Wer war Karl der Große, wie sah er aus und welche Eigenschaften hatte er?

Über das Alltagsleben zur Zeit der Karolinger stehen den Historikern nur unzureichende und bruchstückhafte archäologische Quellen zur Verfügung. Über das Leben Karls des Großen (*748/°814) dagegen, auch über dessen Leben „am häuslichen Herd“, ist, so heißt es seitens der Geschichtsforscher, (fast) alles in der „Vita Karoli Magni“ („Biographie Karls d. Gr.“) seines Biografen Einhard (*um 770/°840) zu finden.

Und obwohl diese Lebensbeschreibung des Königs und späteren Kaisers Karl I. durchaus von einer positiven Voreingenommenheit des Autors geprägt sein mag, bietet sie trotzdem großartige und zum großen Teil historisch anerkannte Einblicke sowohl in die Zeit des Frühmittelalters, als auch ganz besonders in das „außerdienstliche“ Leben des mächtigsten Herrschers des Mittelalters.

Der, also Karl, soll demnach etwa 1,90 m groß, kräftig gebaut und mit festem Gang ausgestattet gewesen sein und auf luxuriöse Garderobe keinen Wert gelegt haben. Seine Kleidung war schlicht und zweckmäßig. Allerdings entsprach seine hohe Stimme, weniger Wohlmeinende sprechen auch von einer Fistelstimme, keineswegs dieser geschilderten robusten Statur.

Obwohl im Grunde ausgeglichen, freundlich, großzügig, bildungsbeflissen und durchaus humorvoll, konnte Karl einerseits auch schon mal, geradezu im Nu, in Rage geraten. Nach Einhards Beobachtungen soll dieser Gemütszustand für seine Umgebung dann nicht wirklich günstig gewesen sein. Andererseits gab es wohl auch eine ausgeprägt gefühlvolle und empfindsame Seite dieses kraftstrotzenden Mannes. So soll Karl den Tod seiner dritten Ehefrau Hildegard, nach zwölfjähriger Ehe und acht Kindern, aufrichtig beklagt und betrauert haben.

Alles in allem war Karl der Große allerdings kein Freund von Traurigkeit. Führte er nicht gerade irgendwo im von ihm zur größten Territorialmacht geformten Frankenreich Krieg, gehörten schwimmen, reiten, jagen und das üppige Speisen von gebratenem oder gegrilltem Wild zu seinen bevorzugten Freizeitbeschäftigungen. Außerdem soll sich Karl Besuchern seines Hofes gegenüber außergewöhnlich generös verhalten haben. In Punkto Gastfreundschaft hat er sich also anscheinend nicht lumpen lassen.

Zwecks Zerstreuung bot er seinen Gästen (im Wesentlichen waren das ausländische Gesandtschaften) sogar eine ganze Reihe von Unterhaltungsmöglichkeiten – zum Beispiel Badespaß im Bad zu Aachen, Jagden auf Bären, Auerochsen und Wild aller Art und/oder Rundgänge durch Tiergehege/Tiergärten. Im Anschluss an diese sportlichen Betätigungen kam den Mahlzeiten eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Es wurde, untermalt von Musik sowie begleitet von Schaustellern, überaus reichlich gegessen, getrunken, geredet (Karl beherrschte zwar eine der westgermanischen Mundarten des Fränkischen – möglicherweise das Rhein-/Moselfränkische –, sprach aber überwiegend Latein) und geflirtet – trotz der seinerzeit angesagten Sittenstrenge.

Aber Sittenstrenge hin oder her – Karl der Große war kein Kostverächter und schien nichts anbrennen zu lassen. Nicht, wenn es ums Essen ging (mit dem Trinken war er dagegen zurückhaltend) und nicht, wenn es um Frauen ging.

Wie bekannt, war Karl fünfmal verheiratet, hatte nebenbei etliche Geliebte und in der Summe wenigstens achtzehn Kinder, die keineswegs ausschließlich von seinen Ehefrauen stammten. Und trotzdem war ihm die Familie ausgesprochen wichtig. So soll er sich, laut Einhard, liebevoll um seine Frauen (mit Ausnahme seiner zweiten Frau: Desiderata, Tochter des Langobardenkönigs Desiderius), Töchter und Söhne gekümmert haben. Durchaus ein Familienmensch, eben

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Die Welt der Karolinger" (Pierre Riché/Reclam), "Karl der Große" (DVA/Spiegel Buchverlag)

 

 

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