Stimmt es, dass die Merowinger das „Fränkische Reich“ gegründet haben?

Ja, das stimmt. Der Stamm der Franken (ein mögliches Synonym für: „Die Kühnen“, „Die Mutigen“ oder „Die Freien“) bildete sich etwa im 3. Jahrhundert (n. Chr.). Und zwar aus einem lockeren Verbund kleinerer germanischer Volksgruppen, die brandschatzend und  plündernd durch das römische Gallien zogen, wo sie sich ungefähr ab Mitte bis Ende des 4. Jahrhunderts niederließen.

Von den Römern zu den Merowingern

Die Merowinger waren die erste Frankendynastie, der es gegen Ende des 5. Jahrhunderts gelang, den Untergang des (West)Römischen Reiches mit starker Hand für ihre Zwecke zu nutzen. Somit gelten sie ganz eindeutig als Begründer des so genannten „Fränkischen Reiches“.

Unter ihrer Regentschaft entpuppte sich das Reich flugs zum weitaus mächtigsten der nach dem Niedergang der römischen Vormachtstellung neu entstandenen Herrschaftsgebiete.

Geschickt managten die Merowinger den Zusammenschluss der sich bis dahin nicht immer „grün“ gewesenen und somit in ihrer Charakteristik unterschiedlichsten fränkischen Stämme aus der Gegend des heutigen Belgien und der Niederlande.

Woher stammt der Name?

Die Namensgebung dieser sich im weiteren Verlauf ihrer knapp dreihundertjährigen (etwa von 480 bis annähernd 750) Dominanz und Einflussnahme zu einer „schrecklich netten Familie“ entwickelnden Merowinger, soll auf einen gewissen „Merowech“ zurückzuführen sein. Allerdings herrscht unter den Historikern nach wie vor Uneinigkeit darüber, ob es diesen Mann wirklich gegeben hat oder sein angebliches Wirken doch nur auf einer Sage, einem Mythos, beruht. Egal!

Chlodwig I.

Abgesehen davon, dass nach ihm, also nach diesem nicht eindeutig einzuordnenden „Merowich“, ein dagegen wirklich wissenschaftlich nachweisbarer fränkischer Kleinkönig namens Childerich I. zwischen 460 und 480 seinen Machtbereich im Nordosten Galliens etablierte, begann das Untermauern und Festigen dieser frühen fränkischen Reichsstruktur erst so richtig mit Childerichs Sohn: Chlodwig I. (*um 466/°511).

Chlodwig scheint für die Franken ein Glücksfall gewesen zu sein. Er erwies sich als tüchtiger Heerführer und weitsichtiger Regent. In der Schlacht bei Soissons im Norden des heutigen Frankreich schlug er 486 den letzten in Gallien noch verbliebenen römischen Feldherrn (Syagrius), vereinte die um die Macht wetteifernden sonstigen fränkischen Könige unter seiner Herrschaft, konvertierte zum römisch-katholischen Christentum, vertrieb 507 im Zuge der Schlacht bei Vouillé im Westen Frankreichs die Westgoten aus Gallien und konstituierte letztlich dauerhaft das „Fränkische Königreich“ – wobei der Familienclan der Merowinger die Führung bis etwa 751 innehatte und die auf sie folgende Familie der Karolinger immerhin bis circa 911.

Eine Gruppe von unangenehmen Leuten

Nach dem Tod Chlodwigs I. (°511) begannen – mit der Aufteilung des Reiches an seine Söhne Theuderich, Chlodomer, Childebert und Chlotar – dann allerdings schleichend die negativen Charaktereigenschaften der merowingischen Clanmitglieder zu wirken. Obwohl ganz passabel in der territorialen Erweiterung ihrer jeweiligen Machtbereiche, standen sich die Brüder offenkundig in unverhohlener Zwietracht gegenüber.

Das galt auch für die bis 751 noch folgenden gut dreißig Chariberts, Chilperichs, Childeberts, Childerichs, Theuderichs, Chlodwigs, Sigiberts, Chlothars, Guntrams und Dagoberts.

Verrat, Intrigen, Missgunst, Heimtücke, Verlogenheit, Machtpoker bis hin zu Bruderkriegen und Mord scheinen das Miteinander dieser Sippe nachhaltig geprägt zu haben. In diesem Tohuwabohu familiärer Zwistigkeiten soll die prägnanteste Zeit der Merowinger-Ära Chlothar II. (*um 584/°um 630) zuzuschreiben sein.

Chlothar II.

Ihm gelang es, die ursprünglich aus westgotischem Haus stammende Frankenkönigin Brunichild (*etwa um 550/°um 613) in der kriegerischen Auseinandersetzung um Burgund und Austrien zu erleichtern; damit das „Fränkische Reich“ territorial um diese Gebiete zu erweitern sowie darüber hinaus den großen Rest des Reiches federführend unter seine Fittiche zu bringen.

Brunichild wurde auf unschöne Weise (sie soll von einem Pferd zu Tode geschleift worden sein) kurzerhand ins Jenseits geschickt.

Niedergang der Merowinger

Nach Chlothar II. ging es mit der Dynastie peu á peu bergab. Die Familie hatte sich dezimiert. Entweder haben ihre Mitglieder auf dem Schlachtfeld das Zeitliche gesegnet, das Leben durch Mord und Totschlag ausgehaucht, oder haben (seltener) auf natürliche Weise ihren letzten Gang angetreten.

Aufstieg der Karolinger

Die so genannten Hausmeier („maior domus“) aus dem Geschlecht der aufstrebenden Karolinger wurden zur bestimmenden Macht. Schließlich (751) entmachtete der Hausmeier Pippin III. (*715/°768; Vater Karls des Großen) den letzten Merowingerkönig (Childerich III.) und setzte sich selbst die Königskrone auf. Das Amt der Hausmeier wurde abgeschafft; die karolingische Epoche begann.

Unter anderen mit ihrer bis heute wichtigsten und berühmtesten königlich-kaiserlichen Figur – Karl dem Großen.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Deutsche Geschichte für Dummies" (Christian v. Ditfurth/Wiley-VCH Verlag)

 

 

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