Wer oder was waren die Merowinger?

Die Merowinger waren das erste fränkische Herrschergeschlecht.

 

Ein Franke aus dem Geschlecht der Merowinger

Trotz einer Reihe letztlich noch nicht eindeutig und endgültig geklärter offener Fragen, gilt die – etwa von der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts andauernde – Regentschaft der Merowinger mehr oder weniger als historisch gesichert. Im Wesentlichen sind die Erkenntnisse auf die 1653 in Tournai (Wallonien/Belgien) aufgefundene Grabstelle des Frankenkönigs Childerich I. zurückzuführen,

  • wonach Childerich aus „Toxandrien“ (heute: niederländische Provinz Nordbrabant im Grenzgebiet zu Belgien) stammen,
  • dort um 456 König geworden sein sowie
  • die Grundlage für das gegen Ende des 5. Jahrhunderts von seinem Sohn Chlodwig I. (*um 466/°511) gegründete germanisch-romanische Frankenreich geschaffen haben soll.

Großwerden braucht seine Zeit

Im Laufe von insgesamt gut dreihundert Jahren herrschten mindestens etwa fünfunddreißig merowingische Könige über das – zu seinen besten Zeiten aus etwa dem gesamten heutigen Frankreich, den Beneluxstaaten und großen Teilen Deutschlands bestehende – Fränkische Reich.

Dissonanzen, Uneinigkeit und böses Blut

Allerdings verlor sich das Herrschaftssystem des merowingischen Familienclans über die Jahrhunderte zunehmend in familiären Auseinandersetzungen. Verkorkste Erbfolgen, Intrigen, Verrat, Bruderzwist, unmethodisch angelegte Reichsteilungen, Korruption und Mord (Lebenslichter wurden auch schon mal ohne Ansehen des Verwandtschaftsgrades einfach so ausgeblasen) machten Schule im Frankenreich.

Es kam, wie es kommen musste

Ab dem 7. Jahrhundert ging es mit der Dynastie peu á peu bergab. Ihre Mitglieder hatten sich in Kriegen dezimiert, waren entweder durch Bluttaten dahingerafft oder (seltener) eines natürlichen Todes gestorben, und die Hausmeier („maior domus“) aus dem Geschlecht der aufstrebenden Karolinger wurden zur bestimmenden Macht.

Schließlich (751) setzte sich der Hausmeier Pippin III. (*715/°768; Vater Karls des Großen) selbst die Königskrone auf. Das Amt der Hausmeier wurde unverzüglich abgeschafft. Die Karolinger übernahmen das Zepter.

Übrigens

Obwohl über die Existenz eines gewissen Merowech – seines Zeichens ein so genannter „Kleinkönig“ mit örtlich begrenzter Machtausübung – nur in homöopathischen Spuren etwas bekannt ist, gilt er in den Geschichtsbüchern doch als Namensgeber dieser „schrecklich netten“ Merowinger-Franken-Familie.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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