Gab es in Frankreich eigentlich auch einen Ludwig XVII.?

Ja. Allerdings regierte er nie. Es handelt sich um Louis-Charles, den zweiten Sohn Marie Antoinettes und Ludwig XVI.. Louis-Charles kam im März 1785 zur Welt, also vier Jahre vor der Französischen Revolution. Und genau die wurde dem kleinen Jungen zum Verhängnis.

Als seine Eltern ab 1791 erst unter eine Art Hausarrest gestellt und später richtig inhaftiert wurden, betraf das auch ihn. Aber immerhin war er noch bei seiner Familie. Als sich dann aber der Prozess gegen seine Eltern seinem Ende näherte, wurde der kleine Prinz den Eltern weggenommen und einem Schuster zur Erziehung übergeben. Der ungebildete Mann schien aus Sicht der Revolutionsführer perfekt, um dem Jungen etwaige "Königsgefühle" auszutreiben.

 

Tragisches Ende: erst der Vater, dann die Mutter, dann er selbst

1793 wurde dann erst sein Vater und später seine Mutter hingerichtet. Dabei war seine Rolle beim Tod von Marie Antoinette zwielichtig, denn er sagte im Prozess gegen sie aus und bezichtigte sie sexueller Handlungen mit ihm. Ob das eine von Marie Antoinettes Gegnern gesteuerte Falschaussage war, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Tatsache ist, dass der Junge zu diesem Zeitpunkt erst acht Jahre alt war.

Als dann kurze Zeit später sein Pflegevater starb, blieb Louis-Charles allein im Pariser Gefängis "Temple" zurück (eine ehemalige Templer-Festung, also kein klassisches Gefängnis). Dort überließ man ihn weitgehend sich selbst, so unglaublich das aus heutiger Sicht klingen mag.

Louis-Charles starb am 8. Juni 1795 im Temple, wahrscheinlich an Tuberkulose.

Autor: Dr. Jörg Zorn

 

 

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