

 

 

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