Wo und wie verbrachte Marie Antoinette die meiste Zeit ihres (kurzen) Lebens?

Marie Antoinette (*1755/°1793), die eigentlich Maria Antonia Josepha Johanna hieß und Erzherzogin von Österreich war, lebte als Kind und Jugendliche sorgenfrei und ohne Verpflichtungen am kaiserlichen Hof in Wien (Hofburg, Schloss Schönbrunn).

 

Schloss Versailles

Aus politischen Gründen wurde Marie Antonia mit dem designierten Thronfolger Ludwig XVI. (*1754/°1793) verkuppelt, und im April 1770 – mit vierzehn Jahren – an den französischen Hof König Ludwigs XV. (*1710/°1774) in Versailles, unweit von Paris, geschickt.
Die Hochzeit fand im Mai 1770 im Schloss Versailles statt.
Ab jetzt wurde sie Marie Antoinette genannt.
Um in Frankreich bestehen zu können, waren dem jungen Mädchen zuvor schnell noch die französische Sprache und Geschichte, ein Schuss Allgemeinwissen sowie höfische Etikette nahe gebracht worden.

 

Lax, blasiert und indifferent

Aber das sich Beschäftigen mit politischen Fragen, mit den sozialen Problemen ihres Volkes, mit dem Land überhaupt; das strenge Protokoll mit den Gewohnheiten monarchischer Traditionen sowie der in ihren Augen verlogene Hofstaat scheint sie gelangweilt zu haben.
Auch die Ehe mit der verklemmten und den Österreichern ohnehin nicht sonderlich gewogenen Spaßbremse Ludwig XVI. trug nicht zu ihrem Wohlbefinden bei.
Obwohl, wie es in einigen Quellen heißt, durchaus empfindsam und gefühlsbetont, wurde Marie Antoinette von ihrer Umgebung daher als oberflächlich, unbesonnen und verschwenderisch wahrgenommen. Was sie wohl auch tatsächlich war.
Dennoch, oder gerade deswegen, versuchte sie mit einer gewissen Unbeschwertheit und Aufmüpfigkeit, gepaart mir einem gerüttelt Maß Überheblichkeit, den Anfeindungen zu begegnen.

 

Belustigungen, Highlife und Halligalli

Um dem einengenden Korsett der strengen Hofetikette und den Unzulänglichkeiten des Gatten zu entfliehen, stürzte sie sich in Amüsements aller Art.
So wurden feste Feste gefeiert, mit großer Begeisterung Karten gespielt und über daraus resultierende Spielschulden locker hinweggelächelt. Wann immer es möglich war wurden Theater- und Opernbesuche und umfangreiche Shoppingtouren unternommen, deren Resultate den Kleiderschrank zum Platzen gebracht haben müssen. Aufwendige Friseursitzungen, die im Ergebnis zu abenteuerlichen Kreationen führten sowie der Ausbau eines kleinen Pavillons im Schlossgarten von Versailles, dem „Petit Trianon“, rundeten ihre vielfältigen Aktivitäten ab.
Es ist zu vermuten, dass die im Grunde mit einem heiteren Naturell bedachte Königin den Pavillon als Zufluchtsort vor den Intrigen, üblen Nachreden und Boshaftigkeiten der unüberschaubaren Schar von Hofschranzen betrachtete.

 

Schloss Versailles - Grands Appartements de la Reine

Hielt sich Marie Antoinette einmal nicht in ihrem von ihr geschmackvoll eingerichteten „Le Petit Trianon“ auf, standen ihr im Labyrinth des Schlosses mehr oder weniger private Gemächer, die so genannten „Grands Appartements de la Reine“, zur Verfügung. Marie Antoinette bewohnte diese Räume – in denen sie sich, ihre Mutterrolle uneingeschränkt annehmend, um ihre fünf Kinder fürsorglich und hingebungsvoll selbst gekümmert haben soll – bis zum Sturm auf die Bastille am 6. Oktober 1789.

 

Tuilerienpalst und Festung des Tempelordens

Im Zuge des darauf folgenden Tohuwabohus der beginnenden Französischen Revolution, verlegte ein kleiner verbliebener Rest der Königsfamilie seinen Aufenthaltsort nach Paris in den Tuilerienpalast.
Jetzt ging alles vergleichsweise schnell.
Eine Flucht aus Paris im Sommer 1791 scheiterte, die Familie musste in den Tuilerienpalast zurückkehren.
Aber schon bald darauf wurden die Tuilerien von einer Meute blutrünstigen Mobs gestürmt und die Familie für einige Monate in eine ehemalige Festung des Tempelordens gebracht.

 

Conciergerie und schlimmes Ende

Im Januar 1793 wurde Ludwig XVI. hingerichtet, die Familie getrennt und Marie Antoinette Anfang  August d. J. in die „Conciergerie“ überführt. Die „Conciergerie“ – der älteste, seit langem schon zum Kerker umfunktionierte und inzwischen zum grauslichen Ort der jakobinischen Schreckensherrschaft degradierte Teil einer früheren Kapetinger-Residenz – wurde nun für gute elf Wochen zum letzten, alptraumartigen Domizil Marie Antoinettes.
Nach einem fadenscheinigen, zweitägigen Prozess wurde die beim Volk verhasste Königin auf dem heutigen Place de la Concorde in Paris enthauptet und in einem Massengrab verscharrt.

 

Übrigens

Der Marie Antoinette über lange Zeit zugeschriebene und wenig freundliche Ausspruch: „Wenn sie (das Volk) kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“, soll sie – neueren Recherchen zur Folge – in Wirklichkeit nicht gesagt haben.
Unklar bleibt bisher allerdings, wer ihr das - eigentlich von Jean-Jacques Rousseau (*1712/°1778) stammende - Zitat in den Mund gelegt haben mag.
Möglicherweise ein Anonymous, ähnlich den Typen, die ihre Meinung heute (meistens) auf unangenehme Art in den sozialen Netzwerken Internet, Facebook, Twitter oder anderen absondern …?

Kapetinger -> französisches Adelsgeschlecht und Herrscherdynastie vom ausgehenden 10. bis ins erste Drittel des 14. Jahrhunderts.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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