Welche Bedeutung hat Papst Alexanders VI. Wirken für die katholische Kirche?

Das ist, so scheint es, historisch schwer zu beurteilen! Was an den Geschichten über ihn ist wirklich wahr? Was im Nachhinein hinzugedichtet und verfälscht?

Weniger Papst, mehr Mafiosi

Trotz aller möglicher Legenden und offener Fragen bleibt aber allem Anschein nach doch die Tatsache, dass der Borgia-Papst sein Pontifikat im Wesentlichen dazu genutzt hat, sich und seine Familie immens zu bereichern.

Und das, so wird es in den vielfältigen Betrachtungen Papst Alexanders VI. alias Rodrigo Borgia (*1431/°1503) allenthalben kolportiert, in einem Mix bestehend aus Machtgier, Korruption, Vetternwirtschaft, Sex und Mord.

Reformen, Missionierung und Asylgewährung

Dennoch werden ihm und seinem Tun und Lassen durchaus ein paar freundlichere Dinge zugeschrieben.

So ist von einer effektiv betriebenen

  • Verwaltungsreform der Institution Katholische Kirche,
  • seiner engagierten Befürwortung und Unterstützung missionarischer Arbeit in Südamerika sowie seinem ernst gemeinten
  • Eintreten für die aufgrund der spanischen Inquisition (vehement und brutal betrieben vom spanischen Königspaar Isabella I./*1451-°1504 und Ferdinand II./*1452-°1516) vertriebenen Juden die Rede, denen er erwiesenermaßen in Rom Asyl gewährt hat.

Teilung der neu entdeckten Welt

Einen etwas breiteren Raum in den Annalen nimmt der auf sein Betreiben hin entstandene Vertrag von Tordesillas (Kastilien-León/Spanien) von 1494 ein, der sich auf seine Bulle „Inter caetera divinae“ des Vorjahres bezog. Danach wurde eine (gefühlte) Grenzfestlegung der bis dahin neu entdeckten Kontinente um den 56. Längengrad herum festgelegt.

Spanien fielen die territorialen Eroberungen westlich, Portugal die östlichen davon zu.

Ein Umstand, der es Portugal im weiteren Verlauf der Geschichte möglich machte, Brasilien zu kolonisieren.

Aber, wie nicht anders zu erwarten, gab es bezüglich dieses Ergebnisses auch weiterhin Unzufriedenheit, Unklarheiten, Differenzen und permanenten Diskussionsbedarf unter den Beteiligten – bis alle im Vertrag festgezurrten Vereinbarungen 1750 im Vertrag von Madrid aufgehoben wurden.

Aufgepasst! Die Franzosen kommen!

Und dann waren da noch der französische König Karl VIII. (*1470/°1498) und Neapel.

Bereits 1489 hatte Papst Innozenz VIII. (*1432/°1492) den Franzosen gebeten, gegen das Königreich Neapel und dessen Herrscher Ferdinand I. vorzugehen. Der war allerdings bereits 1494 verstorben, als Karl VIII. – unterstützt vom Mailänder Herzog Ludovico Sforza (*1452/°1508) – im Februar 1495 Neapel einnahm (sog. "Erster Italienischer Krieg").

Alfonso, der Nachfolger Ferdinands, wurde vertrieben und Karl VIII. kurzzeitig König von Neapel. Ein Faktum, das Papst Alexander VI. nicht hinzunehmen gedachte.

Ein Papst, die Heilige Liga und das Königreich Neapel

Clever genug, initiierte Alexander flugs die „Heilige Liga von Venedig“ – bestehend aus:

  • ihm selbst,
  • Ferdinand II. von Aragón (*1452/°1516),
  • Maximilian I. von Habsburg (*1459/°1519), dem – inzwischen die Seite gewechselten –
  • Mailänder Herzog Ludovico Sforza und der
  • Republik Venedig.

Gemeinsam gelang es diesem Verbund, Karl VIII. und seine Franzosen im Juli 1495 („Schlacht bei Fornovo, nahe Parma/Italien) aus Italien zu vertreiben.

Aber: Trotz dieser und einiger weiterer Versuche Alexanders VI., seiner Familie das Königreich Neapel zu sichern, gingen diese Bemühungen letztlich aus, wie das „Hornberger Schießen“ – es hatte nicht wirklich sollen sein ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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