Wer war Lucas Cranach der Ältere?

Lucas Cranach d. Ä. (*1472/°1553) gilt – neben Albrecht Dürer (*1471/°1528), Hans Holbein (*etwa 1465/°1524) und einigen anderen – sowohl als einer der bedeutendsten Maler der Reformation, der so genannten „Deutschen Renaissance“, als auch als ausgemachter Freund Martin Luthers (*1483/°1546).

Herkunft und "erste Schritte"

Geboren wurde Lucas Cranach vermutlich in Kronach (heute: Kreisstadt im oberfränkischen Bayern nahe Bamberg). So ganz genau ist über Herkunft, Geburtsdatum und Ort in den Annalen nichts zu erfahren. Deutlicher werden seine Spuren dagegen mit Beginn seiner Wanderjahre um 1498 sowie seines Aufenthaltes in Wien zwischen 1501 und 1504.

Wenigstens lassen seine erhalten gebliebenen Arbeiten aus jener Zeit diesen Schluss zu, da sie, wie es heißt, die charakteristischen Merkmale der seinerzeit populären „Donauschule“/des „Donaustils“ aufweisen.

Im Steilflug zu Ehren gekommen

Dann, 1505, wurde Lucas Cranach vom Kurfürsten Friedrich (III.) dem Weisen von Sachsen (*1463/°1525) als Hofmaler nach Wittenberg berufen, wo er als zunehmend angesehener Bürger eine erstaunliche Karriere hinlegte.

So erhielt er 1508 von seinem Dienstherrn ein

  • Familienwappen mit der Darstellung einer geflügelten Schlange,
  • wurde von Friedrich in diplomatischer Mission in die Niederlande geschickt,
  • heiratete 1512 die Tochter des Gothaer Bürgermeisters,
  • gründete im gleichen Jahr seine Kunstmanufaktur,
  • wurde einige Jahre später Ratsmitglied als Kämmerer (verantwortlich für die Finanzen),
  • erhielt 1520 die kurfürstliche Apothekenkonzession,
  • betätigte sich zeitweise als Buchhändler, Verleger (1522 erschien – unter anderem – Luthers „Septemberbibel“) und Druckereibetreiber,
  • vertrat die Stadt Wittenberg von 1537 bis 1544 als Bürgermeister

und galt letztlich als einflussreichster und wohlhabendster Bürger Wittenbergs.

Künstlerisches Schaffen

Neben all diesen vielfältigen Aktivitäten entstanden in Cranachs Werkstatt – von ihm selbst, aber auch von seinen Mitarbeitern gefertigt – unzählige Portraits höchster adeliger und kirchlicher Würdenträger, aber durchaus auch nichtadeliger Persönlichkeiten (zum Beispiel: Luther, Luthers Eltern, Melanchton), Altar- und sonstige Sakralgemälde, verschiedenste Dekorationsmalereien und vieles andere mehr.

Angenommen wird, dass der Output seiner Werkstatt – geradezu phänomenal – etwa fünftausend Kunstwerke umfasst haben soll, von denen Pi mal Daumen offenbar noch heute über 1/5 entweder in Museen ausgestellt, auf dem Kunstmarkt gehandelt oder in privaten Sammlungen vermutet werden.

Reformatorisches Wirken

Sein Leben lang verband Lucas Cranach eine enge Freundschaft mit Martin Luther und dessen engstem Mitarbeiter Philipp Melanchthon (*1497/°1560).

Holzschnitte, Radierungen und Kupferstiche bildeten die Grundlage für seine Illustrationen – zum Beispiel zahlreicher Flugblätter, der Lutherbibel sowie weiterer Schriften Luthers.

Mit diesen Arbeiten unterstützte Cranach den Reformator nicht nur in außerordentlicher Weise bei der Bekanntmachung von dessen reformatorischen Denkanstößen, die sich aufgrund der drucktechnischen Vervielfältigungsmöglichkeiten ungeahnt schnell wie ein Lauffeuer im Land verbreiteten, sondern wurde gleichermaßen so etwas wie der Wegbereiter der so genannten „protestantischen Kunst“.

Nach dem Tod seines Protegés Friedrich des Weisen 1525, blieb Lucas Cranach auch unter Friedrichs Nachfolgern – Johann dem Beständigen (*1468/°1532; Bruder Friedrichs) und Johann Friedrich dem Großmütigen (*1503/°1554; Sohn des „Beständigen“) – weiterhin als Hofmaler tätig. Bis 1547.

Was 1547 und weiterhin geschah

Nun, 1547 war das Jahr, in dem Johann Friedrich sowie die im „Schmalkaldischen Bund“ vereinten protestantischen Fürsten in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe/Brandenburg gegen Kaiser Karl V. (*1500/°1558) eine bittere Niederlage hinnehmen mussten.

Kurfürst Johann Friedrich geriet in Gefangenschaft, wurde sogar zum Tode verurteilt, kam aber, trotz Umwandlung dieser Entscheidung in eine lebenslange Haft, bereits nach fünf Jahren (Herbst 1552) wieder auf freien Fuß.

Schon zurzeit von dessen Inhaftierung folgte ihm Lucas Cranach in aufrichtiger Loyalität nach Augsburg und Innsbruck und schließlich, ab 1552, sogar in Herzog Johann Friedrichs – jetzt allerdings territorial stark minimierte – neue Residenz nach Weimar.

Dort, im so genannten „Cranachhaus“, verstarb der Künstler im Oktober 1553.

Lucas Cranach hinterließ fünf Kinder, von denen Lucas Cranach „der Jüngere“ (*1515/°1586) nicht nur der bekannteste Nachfahre ist, sondern auch die künstlerische und gesellschaftliche Familientradition weiterhin Aufrecht hielt…

PS

"Donauschule"/"Donaustil" ("grob" erklärt): Ein gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts im österreichischen Donaugebiet entwickelter Kunststil, der figurale Darstellungen in Natur und Landschaften einbezog.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Allgemeinbildung XXL" (Matthias Edbauer/Hrsg., Compact Verlag; "Das große Buch der Allgemeinbildung" (Dudenverlag)

 

 

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