Wie viele Kriege führte der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.?

Im Prinzip überhaupt keinen. Die einzige Teilnahme der preußischen Armee an einem aktiven Gefecht unter seiner Herrschaft war die am "Großen Nordischen Krieg", und diesen Konflikt mit Schweden in Allianz mit Dänemark und Russland hatte er von seinem Vorgänger (Friedrich I. von Preußen) übernommen.

Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), König von Preußen und für alle der "Soldatenkönig", war also alles andere als kriegerisch, obwohl vor allem mit ihm und seinem Namen die Militarisierung Preußens verbunden wird. Das mag paradox klingen, ist es aber nicht. Friedrich Wilhelm I. war so etwas wie der erste Vertreter der Abschreckung. Er baute die preußische Armee massiv auf und steckte einen Großteil des Etats in die Armee und deren Versorgung. Das gesamte Land Preußen bekam dadurch einen extrem soldatischen Anstrich, auch weil die Uniformierten im öffentlichen Leben höchst präsent waren.

 

König der Abschreckung

Aber Sinn und Zweck dieser Aufrüstung waren für den Soldatenkönig nicht Krieg und Eroberung, sondern die Abhaltung der anderen Großmächte, sich mit Preußen anzulegen. Und das gelang. Preußen begann unter der Ägide Friedrich Wilhelm I. zur ernstzunehmenden Großmacht in Europa zu werden.

Vollendet wurde dieses Großmachtstreben dann durch den Sohn des Soldatenkönigs – Friedrich den Großen. Der wurde zwar berühmt als "Philosophen-König" und "Monarch der Aufklärung", führte aber einen Krieg nach dem anderen und führte hundertausende preußische Soldaten in den Tod. So irreführend kann geschichtliche Wahrnehmung sein.

Oder doch nicht? Friedrich Wilhelm I. war zumindest zuhause ein Despot: Der Rohrstock saß immer locker. Auch sein Sohn bekam das zu spüren und zwar so sehr, dass der flötenspielende "Weichling" zwischenzeitig sogar versuchte zu fliehen. Das misslang, und stattdesseen wurde er zu Friedrich dem Großen, der Kriege führte und dazwischen mit Voltaire schwatzte.

Autor: Dr. Jörg Zorn

 

 



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