Papst Julius II. – was war das für ein Typ?

Giuliano della Rovere (*1443/°1513), Neffe von Papst Sixtus IV. (Papst von 1471 bis 1484), trat im November 1503 als Papst Julius II. die Nachfolge des 26/27-Tage-Papstes Pius III. (*1439/°1503) an.

Der Papstname bezog sich auf Giulianos Vorbild Julius Cäsar.

Die ihm von den Zeitgenossen angeheftete Bezeichnung „Il Terribile“ („Der Schreckliche“) ist zurückzuführen auf sein unerbittliches, haltloses, cholerisches und, wenn nötig, gewaltbereites Verhalten.

Wenig Kirche, viel Politik und drei Töchter

Sein Pontifikat wird zwiespältig betrachtet.

Denn obwohl Julius II. in kirchlich-religiösen Fragen – milde ausgedrückt – eher zurückhaltend bis wenig agierte, wurde/wird diesem Renaissancepapst dennoch wegen seines politisch-militärischen Geschicks und seines Mäzenatentums eine gewisse Bedeutung zugeschrieben.

An dieser Sicht der Dinge scheint auch sein lockerer Lebenswandel, immerhin werden ihm eine unbestimmte Zahl Geliebter und die Vaterschaft dreier Töchter nachgesagt, nichts zu ändern. Nun, ja!

Bischof, Erzbischof, Kardinal und Heerführer

Vom Onkel Sixtus IV. 1471 zum Kardinal gemacht, wird Julius in rascher Folge Bischof und Erzbischof einer erklecklichen Reihe von Diözesen und Erzbistümern, häuft ein beträchtliches Vermögen an und macht im Auftrag der Kurie bei der Rückführung Umbriens unter die Fittiche des Kirchenstaates Furore als Heerführer.

Pontifex Maximus

Julius´große Stunde kam nach dem Tod Papst Alexanders VI. (*1431/°1503) bzw. dessen nur wenige Tage das Amt ausführenden Nachfolgers Pius III.

Mit Bestechung in Form von Mammon und Angeboten seiner zahlreich zur Verfügung stehenden Diözesen/Bistümer gelang es ihm, die am Konklave beteiligten Kardinäle auf seine Seite zu ziehen.

Im November 1503 wurde er, so gut wie einstimmig, von den Wahlmännern auf den Stuhl Petri gehievt.

Bilanz

Kaum im Amt, ließ Julius II.

  • Cesare Borgia (*1476/°1507 – Sohn Papst Alexanders VI.) verhaften, enteignen und nach Spanien ins Exil schicken,
  • gründete 1506 die päpstlich-vatikanische Leibwache der „Schweizer Garde“,
  • erreichte im April 1512 in der Schlacht bei Ravenna die Vertreibung König Ludwigs XII. von Frankreich (*1462/°1515) aus Italien,
  • legte 1506 den Grundstein zum Neubau des Petersdoms,
  • erteilte den Auftrag zum Bau eines monomentalen Grabmahles („Juliusgrabmahl“) in der Kirche San Pietro in Vincoli al Colle Oppio (nahe des Kolosseums in Rom),
  • engagierte Michelangelo (*1475/°1564) zwecks weiterer Ausgestaltung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle,
  • betraute Raffael (*1483/°1520) mit der Ausstattung der vatikanischen Audienz- und Privatgemächer,
  • verpflichtete den Architekten Donato Bramante (*1444/°1514) für die Arbeiten am Neubau des Petersdoms sowie – kraft Amtes und zur Befriedigung seiner herostratischen Ruhmsucht – einer Reihe baulicher Umgestaltungen der Stadt Rom und
  • ließ sich Anfang 1513 von den Römern als „Befreier Italiens und Überwinder des Schismas (Kirchenspaltung)" anlässlich des 5. Laterankonzils (im April 1512 von Julius II. einberufen, nach dessen Tod 1513 unter Papst Leo X. bis 1517 weitergeführt)“ ausgiebig feiern und ehren.

Nachtrag

  • Obwohl selbst auf Basis von Bestechung und Korruption zum Papst gewählt, verbat Julius unmittelbar nach Amtsübernahme jegliche Art von „Simonie“ („Ämterkauf“) mit dem Argument, der katholischen Kirche und dem Stuhl Petri solle doch, bitte schön, endlich wieder mehr Würde verliehen werden.

Guter Ansatz! Hat in der Realisation aber noch einige Zeit gedauert ...

  • Das monumentale Grabmahl, das ursprünglich im Petersdom vorgesehen war, aus kosten- und bautechnischen Gründen aber letztlich in der weiter o. gen. Kirche errichtet wurde, hat die sterblichen Überreste des auf seinen Nachruhm bedachten Renaissancepapstes nie „gesehen“. Es diente und dient lediglich als Ehrenmal („Kenotaph“).

Julius II. verstarb gegen Ende Februar 1513 und liegt, gemeinsam mit Papst Sixtus IV., unter einer schlichten Marmorplatte in der Basilika St. Peter/Petersdom.

Seine letzte Ruhestätte ist für den geneigten Besucher nicht auf Anhieb zu entdecken ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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