Wer war "Karl der Kühne"?

Karl der Kühne (1433-1477) war ein französischer Herzog. Seine Kühnheit bestand vor allem darin, deutlich mehr zu wollen als nur das burgundische Herrschaftsgebiet, dem er entstammte. Dabei legte er sich am Ende aber mit etwas zu vielen auf einmal an und starb im Gefecht.

Möglicherweise lag die Kühnheit auch an seiner Herkunft. Als Sohn Philipps des Guten war Karl der Kühne ein Spross des (früheren) französischen Königshauses Valois. Aber französischer König war bzw. wurde 1461 Ludwig XI., sein ewiger Kontrahent.

 

Ausweitung von Burgund bis in die Niederlande

Trotzdem gelang es Karl dem Kühnen, sein burgundisches Machtgebiet kontinuierlich zu erweitern. Nach einer sehr wechselvollen Geschichte gehörten am Ende auch Teile des heutigen Belgiens und der Niederlande dazu. Eine ganze Zeit lang war Burgund plus den heutigen Benelux-Gebieten so etwas wie ein Parallelreich zu Frankreich.

Am Ende musste Karl aber eine Reihe verlorener Kriege hinnehmen, vor allem gegen die Schweizer Eidgenossen und französische Widersacher, und starb bei der letzten dieser Gefechte 1477 in Nancy. Berühmt wurden diese Schlachten vor allem auch wegen der Schweizer, die damals mit einer Art Bauernarmee gegen die Ritter von Karl dem Kühnen antraten – und gewannen. Zuerst in Grandson im März 1476 (gegen Eidgenossen und Lothringer), dann im Juni 1476 in Murten.

 

Legendäre Niederlagen gegen die Schweizer

"Karl der Kühne verlor in Grandson das Gut, in Murten den Mut und in Nancy das Blut", heißt es gemeinhin in der Schweizer Geschichtsschreibung. "Das Gut" waren diverse Schmuckstücke, die Karl der Kühne in Grandson nach eiliger Flucht zurückließ. Die sogenannte "Burgunderbeute" verkauften die Schweizer übrigens an den deutschen Großkaufmann Jakob Fugger. In der Schlacht bei Murten wurde Karls Armee dann noch vernichtender geschlagen, und als er, nun endgültig mehr starrköpfig als kühn, ein halbes Jahr später mitten im Winter versuchte, das lothringische Nancy per Belagerung zu erobern, verlor er in der folgenden offenen Schlacht nicht nur den Krieg, sondern auch das Leben.

Übrigens ziemlich grausam. Der zerschundene und durch die Wunden und Wolfsfraß entstellte Körper wurde erst Tage später von Dienern im halbgeforenen Zustand gefunden. Dann zunächst als "Trophäe" in Nancy bestattet, wurde der Leichnam Karl des Kühnen viele Jahre später von seinem berühmten Urenkel Karl V. (dem Habsburg-Kaiser) nach Brügge überführt.

 

Nutznießer: Die Habsburger

Apropos Habsburg: Das über Jahrhunderte vorherrschende Königs- und Kaisergeschlecht in Europa verdankte seine enorme Macht nicht zuletzt Karl dem Kühnen. Dessen Tochter Maria heiratete nämlich den Habsburger Maximilian I., König und später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Dadurch gewann das Haus Habsburg die enorm wichtigen Gebiete in Belgien und den Niederlanden dazu.

Autor: Dr. Jörg Zorn

 

Immer wieder Burgund: Wo liegt das eigentlich genau?

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige