Wie kam der Medici-Clan zu seinem unermesslichen Reichtum?

Noch zur Zeit Giovanni di Biccis de´ Medici (*1360/°1429), zu Beginn seiner Laufbahn Geldverleiher, dann – mit der Übernahme der Bankfiliale seines Onkels Vieri de´ Medici (*1323/°1395) in Rom sowie der Gründung seiner eigenen Bank („Banco Medici“) 1397 in Florenz – Bankier, wurden Geldgeschäfte häufig noch im Freien abgewickelt.

 

Auf der "grünen Wiese" - aber mit doppelter Buchführung

Auf Tapetentischen ähnelnden Konstrukten, die mit grünen Stoffen bedeckt waren oder auch auf Bänken (-> „banco“ -> „Bank“), lagen die nach der vom Mathematiker Luca Pacioli (*1445/°1515) entwickelten so genannten „Venezianischen Methode“/„doppelten Buchführung“ notwendigen Grund-, Haupt- und Nebenbücher für die anstehenden Geldgeschäfte.

 

Teure Bankgeschäfte

Handwerker aller Zünfte, Bauern, Händler, Pilger und viele andere mehr hatten hier die Gelegenheit, Fremdwährung (-> fast überall in Italien und außerhalb des Landes gab es das Münzrecht zur Prägung eigener Münzen) gegen eine Gebühr zu tauschen. Außerdem wurden Kredite – oft mit exorbitanten Zinsaufschlägen – vergeben. Erwies sich der Kreditnehmer als säumig, musste er sogar mit einer Verdoppelung des Zinssatzes rechnen.

 

Cosimo und an die 8o andere Banker

Ob nun allerdings Cosimo de´ Medici, der Ältere ("il Vecchio" - *1389/°1464), seine Bankgeschäfte ebenfalls unter freiem Himmel durchgezogen hat, ist nicht anzunehmen. Hatte er doch nach dem Tod des Vaters (-> Giovanni di Bicci de´ Medici) dessen Bank übernommen und sich eingereiht in die Riege der etwa siebzig bis achtzig agierenden Banker in Florenz. Nicht alle von denen waren erfolgreich. Nicht wenige verzockten sich – aus welchen Gründen auch immer – und mussten Bankrott anmelden.

 

Clevere Unternehmensstruktur

Cosimo und mit ihm der Medici-Clan, machten es schlauer. Die Anzahl so genannter Seniorpartner wurde auf zwei begrenzt, das dezentral geführte Geflecht ihrer Niederlassungen eigenverantwortlich von leistungsorientierten und loyalen Mitarbeitern geführt und bei allen wesentlichen Entscheidungen war die Familie mit der Zentrale in Florenz die ausschlaggebende Instanz. Sollte eine der Niederlassungen in die Bredouille kommen und Konkurs anmelden müssen, schützte deren Eigenständigkeit das Haupthaus, sozusagen die "Holding" der Medici davor, in den Sog der Bankrotterklärung mit hineingezogen zu werden.

 

Die Medici, der Papst und die Hand, die die andere wäscht

Der größte Coup der Medici gelang aber bereits dem cleveren Giovanni, dem es – befreundet mit dem in Bologna und Lodi/Lombardei residierenden Gegenpapst Johannes XXIII.(*1370/°1419) – gelang, im Kirchenstaat Fuß zu fassen. Das Handels- und Bankhaus der Medici wurde sozusagen zur Hausbank des Vatikans. Das schaffte Privilegien vieler Art.
Grundsätzlich ließe sich sagen:
Dort, wo sich der Papst aufhielt, waren die Vertreter der Medici nicht weit vom Schuss. Immer zu Diensten denjenigen im Gefolge – Kleriker jeglicher Couleur oder Wichtigkeiten aus der Highsociety – die gerade knapp bei Kasse waren.
Das Verhältnis Papst/Medici war zu diesem Zeitpunkt so gut, das säumige Darlehensrückzahler schon mal mit Exkommunikation seitens der Kurie zu rechnen hatten.

 

Wie auch immer

Die sich als Kaufleute und Bankiers betätigende Medici-Sippe avancierte während des 15. und 16. Jahrhunderts – politische Intrigen und geschickte Heiratspolitik nicht ausgeschlossen sowie die Nähe zum Heiligen Stuhl einbeziehend – zu einer der einflussreichsten, mächtigsten und reichsten Dynastien, aber auch zu den wichtigsten und großzügigsten Förderern von Kunst, Kultur und Wissenschaft im Italien der Renaissance.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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