Warum hatte Karl der Große Skrupel, Papst Leo III. verurteilen zu lassen?

Nun, die Beschäftigung mit Leos fadenscheinigem Verhalten führte auf der Synode in Rom zu kontroversen Diskussionen. Zwischen Karl, dessen Söhnen und anderen wichtigen Amtsträgern kam es in der Causa Leos III. zu unterschiedlichen Auffassungen. So war Pippin König von Italien zum Beispiel für eine strikte Verurteilung des betrügerischen, prassenden und herumhurenden Fieslings; Ludwig der Fromme dagegen, der ohnehin ein geistliches Leben dem eines möglichen Nachfolgers Karls vorgezogen hätte, stellte sich auf die Seite des Papstes.

Die Mehrheit der Gefolgschaft Karls, ob von Adel oder Knecht, fühlte wie Pippin. Karl selbst war unsicher. Schloss er sich Pippins Meinung laut an, würde ihm das - einem „Patricius Romanorum“ - schlecht zu Gesicht stehen; verhielt er sich neutral, wären die Mächtigen Roms, unter anderen auch die Familie des päpstlichen Vorgängers Hadrian I., stinksauer. Alles in allem eine schwierige Situation. Schließlich einigte man sich darauf, Leo einen - wie es genannt wurde - Reinigungseid ablegen zu lassen und Karl den Großen zum Kaiser zu krönen.  

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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