Warum wird Karl I., der Große, auch „Vater Europas“ genannt?

Ob Karl der Große (*742? oder 747/48 bis °814) tatsächlich als "Vater Europas" apostrophiert werden kann, darüber gehen die Meinungen der Historiker heute auseinander.
Und obwohl bereits der eine oder andere zeitgenössische Chronist den großen Kaiser Karl auf den Schild gehoben hat, wurde aus ihm erst im Laufe der auf ihn folgenden - politisch jeweils unterschiedlich geprägten - Zeit so etwas wie der "Urkaiser des Abendlandes".

Und das aus, so heißt es häufig, wenigstens zwei Gründen:

  • Weil das Fränkische Reich zur Zeit Karls des Großen geografisch in weiten Teilen dem heutigen Europa entsprach.
    Es reichte zum Ende seiner Herrschaft - nach heutigen Begriffen - von der Nordsee bis zum Atlantik und beinhaltete zum Beispiel Dänemark, Böhmen, Mähren, Österreich und Ungarn, umfasste große Teile Italiens und Spaniens, umspann das heutige Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und den Norden und Westen Deutschlands.
  • Weil das Frankenreich, das als einziges unter den Germanenreichen dauerhaften Bestand hatte, unter Karl dem Großen das griechisch-römisch-christliche Erbe mit ganzer Kraft weiter trug, dessen Vorstellungen erfüllte und den Grundstein einer gemeinsamen „europäischen“ Kultur legte.

Möglich, dass diese hier wiedergegebene Argumentation

  • zu schlicht erscheint,
  • von einem Europa nach heutigem Verständnis zu Karls Zeiten im Grunde nicht gesprochen werden kann,
  • einiges an den zahlreich über Karl verfassten Portraits auch einem über die vergangenen Jahrhunderte entstandenen Mythos geschuldet ist und
  • die Person Karls des Großen weiterhin ein Rätsel bleibt.

Sei's drum!

In der Aufarbeitung des Wirkens dieses ersten - lange nach dem Zerfall des Römischen Reiches - mittelalterlichen Kaisers, bleibt offensichtlich noch viel zu tun ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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