Wer war Papst Alexander VI.?

In Italien, gegen Ende des 15. bis hinein ins 16. Jahrhundert, stehen der Vatikan und das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Papst, sozusagen im Mittelpunkt des politischen Weltgeschehens. Obwohl bereits seine Vorgänger und auch die Nachfolger keine Freunde von Traurigkeit waren und das Zölibat nicht sonderlich ernst nahmen, sticht ganz besonders der gewissenlose, machtgierige und in seiner Lebensweise freizügig, zügellos und lasterhaft agierende Papst Alexander VI. hervor – ein Papst, der eher an Mario Puzos Mafiaboss in „Der Pate“ denken lässt, als an einen würdigen Vertreter Christi auf Erden.

Von Roderic Borja zu Rodrigo Borgia

Alexander VI. (*1431/°1503) war gebürtiger Katalane, stammte also aus dem Norden Spaniens und hieß ursprünglich Roderic Llancol i de Borja. Etwa zum Zeitpunkt der Papstwahl (1455) seines Onkels Alonso de Borja alias Papst Kalixt III. (*1378/°1458) italianisierte er seinen Namen in Rodrigo Borgia.

Das lange Warten ...

Protegiert von besagtem Onkel wurde Rodrigo Kardinaldiakon kurz darauf so genannter „Vizekanzler der Heiligen Römischen Kirche“ unter den Päpsten

  • Kalixt III. (Papst von 1455 bis 1458),
  • Pius II. (Papst von 1458 bis 1464),
  • Paul II. (Papst von 1464 bis 1471),
  • Sixtus IV. (Papst von 1471 bis 1484) und
  • Innozenz VIII. (Papst von 1484 bis 1492)

sowie im weiteren Verlauf seiner Karriere Bischof/Kardinalbischof mehrfacher Bistümer/Diözesen.

Bereits während dieser Zeit bringt er es – mit nicht unerheblichem kriminellen Geschick, Machtbesessenheit, Korruption und, wenn nötig, unverhohlener Gewalt – zu bemerkenswertem Wohlstand.

Gleichzeitig arbeitet Rodrigo konsequent an seinem Masterplan, nämlich endlich selber Papst zu werden. Und er erreicht sein Ziel! Nach dem Ableben Papst Innozenz' VIII.! Im August 1492! Mit nicht ganz lauteren Mitteln!

Wahl unter unsauberen Bedingungen

Es heißt, Rodrigo Borgia, inzwischen einundsechzig Jahre alt und nicht von jedem der wahlberechtigten Kardinäle des Konklaves wirklich geliebt, hätte die auf tönernen Füßen stehende Wahl zu seinen Gunsten mit ungeheuren Summen Geldes und üppigen Latifundien erkauft.

Pontifex Maximus, Mafiaboss, Familienmensch oder einfach nur Raffke?

Sein dann immerhin elf Jahre währendes Pontifikat war, so ist es nachzulesen, unter anderem geprägt von

  • Nepotismus (Vetternwirtschaft),
  • Simonie (Ämterkauf),
  • Ablasshandel,
  • familiärer Besitzanhäufung,
  • persönlicher Bereichung sowie politischen und privaten Intrigen.

Anders gesagt

Es wurde getrickst, gezinkt, getürkt, gelogen, veruntreut und reichlich im Trüben gefischt, dass sich die Balken bogen. Und, wenn es die Sachlage gebot, wurde auch vor Gewaltanwendung – bis hin zum Mord – nicht zurückgeschreckt.

Und was sonst noch?

Gleichwohl gilt der Borgia-Papst in der historischen Betrachtung aber auch als kluger Politiker, geschickter Diplomat und der Kunst gegenüber als außerordentlich aufgeschlossen.

Wie auch immer! Im August 1503 war es mit diesem Papst zu Ende.

Ob ihm das ausdauernde Wohlleben, seine exzessiven sexuellen Ausschweifungen oder gar Gift den Garaus gemacht haben, bleibt unklar. Möglicherweise ist Alexander VI. auch nur schlicht an Malaria verstorben? Man weiß es nicht wirklich so ganz genau. Sei´s drum …

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige