Was und wer steckt eigentlich hinter der so genannten „Pazzi-Verschwörung"?

Die Familie der Pazzi war gewissermaßen Konkurrent der Medici und – im Gegensatz zu diesen – alter toskanischer Adel. Seit dem 14. Jahrhundert ebenfalls im Bankgewerbe tätig und dadurch reich geworden, war ihnen Lorenzo I., der Prächtige (*1449/°1492), irgendwann ein Dorn im Auge.

 

Ein erzürnter Papst

Da traf es sich gut, dass die Medici bei Papst Sixtus IV. (*1471/°1484) in Ungnade gefallen waren. Deren Bankhaus wollte die machtpolitischen Interessen des Papstes nicht unnötig unterstützen, und hatte einen nicht unerheblichen Kredit schlicht verweigert.
Sixtus wiederum, ohnehin mit beträchtlichen Aversionen gegen die Medici-Familie belastet, war erzürnt, brach umgehend die Geschäftsbeziehungen ab, erhob die den Medici in herzlicher Feindschaft verbundene Pazzi-Familie zu seinen neuen Geldgebern und unterstützte deren seit längerem beabsichtigten Putsch.

 

Die Verschwörer, ein Plan und ein Meuchelmord

Die Zeit dafür schien nun, im Frühjahr des Jahres 1478, gekommen. Durchaus unterschiedlich motiviert, aber in ihrer Absicht, die ungeliebten Medici los zu werden in einer Zweckgemeinschaft vereint, holten die drei Rädelsführer

  • Francesco Salviati Riario (*1443/°1478)/Erzbischof von Pisa, dem dringend daran lag, nach Florenz zu wechseln,
  • Girolamo Riario della Rovere (*1443/°1488), verwandtschaftlich mit Papst Sixtus verbunden und als Strippenzieher im Vatikan tätig und
  • Francesco de´ Pazzi (*1444/°1478), dessen Ziel darin lag, sich des lästigen Wettbewerbers zu entledigen.

im Frühjahr 1478 zum großen Schlag aus.
Ein Attentat, die so genannte „Pazzi-Verschwörung“, wurde geplant und am Ostermontag d.J., anlässlich eines Gottesdienstes im Dom „Santa Maria del Fiore“/Florenz, durchgezogen.
Aber die Angelegenheit ging gründlich schief.
Zwar wurde in dem allgemeinen Wirrwarr unter anderen auch Guiliano de´ Medici, der Bruder Lorenzos, getötet, aber Lorenzo I., der Prächtige, konnte sich - verletzt aber mit Hilfe einiger Getreuer - dem Tohuwabohu entziehen.

 

Vergeltung - und erneut ein missgestimmter Papst

So gut wie unverzüglich nach dem Anschlag wurden die an der Verschwörung Beteiligten erwischt und (fast) alle - Chronisten sprechen von mindestens achtzig Delinquenten - umgehend erhängt oder anderweitig zu Tode gebracht. Während der päpstliche Günstling Girolamo Riario della Rovere in weiser Voraussicht dem Unternehmen von vornherein fern geblieben war, musste, neben Francesco de´ Pazzi, leider auch der Erzbischof aus Pisa dran glauben - worüber Papst Sixtus IV. erneut „not amused“ war. Einen Erzbischof einfach so aufzuhängen ...

 

Wer zuletzt lacht

Sixtus sah sich nunmehr genötigt, im Königreich Neapel einen Verbündeten gegen die Medici zu suchen. Was ihm vorübergehend auch gelang. Dummerweise hatte Sixtus die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht. Sein neapolitanisches Bündnis war nicht von nicht von langer Dauer.
Dem eloquenten Lorenzo war es nämlich wiederum gelungen - eine beträchtliche Summe Geldes hatte es möglich gemacht - König Ferrante von Neapel (*1424/°1494) auf seine Seite zu ziehen.
Als 1480 dann auch noch die Osmanen Italien bei Otranto, einer Hafenstadt in Apulien, attackierten, lenkte Sixtus ein. Lorenzos Ansehen bei seinen Anhängern dagegen wuchs. Sogar über Florenz hinaus. So kann´s gehen ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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