Wann entstand der älteste noch existierende Globus?

Etwa zwischen 1491 und 1493!

 

 

Von der Antike ĂĽber die Abbasiden zu Martin Behaim

Obwohl bereits die „alten“ Griechen und Römer, die Abbasiden (-> eine etwa von 750 bis 1258 regierende muslimische Herrscherdynastie) im Früh- bzw. Hochmittelalter sowie Mathematiker, Astrologen und andere mehr mit Beginn der Renaissance und des Zeitalters der Entdeckungsreisen die Erde als eine Kugel erkannt und als verkleinertes Modell der Erde dargestellt haben sollen, findet man den ältesten noch erhaltenen Erdglobus, den so genannten „Behaim-Globus“, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Initiator und Ideengeber dieses ersten Erdglobus’ war der gelernte Nürnberger Tuchhändler Martin Behaim (*1459/°1507), dem es - im Einvernehmen mit dem Nürnberger Rat (-> „Stadtregierung“) - zwischen 1491 und 1492/93 gelang, ein Team aus Handwerkern, Kosmografen und Künstlern für die Herstellung eines Globus’ zu gewinnen.

 

Wer war dieser Martin Behaim?

Nun, wirklich viel ist ĂĽber ihn nicht bekannt.
Es heiĂźt, er sei ein unsteter Geist, ein Durchreisender gewesen und habe verschiedentlich seinen Wohnsitz gewechselt.

Seine Ausbildung habe er

  • von 1476 bis 1478 in und um Antwerpen (-> Flandern/Belgien) herum absolviert,
  • dann in den frĂĽhen 1480igern zwischen NĂĽrnberg und Antwerpen gependelt,
  • um dann fĂĽr längere Zeit seine Zelte in Lissabon aufzuschlagen.

Dort soll er Seereisen unternommen haben, Berater des portugiesischen Königs Joáo II./Johann II. (*1455/°1495) gewesen und von diesem zum Ritter geschlagen worden sein.
Er habe eine Gouverneurstochter geehelicht, sei Vater eines Sohnes geworden und etwa 1491 wieder in Nürnberg aufgetaucht, wo er sich vehement für die Herstellung des „Behaimschen-Erdapfels“ eingesetzt habe.

Vermutlich irgendwann in 1493 sei er aufs Neue nach Portugal zurĂĽckgekehrt, wo er - angeblich verarmt - 1507 verstarb.

 

Der "Behaim-Globus"

Bei aller Unbeständigkeit in der Wahl seiner Aufenthaltsorte, hat Martin Behaim es aber offenbar dennoch geschafft, die Anfertigung eines Globus’ durchzusetzen.

Sein 1492/1493 in NĂĽrnberg fertig gestelltes Modell der Erde, orientiert sich allerdings vornehmlich am zu seiner Zeit bekannten Weltbild der Antike und des Mittelalters, also - soweit eine exakte geografische Zuordnung ĂĽberhaupt gegeben war - Europas, Asiens und Afrikas.
Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 blieb dabei - aus GrĂĽnden zeitlicher Ăśberschneidung - unberĂĽcksichtigt.
Australien und der Pazifik fehlen naturgemäß ebenfalls.
Die verbliebenen „weißen Flecken“ wurden daher mit Darstellungen aus der Welt der Märchen und Sagen ausgeschmückt.

 

Behaims "Erdapfel" ist nicht gleich -> Kartoffel

Der von Martin Behaim geprägte Begriff „Erdapfel“ für den von ihm initiierten Globus (-> lat.: „Kugel“) lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass der Apfel bereits seit dem Mittelalter als häufig angewandtes Symbol (-> z.B. „Reichsapfel“) auch für die Erde genutzt wurde.
DarĂĽber hinaus durfte der Apfel sogar seitens der Kirche als Vergleichsobjekt zur Erde herangezogen werden.

Warum also, mag sich Martin B. gefragt haben, sollte es nicht auch einen „Erdapfel“ geben?
Wie auch immer!
Der Siegeszug der Globen/Globusse in Ämtern, Schulen und Haushalten war fortan nicht mehr aufzuhalten …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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