Wer war Vasco da Gama?

Vasco da Gama (*um 1469/°1524) war ein portugiesischer Seefahrer. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Und das Wenige bezieht sich lediglich auf seine Eltern. So soll der Vater Gouverneur von Sines (etwa 160 km südlich von Lissabon und vermuteter Geburtsort Vasco da Gamas) sowie Silves an der Algarve, und die Mutter ursprünglich aus England gewesen sein. Egal!

Piraten, Vasco da Gama und ein Denkzettel

Wie „dünn“ auch die Kenntnis über seine frühen Jahre sein mag, bleibt doch immerhin die verbriefte Tatsache, dass Vasco da Gamas erstes – geschichtlich relevantes – Auftreten auf das Jahr 1492 datiert wird. In dem Jahr erhielt er, mit Anfang Zwanzig, von Portugals seinerzeitigem König Johann II. (*1455/°1495) den Auftrag, französischen Handelsschiffen – sozusagen im Gegenzug auf Angriffe französischer Piraten auf portugiesische Schiffe – einen Denkzettel zu verpassen. Das scheint Vasco tatsächlich gut gelungen zu sein. König Johann jedenfalls soll höchst zufrieden mit ihm und seiner Mission gewesen sein.

Weltreich Portugal

Auf Johann II., der im Herbst 1495 verstarb, folgte Emanuel I. (*1469/°1521). Noch heute, wenn Portugiesen von diesem König erzählen, sprechen sie gleichzeitig auch vom so genannten „Goldenen Zeitalter“ Portugals – eines zu der Zeit durchaus als Weltreich (kulturell, wirtschaftlich, politisch) zu bezeichnenden mächtigen Kolonialreichs. Wie auch immer.

Gewürzroute

Kurz nach seinem Amtsantritt erteilte König Emanuel I. – der auch als „der Glückliche“ tituliert wurde/wird – den Auftrag, den Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung (Afrika) nach Indien zu finden. Natürlich auch in der Absicht einen Weg zu finden, zukünftig möglicherweise die bis dahin exorbitant teuren Gewürze aus Asien preiswerter nach Europa zu bekommen. Die Leitung, also das Kommando dieser Indienexpedition, übertrug der König an Vasco da Gama.

Also machte sich Vasco im Juli 1497 mit etwa 160/170 teils erfahrenen Seeleuten, teils allerdings auch (weniger erfahrenen) Strafgefangenen von Lissabon aus auf den später mit dem Begriff „Gewürzroute“ bezeichneten Weg nach Indien. Die Reise war – wie auch anders zu erwarten – abenteuerlich, gefährlich und dauerte etwa elf Monate hin, fünf vor Ort in Kozhikode (früher: Calicut)/Indien und gute neun Monate zurück.

Rückkehr von der 1. und Aufbruch zur 2. Entdeckungsfahrt

Mit dem Verlust von annähernd einhundert Männern und eines seiner drei Schiffe, aber auch mit Pfeffer, Ingwer, Muscat, Zimt und anderen Gewürzen sowie einem portugiesisch-indischen Handelsabkommen,

  • traf Vasco da Gama im Frühherbst 1499 wieder in Lissabon ein,
  • wurde – unter anderem – zum „Admiral des Indischen Ozeans“ ernannt,
  • nahm 1502/1503 zum zweiten Mal an der vierten portugiesischen Indienexpedition teil,
  • „entdeckte“ auf dieser Reise die Seychellen und die Komoren und
  • legte gleichsam den Grundstein für Portugals zukünftige wirtschaftliche Größe.

Fußnote

Vasco da Gama war verheiratet, hatte sechs Söhne und eine Tochter, wurde 1519 zum Herzog von Vidigueira (heute: Kleinstadt mit etwa 3000 Einwohnern südöstlich von Lissabon) ernannt, nahm im April 1524 – inzwischen von König Johann III. (*1502/°1557) zum Vizekönig von Indien berufen – an seiner dritten Indienreise teil, verstarb aber dort nach kurzem Aufenthalt am 24. Dezember 1524. In Cochin/Südindien.

Fazit

Vasco da Gama gilt als erster Europäer der Indien per Schiff erreicht und mit dafür gesorgt hat, dass Portugal zum (damaligen) Mittelpunkt des für Wohlstand sorgenden Gewürzhandels wurde. Sein Ehrengrab ist, nach der 1538 von seinem Sohn veranlassten Überführung nach Vidigueira, schließlich und endlich im Hieronymus-Kloster in Belém, einem Vorort Lissabons, zu „finden“ und zu "besuchen".

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Große Entdecker" (Hans-Joachim Löwer, Alexandra Schlüter/Piper Verlag)

 

 

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