Wer waren die „Fugger“?

Ein Augsburger Handels- und Bankiersunternehmen im Familienbetrieb, dem es während des 15. bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts durch geschicktes wirtschaftliches Handeln gelang, dem Ausspruch „Geld regiert die Welt“ im wahrsten Sinne des Wortes Leben einzuhauchen.

 

Wie alles anfing

Alles begann mit einem gewissen Johann/Hans Fugger, der 1367 nach Augsburg kam, eine Tuchmacherei gründete und zwanzig Jahre später zum Zunftmeister der Weber aufstieg.

Nach seinem Tod übernahmen die Söhne Andreas (*um 1400 plus-minus/°1457), Jakob d. Ä. (*1398/°1469) und Michael die Geschäfte.
Das Familienvermögen wuchs und wuchs.

Etwa ab 1454/55 ging die Familie getrennte Wege.

  • Jakob d. Ä. entnahm dem Unternehmen seinen Vermögensanteil, führte seine Geschäfte in Eigenregie weiter und gründete die Linie der „Fugger von der Lilie“.
  • Andreas dagegen startete den so genannten Zweig der „Fugger vom Reh“.

Aber auch unabhängig voneinander agierten beide Brüder geschäftlich überaus erfolgreich, betrieben eine kluge Heiratspolitik, wurden gesellschaftlich geschätzt und zählten schon bald zu den einflussreichsten ersten Familien sowie den reichsten Steuerzahlern Augsburgs.

Während es nach dem Pesttod Andreas’ 1457 mit den „Fugger vom Reh“ kontinuierlich bergab ging, brachten (aus dem guten Dutzend Nachfahren Jakobs d. Ä.) im Besonderen Ulrich (*1441/°1510) und Jakob (II.) „der Reiche“ (*1459/°1525) die Familie zu märchenhaftem Reichtum und außergewöhnlichem politischen Einfluss.

 

Auf, auf zu immer neuen Märkten

Die Fugger übernahmen die Abwicklung des Ablasshandels, waren im Gewürzhandel tätig, griffen Kaisern, Königen, Fürsten und Päpsten finanziell tüchtig unter die Arme, kauften Kupferminen sozusagen en gros, gründeten Handelsstützpunkte – u.a. in Nürnberg und Venedig – erhielten von Kaiser Maximilian I. aus dem Hause Habsburg (*1459/°1519) das ausschließliche Verkaufsrecht für Kupfer- und Silber in dessen Machtbereich sowie von Kaiser Karl V. die Pachtrechte spanischer Quecksilbergruben und stiegen zum größten Bankhaus Europas auf.

 

Wie alles endete

Als Jakob Fugger, der Reiche, 1525 kinderlos verstarb, führte einer seiner Neffen, Anton Fugger (*1493/°1560), den Mischkonzern der Fugger zwar durchaus zielbewusst, umsichtig und geschäftstüchtig weiter, konnte aber den etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts beginnenden schleichenden Niedergang letztlich nicht aufhalten.

Zahllose Kriege der Habsburger, deren mangels Masse nicht eingehaltene Kreditrückzahlungen, der spanische Staatsbankrott von 1557 und anderes mehr erschwerten zunehmend die Finanzgeschäfte.
Die große Zeit der Fugger war vorbei …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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