Woher nahm Papst Leo X. das Geld für sein Mäzenatentum?

Er griff tüchtig in die vatikanische Staatskasse und – als das Geld schmolz wie Butter unter der Sonne – billigte er wohlwollend einen geradezu ungezügelten Ablasshandel, der nicht unerheblich dazu beitrug, die päpstliche Kasse wieder zu füllen.

 

Herkunft

Papst Leo X. (*1475/°1521) stammte aus dem Hause der Medici, einer der einflussreichsten Familien in Florenz und darüber hinaus.

Er war der zweitgeborene Sohn Lorenzos I. de´ Medici, des Prächtigen (*1449/°1492), hieß eigentlich Giovanni de´ Medici und wurde im März 1513 – nach einer bereits in jüngsten und jungen Jahren stattgefundenen imponierenden Kirchenkarriere – mit siebenunddreißig Jahren zum Papst gewählt.

Sein Auftreten und Habitus soll, so wird’s übermittelt, liebenswürdig, umgänglich, heiter und großzügig gewesen sein.

Kunst und Wohlleben statt Kirche und Politik

Dennoch muss wohl auch eine gehörige Spur von Genuss- und Verschwendungssucht einen Teil seines Wesens ausgemacht haben.

Denn sein Tatendrang in der Um- und Durchsetzung notwendiger kirchlicher Reformprojekte lässt in der historischen Beurteilung wenig Feuereifer erkennen. Ebenso wird auch sein Engagement in der Außenpolitik des Kirchenstaates mit ein, zwei Ausnahmen, die wie so oft auch hier die Regel bestätigen, als eher zurückhaltend beschrieben.

Vielmehr standen für ihn dagegen, so heißt es, seine ausgeprägte Vorliebe und Begeisterung für Malerei, Musik, Bildhauerei, Literatur u.a.m. im Fokus seines Wirkens.

Und dafür war dem übergewichtigen Renaissancepapst anscheinend nichts zu teuer.

Mit offener Hand

Spendierfreudig verpulverte er – zum Beispiel für die Kunstwerke Raffaels (*1483/°1520) und Michelangelos (*1475/°1564), für pompöse Feste sowie für die Weiterführung des von Papst Julius II. (*1443/°1513) initiierten Um-/Neubaus des Petersdomes – die päpstlichen Finanzen.

Die Kosten, ganz besonders die Sache mit dem Petersdom, sollen ins Uferlose gestiegen sein, was aus heutiger Sicht durchaus an die Elbphilharmonie in Hamburg oder den Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ denken lässt.

Egal! Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Leo X. war findig, drückte ein Auge zu und gab – zwecks Schließung der sich abzeichnenden monetären Lücke – grünes Licht für einen schwungvollen Ablasshandel.

Schnell spülten Heerscharen von Ablasspredigern durch den Verkauf von so genannten Ablassbriefen beträchtliche Summen Geldes in die päpstliche Schatulle.

Gut gemacht, schlecht gedacht

Denn mit diesem Vorgehen zog Leo X. den Unmut weiter Kreise der Bevölkerung auf sich.

Auch den des Augustinermönchs Martin Luther (*1483/°1546), dessen im Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenburg angeschlagenen 95 Thesen folgerichtig die Reformation (Umgestaltung/Erneuerung der Kirche) auslösten.

Anmerkung

Während der so genannte Ablass in der katholischen Kirche im Grunde mehr oder weniger als eine ideelle Tat zu verstehen ist – der Gläubige begibt sich auf Pilgerreise, geht zur Beichte, betet den Rosenkranz oder besucht schlicht den Gottesdienst – gab es nun, explizit mit Billigung Papst Leos X., den Ablass aller Sünden gegen Geld zu kaufen.

Das war, wenn er das nötige Geld hatte, für den Sünder bequem, praktisch und gut, konnte er doch seine Zeit im ihm möglicherweise drohenden Fegefeuer verkürzen oder gar, je nach Summe, ganz vermeiden.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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