Wer war Papst Clemens VII.?

Papst Clemens VII. (*1478/°1534), der eigentlich Giulio hieß, stammte – wie auch sein Vorvorgänger und Onkel, Papst Leo X. (*1475/°1521), – aus dem weit verzweigten und manchmal durchaus unübersichtlich erscheinenden Clan der Medici.

Durch Vetternwirtschaft flugs ins höchste Amt der Kirche

Diese verwandtschaftliche Beziehung erwies sich für Giulio allerdings als ausgesprochen günstig.

Im Rahmen offensichtlicher Vetternwirtschaft (Nepotismus) wurde er zwischen den Jahren 1513 bis zu seiner eigenen – aber, so wird vermutet, durch happige Bestechung zu Stande gekommenen – Papstwahl im November 1523, von Onkel Leo in rascher Folge in gut ein Dutzend wichtiger Ämter gehievt.

So war Giulio in diesen Jahren zum Beispiel in diversen Bistümern als Sachwalter kirchlich-weltlicher Angelegenheiten, als Bischof, Erzbischof, Kardinal, Kardinaldiakon und Vizekanzler des Kirchenstaates unterwegs.

Endlich Papst, lag sein Hauptaugenmerk im Wesentlichen in der Begünstigung der Medicisippe sowie der Machterhaltung des „Heiligen Stuhls“.

Die von Martin Luther (*1483/°1546) angestoßenen Reformationsbestrebungen sowie eine daraus zu folgernde notwenige Reform der katholischen Kirche blieben so zwangsläufig auf der Strecke.

Nun galt der zweite Medicipapst den Zeitgenossen ohnehin als zu zögerlich, unsicher und entscheidungsschwach.

Kurzum

Man traute ihm scheinbar tatsächlich nicht viel zu, hielt ihn im Amt für überfordert und beobachtete sein Tun und Lassen mit aller gebotenen Skepsis.

Und in dieser Betrachtungsweise steckte offenbar ein Körnchen Wahrheit!

Denn im Streit um die Vormachtstellung in Norditalien zwischen dem spanischen sowie römisch-deutschen König Karl I. (*1500/°1558) aus dem Hause Habsburg und Franz I. von Frankreich (*1494/°1547) verhielt sich Clemens wankelmütig. Sein Handeln in dieser Angelegenheit glich ohne Frage einem Zickzackkurs.

Zu Beginn stand er an der Seite des Habsburgers, dann (Franz I. war inzwischen unterlegen und ausgeschaltet) – im Verbund mit Frankreich, Venedig, Florenz und Mailand („Liga von Cognac“) – stellte er sich gegen Karl, um schließlich wieder, allerdings erst nach den folgenden Ereignissen:

  • der Plünderung Roms („Sacco di Roma“) durch die Soldateska Karls,
  • seiner Flucht in die Engelsburg,
  • der Androhung der Ermordung Katharinas de’ Medici,
  • seiner (vorübergehenden) Gefangennahme und
  • der Vertreibung der Medici aus Florenz

mit dem im Juni 1529 geschlossenen „Frieden von Barcelona“ erneut eine Brücke zu Karl zu schlagen.

Fazit

Der Schulterschluss gelang!

Im Februar 1530 wurde Karl von Clemens VII. zum Kaiser gesalbt, war nun römisch-deutscher Kaiser Karl V. und – sozusagen als Gegenleistung – war der Papst wieder eigener Herr im Kirchenstaat.

Ach, da war doch noch was!

Clemens vermittelte die

  • Heirat Katherinas de’ Medici (*1519/°1589) mit dem späteren französischen König Heinrich II. (*1519/°1559),
  • verweigerte dem englischen König Heinrich VIII. (*1491/°1547) die Scheidung von Katharina von Aragon (*1485/°1536),
  • nahm billigend die daraufhin erfolgte Abspaltung von der katholischen Kirche in die neue englische (anglikanische) „Church of England“ durch den Engländer in Kauf

und verstarb plötzlich und unerwartet im Spätsommer 1534.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige