Warum wuchs Karl der Große – angeblich – sieben Jahre ohne Vater auf?

Die Vermutung, Karl der Große sei gute sieben Jahre vaterlos aufgewachsen, liegt möglicherweise in der (älteren) historischen Auffassung begründet, Karls Geburt hätte 742 stattgefunden; die Beziehung des Vaters (Pippins III., des Jüngeren/des Kurzen) zur Mutter (Bertrada der Jüngeren aus dem Hause Laon) sei erst sieben Jahre später, 749, durch Heirat legitimiert worden.

Unehelich?

Folgt man dieser Lesart, hätte das für Pippin Zeit genug bedeutet, seine ehrgeizigen Ambitionen

  • aus dem ungeliebten Job des Hausmeiers heraus zu kommen,
  • die abgehalfterten Merowinger endgültig auszuschalten und
  • endlich selbst König zu werden

zu verwirklichen - ohne dabei den misstrauischen fränkischen Adel über Gebühr mit einem etwaigen Thronfolger in Spe zu konfrontieren oder gar zu verschrecken.
Karl dem Großen hätte nach dieser Version allerdings der Makel der unehelichen Geburt angehaftet.

Ehelich!

So soll es nach neuesten Forschungserkenntnissen aber nicht gewesen sein. Danach wurden zwar um 751 der

  • merowingische König Childerich III. (*zwischen 720-735/°um 755) für abgesetzt erklärt,
  • Pippin, anlässlich einer Versammlung fränkischer Würdenträger, zum König ausgerufen und
  • - bei allem Taktieren - die auf verschlungenen Wegen vorhandene Verwandtschaft zu Bertrada wohlweislich verschwiegen,

aber die Eheschließung Pippins mit Bertrada bereits auf 741/742 (oder auch 744), die Geburt Karls des Großen auf das Jahr 747 (oder 748) festgelegt und der Eindruck, Karl der Große sei Sproß eines vorehelichen Konkubinats seiner Eltern somit aus dem Weg geräumt.

Wann, wie und wo auch immer die Geburt Karls des Großen nun tatsächlich stattgefunden haben mag, egal! Immerhin sind inzwischen bald dreizehn Jahrhunderte ins Land gegangen. Bedenkt man diese Zeit, sollten fünf, sechs oder sieben Jahre doch wirklich zu vernachlässigen sein ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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