Was waren die wesentlichen politischen Herausforderungen Lorenzos I. de´ Medici?

Als sich Lorenzo de´ Medici nach dem Tod des Vaters zwischen der von ihm bevorzugten Beschäftigung mit den schönen Künsten oder dem Eintritt in die Politik und dem schnöden Handels- und Bankerjob zu entscheiden hatte, wählte er letztlich den Weg seines Großvaters und Vaters.
Aufgrund des immensen Medici-Vermögens politisch de facto als Kopf des Stadtstaates Florenz anerkannt, regierte Lorenzo nicht nur weitestgehend autark, sondern bestimmte auch die Außenpolitik.

 

Vertrag von Lodi

Als politisch positiv gilt beispielsweise sein vehementes Eintreten für die Einigung der untereinander konkurrierenden Städte Venedig, Mailand, Rom, Neapel und Florenz, die schließlich 1454 mit dem Vertrag von Lodi (-> Lombardei/Italien) besiegelt wurde.

 

Killing Fields in Volterra

Weniger glorreich lässt das - wegen des dringend zum Gerben und Färben edler Stoffe benötigten Rohstoffes Alaun - 1472 verübte Massaker an den Aufständischen der Stadt Volterra (-> Toskana/Italien) Lorenzos Handeln erscheinen.
Ok, das entsprach zwar nicht der so genannten „feinen, englischen Art“, hinterließ aber Dank seines ungebrochenen Ansehens bei den Bürgern von Florenz keinen nachhaltig negativen Eindruck.

 

Papst Sixtus IV. ist "not amused"

Die bitterste Erfahrung machte Lorenzo dann 1478 mit Francesco de´ Pazzi (*1444/°1478), dem seinerzeitigen Oberhaupt der gleichnamigen toskanischen Adels-und Bankiersfamilie.
Und das kam so:
Lorenzo hatte Papst Sixtus IV. (*1471/°1484) einen Kredit verweigert, weil er sich dessen Machtgelüsten widersetzte. Das fand der Papst - aus diesem und anderen Gründen ohnehin kein Freund der Medici - nicht in Ordnung.
Kurz entschlossen, übertrug er die päpstlichen Bankgeschäfte dem Hause Pazzi und unterstützte gern die Oberschurken

  • Francesco de´ Pazzi,
  • den Erzbischof von Pisa Francesco Salviati Riario (*1443/°1478) und
  • Girolamo Riario della Rovere (*1443/°1488) - mit Papst Sixtus verwandtschaftlich verbunden und Strippenzieher im Vatikan

der so genannten „Pazzi-Verschwörung“ mit dem Ziel, die Macht der Medici in Florenz zu brechen.

 

Das Attentat

Das am Ostermontag 1478 im Dom „Santa Maria del Fiore“/Florenz durchgeführte Attentat ging allerdings gründlich schief. Zwar wurde Guiliano de´ Medici (*1453/°1478), der Bruder Lorenzos, dabei getötet, Lorenzo dagegen konnte verletzt entkommen. Und die Rache war fürchterlich.
Die Rädelsführer, bis auf Girolamo Riario della Rovere, der schlauerweise in Rom geblieben war, wurden - um es mit Günter Schabowski, dem Mitglied des Politbüros des ZK der SED/DDR, vom 9. Nov. 1989 zu sagen - "unverzüglich" gehängt oder anderweitig zu Tode gebracht.
Chroniken zur Folge sollen bei dieser Aktion etwa bis zu achtzig Verschwörer ihr unrühmliches Ende gefunden haben. Darunter auch der Erzbischof.

 

Wer zuletzt lacht ...

Und wieder zürnte Papst Sixtus IV. Einen Erzbischof einfach aufzuhängen, fand keineswegs seine Zustimmung. Also suchte und fand er flugs im Königreich Neapel einen Verbündeten gegen die unbotmäßigen Medici.
Leider war dieses Bündnis für den Papst nicht von langer Dauer, denn Lorenzo wiederum gelang es - eine beträchtliche Summe Geldes machte es möglich - König Ferrante von Neapel (*1424/°1494) auf seine Seite zu ziehen.
Als 1480 dann auch noch die Osmanen Italien bei Otranto, einer Hafenstadt in Apulien, attackierten, lenkte Sixtus ein, und Lorenzos Ansehen unter seinen Anhängern wuchs. Sogar über Florenz hinaus.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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