Wann und wo wurde Karl der Große geboren und was für ein Typ war er?

Weder das Rätsel um das Hochzeitsdatum seiner Eltern (741/742? 748?), seines Geburtsorts (Aachen?, Prüm in der Eifel? um Paris herum?) oder auch des Geburtsjahrs Karls I., des Großen (742?, 747/748?), scheint historisch eindeutig gelöst zu sein. Allerdings werden nach neueren Erkenntnissen statt des Jahres 742, die Jahre 747 oder auch, etwas Unsicherheit ist geblieben, 748 als verbindlich angenommen.

Das trifft sich gut. Denn egal, ob Karls Eltern nun 741, 742 oder 748 geheiratet haben, ist Karl letztlich der Makel der unehelichen Geburt erspart geblieben. Das heißt, damit ist die lange Zeit gehegte Vermutung, Karl der Große könne der Spross eines vorehelichen Konkubinats seiner Eltern sein, aus dem Weg geräumt.

Eltern

Karls Eltern waren Pippin III. (*um 715/°768), der auch Pippin der Jüngere, manchmal auch Pippin der Kurze genannt wurde und die aus fränkischem Adel stammende Bertrada (*um 725/°783) aus dem Hause Laon.

Pippin, vormals karolingischer Hausmeier, hatte 751 den merowingischen König Childerich III. für abgesetzt erklärt und sich – anlässlich einer Versammlung fränkischer Würdenträger – zum König ausrufen lassen. Fortan wurde das Frankenreich bis etwa 843 von karolingischen Königen und Kaisern, von denen Karl der Große als der Bedeutendste gilt, beherrscht.

Kindheit, Jugend, Lesen und Schreiben

Über Karls Kindheit und Jugend geben die Quellen, trotz der „Vita Karoli Magni“ seines Biografen Einhard (*um 770/°840), letztlich nur spärlich Auskunft. Neben allerlei sportlichen Disziplinen (z.B.: Schwimmen, Reiten, Jagen) soll Karl allerdings schon in frühester Jugend in Latein unterrichtet worden sein.

Zwar hat er sich mit dem Schreiben nicht wirklich anfreunden können, gleichwohl, so heißt es, soll er aber schon bald vorzüglich auf Latein geplaudert, diskutiert und auf höfischen Gesellschaften parliert haben. Privat und im Kreis seiner fränkischen Gefolgsleute dagegen, benutzte Karl wahrscheinlich einen der diversen altfränkischen Dialekte aus der germanisch-fränkischen Sprachgemeinschaft. Oder war es gar eine Stufe des sich im 8/9. Jahrhundert entwickelnden so genannten „Althochdeutsch“? Wie auch immer.

Karl, der Autodidakt

Jedenfalls, und das scheint eindeutig überliefert zu sein, war Karl durchaus bildungseifrig. Er umgab sich mit wissenschaftlich, künstlerisch, philosophisch und literarisch belesenen und hochgelehrten Menschen und vervollkommnete und pflegte seine Bildung mit geradezu leidenschaftlicher Begeisterung. So ließ Karl zum Beispiel das bis dahin lediglich mündlich überlieferte Hildebrand- und Nibelungenlied von mönchischen Schreibern festhalten und beschäftigte sich eingehend mit den römisch-lateinischen Klassikern, mit Theologie, Astronomie und vielem anderen mehr.

Stimmungsschwankungen

Folgt man den Berichten und Beschreibungen seines weiter oben genannten Biografen Einhard, war Karl von großer, kräftiger Gestalt und mit festem Gang ausgestattet. In der Regel ausgeglichen, großzügig und humorvoll, konnte es allerdings passieren, dass seine gute Laune blitzartig umschlagen konnte. Gab es also Anlass, seinem Ärger oder sogar seiner Wut Luft zu verschaffen, war das für sein Umfeld nicht unbedingt günstig – auch, obwohl seine Stimme dann ins Falsett abhob, was seine Körperlichkeit auf groteske Weise unterminiert haben muss.

Vielleicht hilft es, sich Karl heute als schlecht synchronisierten John Wayne vorzustellen. Ohne Stetson und Colt, aber mit Helm, Brustpanzer und Schwert.

Karl Lagerfeld wäre von Karl d. Gr. enttäuscht gewesen

Abgesehen von dieser im Kampf notwendigen Ausrüstung, war Karl ein Modemuffel. Einfach, schlicht und praktisch hatte seine Kleidung zu sein. Eitelkeit war ihm fremd. Die Wäsche war aus Leinen, die Hosen schlicht, die Schnür- oder die mit langen Riemen gebundenen „Bund“-Schuhe aus Leder, die Oberbekleidung bestand aus aneinander gereihten Stoffstreifen (statt eines vergleichbaren Hemdes) und ein Wams, der Vorläufer der Weste, aus Schafsfell.  Zusammengehalten wurde diese Kreation von einer, einem Gürtel entsprechenden, Leibbinde. War es kalt, ergänzte Karl sein Outfit um einen die Schultern schützenden Pelz aus verschiedensten Tierfellen. Ganz selten, und nur dann, wenn es aus repräsentativen Gründen nicht zu vermeiden war, trug Karl festliche Kleidung, Krone, Zepter und Reichsapfel.

Wein, Weib und Gesang

Aber – Modemuffel hin oder her – ein Freund von Traurigkeit war Karl der Große keineswegs. Und, obwohl ihm die Familie wichtig war und er sich rührend um Frau und Kinder kümmerte, war Karl absolut kein Kostverächter.

Üppiges Speisen von gebratenem oder am Spieß gegrilltem Wild – begleitet von einem oder zwei Glas Met oder Wein, allerdings ohne je betrunken gewesen zu sein – gehörten durchaus zu seinen favorisierten Freizeitbeschäftigungen.

Und die Frauen! Wie hinlänglich bekannt, war Karl fünfmal verheiratet, hatte nebenbei etliche Geliebte und in der Summe wenigstens achtzehn Kinder, die keineswegs ausschließlich von seinen Ehefrauen stammten.

Langer Rede, kurzer Sinn

Neben seinen herausragenden Eigenschaften als Familienmensch, Gastgeber ausländischer Gesandtschaften, Heerführer und der beachtlichen geografischen Erweiterung des fränkischen Reiches, gilt Karl der Große gleichzeitig auch als Reformer des Militärs, des Rechts, der Verwaltung und der Bildung. Den Beinamen „der Große“ erhielt Karl bereits zu Lebzeiten.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Die Welt der Karolinger" (Pierre Riché/Reclam), "Karl der Große" (DVA/Spiegel Buchverlag)

 

 

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