Wer war Jakob Fugger (II.), der Reiche?

Wenn man so will: Ein Synonym für unermesslichen Reichtum!

 

Was Jakob so trieb

Jakob Fugger (II.), der Reiche (*1459/°1525),

  • trat etwa 1478  in den bereits wirtschaftlich boomenden väterlichen Betrieb ein,
  • führte das Familienunternehmen nach dem Tod des Vaters (-> Jakob d. Ä./*1398) 1469 gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Ulrich (*1441/°1510) und Georg (*1453/°1506) weiter,
  • schuf im Laufe seines Wirkens so etwas wie einen (nach heutigen Begrifflichkeiten) „multinationalen Konzern“,
  • verstarb als „reichster Geschäftsmann Europas“ und
  • hinterließ seinen Nachfahren - auch Dank des klugen Schalten und Waltens seines unmittelbar auf ihn folgenden Neffen und Alleinerben Anton Fugger (*1493/°1560) - bis heute ein auskömmliches Existenzniveau.

 

Wie hat er das geschafft?

Nun, Jakob war clever, ehrgeizig, couragiert und visionär, aber auch durchaus skrupellos, wenn die Geschäfte - deren Wirtschaftlichkeit er mit der aus Venedig von einem gewissen Luca Pacioli übernommenen „doppelten Buchführung/Soll und Haben“ streng überwachte - es erforderten.

Schon früh betrieb er entschieden und unbeirrbar

  • den Aufkauf von Kupfer- und Silberminen in Tirol, Kärnten, in der heutigen Slowakei, Spanien und in Übersee,
  • gründete Handelsniederlassungen und Außenstellen unter anderem in Nürnberg, Lissabon, London und Venedig,
  • übernahm mit ausdrücklicher Billigung des Heiligen Stuhls in Rom die Abwicklung des einträglichen Ablasshandels,
  • versorgte mit seinem Bankhaus die finanziell ewig klammen Kaiser, Könige, Herzöge und Päpste mit Barem

und stieg unaufhaltsam zum einflussreichsten und mächtigsten Mann Europas auf.

 

Eine profitable Zweckgemeinschaft

Als durchaus hilfreich bei all seinem kaufmännischen zu Werke gehen, erwiesen sich Jakobs gute Beziehungen zu den Habsburgern.
So erhielt er von Kaiser Maximilian I. (*1459/°1519) das ausschließliche Verkaufsrecht für Kupfer und Silber in dessen Machtbereich sowie später -

  • nach Maximilians Tod und daraufhin massiver finanzieller Einflussnahme, sprich: Bestechung des einen und anderen Kurfürsten für die Wahl von dessen Enkel und Nachfolgers (-> König Karl I. von Spanien) -

vom auf diese Weise sozusagen „gekauften“ Kaiser Karl V. (*1500/°1558) die Pachtrechte spanischer Quecksilbergruben.

Alles in allem war die Verbindung zu den habsburgischen Herrschern für beide Seiten eine win-win Situation.
Die einen erhielten Kredite für ihre diversen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen, Franzosen und den protestantischen Fürsten; die Fugger gewannen Einfluss, Bedeutung und Protektion.

Dumm nur, so ist allenthalben nachzulesen, dass die Habsburger ihre nicht unerheblichen Verbindlichkeiten nie zurückzahlten.
Was allerdings für Jakob und den Fuggerschen Betrieb keinen Grund zu übertriebener Sorge darstellte.

 

Der Nachlass

Als Jakob Fugger im Dezember 1525 verstarb, tat er das sozusagen steinreich!
Sein sagenhaftes Vermögen und das Unternehmen hinterließ er seinem Neffen Anton, und die möglicherweise wegen seines Seelenheils? von ihm gegründete Sozialstiftung, die „Reihenhaussiedlung“ Fuggerei, war für die Armen und Schwachen Augsburgs vorgesehen.

Noch heute bietet die Fuggerei Menschen, die kein Auskommen mit dem Einkommen haben, ein Dach über dem Kopf.
Gegen geringes Entgelt, aber verpflichtendem dreimaligen Gebet täglich für den Stifter und seine Nachfahren …

 

Übrigens

Albrecht Dürer (*1471/°1528) hat den sechzigjährigen Jakob Fugger etwa 1518 auf dem Höhepunkt seiner Macht in einem Porträt festgehalten und ist in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung (-> Alte Pinakothek) in München zu besichtigen.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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