Wer war Savonarola?

Mönch? Häretiker (Ketzer)? Opportunistischer Frömmler? Politiker? Prophet? Märtyrer? Möglicherweise vereinte der Dominikanermönch Girolamo/Hieronymus Savonarola (*1452/°1498) in seiner Persönlichkeitsstruktur von allem etwas.

Fuß fassen in Florenz

Der bereits zu Lebzeiten umstrittene Prediger tauchte 1485 oder – je nach Quelle – 1489 auf Veranlassung Lorenzos di Medici (*1449/°1492) in Florenz/Italien auf, wurde 1491 Prior des Klosters San Marco, griff etwa ab 1494 die zu der Zeit bei den Menschen spürbar gewordene antikirchliche Stimmung auf und erging sich in apokalyptischen Andeutungen über das nahe Ende der Welt.

Predigen gegen das Böse auf der Welt

In seinen wortgewaltigen, vor fast tausenden Menschen (täglich!) abgehaltenen Predigten wandte er sich vehement sowohl gegen den um sich greifenden gesellschaftlichen Werteverfall und die damit einhergehende soziale Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich, als auch gegen den offensichtlichen Sittenverfall innerhalb des Vatikan, des Klerus und der jeweils amtierenden Päpste.

Ohne direkt zum Umsturz bestehender Verhältnisse aufzurufen, war sein eigentliches Anliegen aber doch, nicht nur eine grundlegende Reform der Kirche anzustreben, sondern gleichzeitig auch Florenz zu einem Ort uneingeschränkter Frömmigkeit zu machen.

Durchmarsch, Verehrung und seherische Gaben

Das fand unter den Reichen und Schönen naturgemäß nicht jedermanns Zustimmung, änderte aber nichts am Rückenwind, den die ständig wachsende Fangemeinde unter den florentinischen Bürgern dem kleinen, hageren Mann mit Hakennase und stechendem Blick (Portrait 1498 von Fra Bartolomeo, *1472/°1517, im Museum San Marco/Florenz) entgegenbrachte.

Gestützt wurde die Wertschätzung Savonarolas durch (wenigstens) drei seiner – sozusagen prophetischen – Voraussagen. So hatte er bereits ein Jahr vor dem Dahinscheiden Papst Innozenz´ VIII. (*1432/°1492)

  • dessen Ableben,
  • den Sturz des Medici-Clans unter dem unfähigen Piero II. di Medici (*1472/°1503) und den
  • Einfall des französischen Königs Karl VIII. (*1470/°1498) 1494 in Italien

hellseherisch verkündet.

Kurzer Exkurs

Karl VIII., der 1494 seinen Anspruch auf Neapel geltend zu machen suchte,

  • wurde von Savonarola in diesem Vorhaben bestärkt,
  • verließ Florenz ohne größere Zerstörungen,
  • marschierte gen Neapel,
  • vertrieb den dortigen König Alfonso II. (*1448/°1495),
  • wurde selbst vorübergehend König von Neapel,

musste sich aber schon bald – in der Schlacht bei Fornovo im Juli 1495 gegen die von Papst Alexander VI. (*1431/°1503) arrangierte „Heilige Liga von Venedig“ – geschlagen geben.

In Italien somit ergebnislos geblieben, zog sich Karl VIII. mit seinen Truppen nach Frankreich zurück.

Savonarola mistet den "Augiasstall" aus

Die Medici aus der Stadt vertrieben, von der französischen Besatzung weitestgehend verschont, scheint Florenz für die nächsten gut drei Jahre ein weites Feld (wie Fontane sagen würde) für Savonarola gewesen zu sein.

Unbeeindruckt von den Einlassungen Papst Alexanders VI., setzte der eifernde Prior von San Marco seinen Feldzug gegen Lasterhaftigkeit, Prachtentfaltung und jegliche Unmoral unbeirrt fort.

In der von ihm angestrebten Absicht einen Gottesstaat auf Erden zu errichten, rekrutierte er Heerscharen fanatisierter Kinder und Jugendlicher, um von und mit diesen Häuser und Wohnungen von allem weltlichen Trödel und unnötigem Krimskrams entrümpeln zu lassen.

Fegefeuer der Eitelkeiten

Ihren Höhepunkt fanden diese Maßnahmen im sprichwörtlichen Fegefeuer der Eitelkeiten, den von Savonarola veranlassten Scheiterhaufenaktionen („Rogo della Vanitá“) jeweils zu Beginn der Jahre 1497 und 1498 auf der Piazza della Signoria.

Zu diesem Anlass wurden die Bürger aufgefordert, ihre Luxusgüter – zum Beispiel Bücher, Portraits, Kunstwerke aller Art, Musikinstrumente, Kosmetika, Spielkarten und vieles andere mehr – den Flammen zu übergeben.

Das allerdings schlug – sozusagen – dem „Fass den Boden aus der Krone“.

Bannstrahl, Widerstand und ein unrühmliches Ende

Kurzerhand wurde Savonarola im Mai 1497 von Papst Alexander VI. exkommuniziert. Zwar erkannte der Prediger diese Entscheidung keineswegs an und erklärte sie als für ihn nicht bindend, konnte aber nicht verhindern, dass sich das Blatt gegen ihn wendete.

Die Bürger von Florenz empfanden das Maß für voll, die Resonanz schwand, die Popularitätskurve sank rapide und Empörung machte sich Luft.

Savonarola wurde gefangen gesetzt, gefoltert, verurteilt und schließlich im Mai 1498, gemeinsam mit zwei Mitstreitern, aufgehängt. Anschließend wurde sein Leichnam auf dem Scheiterhaufen verbrannt ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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