Wer war Hernán Cortés?

Ein zwiespältiger Typ! Ehrgeizig, machtbesessen, skrupellos, menschenverachtend aber durchaus auch mutig.

 

 

Herkunft, Ausbildung und erste Schritte

Hernán (-> Hernando) Cortés wurde 1485 in Medellín, einem kleinen Ort im Südwesten Spaniens geboren. Zwar gehörte die Familie dem so genannten niederen Adel an, war aber keineswegs mit Gütern gesegnet. Nach heutigen Maßstäben noch im Pubertätsalter studierte Cortés eine Zeitlang Juristerei, brach das Unterfangen aber schon bald wieder ab. Mit Neunzehn „machte er rüber“ nach Westindien, auf die karibische Insel Hispaniola (heute: Haiti und Dominikanische Republik), nahm dort zunächst einen Bürojob in der Verwaltung an, um dann 1511 mit dem Aristokraten, Offizier, Eroberer und Statthalter Hispaniolas, Don Diego Velázquez de Cuéllar (*1465/°1524), nach Kuba zu gehen.

 

Karrierestart

Binnen kurzem wurde Velázquez Gouverneur von Kuba; Cortés wurde wohlhabend und schließlich von seinem Gönner Velázquez zum Expeditions-Oberbefehlshaber zur Eroberung des Aztekenreiches ernannt. Das ging eine Weile gut, dann übernahm Cortés (etwa ab 1518) diese Excursionen in Eigenregie.

 

Auf dem Weg nach Tenochtitlán

In dieser Eigenschaft macht er sich im Februar 1519 von Havanna aus auf den Weg ins heutige Mexico. Per Schiff. Genauer: mit einer Flotte von fünfzehn Schiffen, einer etwa 500 bis 600 Mann starken Truppe und einigen Pferden. Im Laufe der nächsten Monate durchquerte er die Halbinsel Yucatán, ließ die dortigen Maya ungeschoren, machte sich den mexikanischen Volksstamm der Tlaxcalteken (damals erbitterte Feinde der Azteken; heute: über die Jahrhunderte durch Heirat mit Spaniern nur noch in Spuren – wie man so sagt – „reinrassig“ in Mexiko lebend) zum Verbündeten und erreichte schließlich im November 1519 Tenochtitlán, die Hauptstadt des Aztekenreiches – das war dort, wo heute Mexiko-City liegt.

 

Moctezuma hat "Flasche leer"

Etwa zwei Jahre lang ging alles weitestgehend gut. Cortés wurde vom Aztekenkönig Moctezuma/Montezuma II. (*um1465/°1520) zwar freundlich empfangen, hinderte ihn jedoch nicht, den Herrscher aller Azteken gefangen zu nehmen. Im Zuge eines Massakers der Spanier an den Azteken sowie dem sich daran anschließenden Aufstand der aufgebrachten Überlebenden, konnte sich Moctezuma, so heißt es in einer Vielzahl der Quellen, weder gegen seinen ehrgeizigen Bruder, noch gegen sein Volk durchsetzen. Er „hatte (um es mit Giovanni Trapattoni zu sagen) fertig, Flasche leer“. Im allgemeinen Tohuwabohu wurde er von seinen eigenen Leuten umgebracht.

 

Flucht und Rückkehr

Cortés dagegen, musste mit seinen Kämpfern erst einmal das Weite suchen – um dann allerdings im Frühjahr 1521 zurückzukehren, Tenochtitlán zu belagern, platt zu machen, den Nachfolger Moctezumas einzusperren und die Azteken endgültig zu unterwerfen.

 

Was dann noch geschah

Cortés ließ Honduras erobern, wurde reich, vom spanischen König Karl I. (*1500/°1558) - der, aus dem Hause der Habsburger stammend, als Karl V. ab 1530 der letzte römisch-deutsche Kaiser war - zum Gouverneur von Neuspanien ernannt, wurde mächtig, fiel in Ungnade, erforschte, nun lediglich nur noch mit militärischer Macht ausgestattet, die Küste Baja Californias (-> Halbinsel Niederkalifornien), nahm 1541 an einem Feldzug in Algerien teil, ließ seine drei unehelichen Kinder aus zwei Beziehungen von Papst Paul III. (*1468/°1549) legitimieren – und verstarb im Dezember 1547 in Castilleja de la Cuesta nahe Sevilla/Spanien.

 

Was bleibt

Cortés´ zweiundsechzig Jahre währendes Leben war bunt, karrierebezogen, mit Erfolgen und Reichtum bestückt – aber im Gedächtnis der Nachwelt im Wesentlichen gekennzeichnet durch seine im wahrsten Sinne über Leichen gehende blutige Vernichtung des Aztekenvolkes.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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