Was zeichnet eigentlich das Pontifikat Papst Leos X. aus?

Im Wesentlichen seine verschwenderischen Spendierhosen! Sprich: Sein Faible für die angenehmen Dinge des Lebens!

Es heißt, Papst Leo X. (*1475/°1521), der ursprünglich Giovanni de' Medici hieß, soll ein netter, heiterer – aber auch dem Wohlleben zugeneigter – Mann gewesen sein.

Karriere

Seine Erziehung war – dem Hause der Renaissance-Familie der Medici entsprechend – stilvoll, schöngeistig und erlesen, seine kirchliche Karriere beispiellos.

Mit sieben Jahren wurde Giovanni

  • Domherr von Florenz,
  • wenig später (unter klerikaler Obhut und Federführung) Abt zweier Klöster,
  • mit Vierzehn (sozusagen inoffiziell) Kardinal,
  • drei Jahre später offiziell in diesem Amt bestätigt und
  • im März 1513 – nach Exil, diversen Reisen, häufiger Teilnahme an den Feldzügen Papst Julius’ II. (*1443/°1513) und der bisher noch ausstehenden – aber für das Platznehmen auf dem „Heiligen Stuhl“ dringend notwendigen – Priesterweihe sowie einer Ernennung zum Bischof und schließlich
  • mit siebenunddreißig Jahren Papst.

Für und Wider

Als Papst Leo X. führte er dann zwar das im April 1512 von Papst Julius II. initiierte 5. Laterankonzil in Rom bis 1517 weiter (das allerdings im Ergebnis eher bescheiden blieb), verhielt sich politisch aber – zum Beispiel anlässlich der bevorstehenden Kaiserwahl 1519 – ambivalent.

So unterstützte er anfänglich

  • Franz I. von Frankreich (*1494/°1547), dann den
  • sächsischen Kurfürsten Friedrich III. den Weisen (*1463/°1525) und zuletzt
  • König Karl I. von Spanien (*1500/°1558), der schließlich das große Los zog.

Im Juni 1519 wurde Karl von den Kurfürsten zum römisch-deutschen König gewählt, nannte sich fortan selbstbewusst „erwählter“ Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und wurde später – neun Jahre nach Leos Tod – von  Papst Clemens VII. (*1478/°1534) als Kaiser Karl V. in dieser Position bestätigt.

Laissez-faire

Mochte sich also Papst Leo X. weder so recht für die sonst üblichen weltlichen Machtspielchen des Vatikan, noch um die dringend notwendige Reform der Institution Kirche begeistern – dem Reformator Martin Luther schenkte er, bis auf die Androhung des Kirchenbanns mit anschließender Exkommunikation, nur eine sehr geringe bis gar keine Aufmerksamkeit – hat er sich aber doch wegen seines ausgeprägten Interesses für Kunst und Kultur einen Namen gemacht.

Geiz war NICHT geil

Leo X. fühlte sich stark dem Geist der Renaissance (Wiedergeburt) verbunden. Einer kulturellen Bewegung, die die Idee einer Erneuerung der Kultur des klassischen Altertums in sich trug, ohne diese jedoch explizit wieder herstellen, noch nachahmen zu wollen.

Der Verehrung klassischer Kunst, vertreten durch Maler, Bildhauer, Architekten u.a.m., mochte sich auch Papst Leo X. nicht entziehen. Rom wurde unter ihm zum Zentrum für Kunst und Kultur.

Zu den bedeutenden Künstlern der Zeit, denen Leo kostspielige Aufträge erteilte, gehörten beispielsweise Raffael (*1483/°1520) und Michelangelo (*1475/°1564) – frei nach dem Motto: "Lac(k)oste es, was es wolle!"

Mit Schwund muss man rechnen ...

Allein für die unter Volldampf stehende Weiterführung der unter Papst Julius II. begonnenen Umgestaltung des Peterdoms ließ er in erheblichem Maße die päpstliche Schatulle räumen.

Die verbliebene finanzielle Lücke deckte Leo X. mit einem florierenden Ablasshandel und/oder mit Krediten des Augsburger Kaufmanns und Bankiers Jacob Fugger (*1459/°1525).

Alles in allem war die päpstliche Verschuldung so groß, dass die Bestattung des im Dezember 1521 an einer Grippe – es gab/gibt auch Stimmen, die von Vergiftung sprechen – verstorbenen Papstes vergleichsweise ärmlich ausgefallen sein soll ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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