Wann ist ein Staat ein Staat?

Einer exakten Definition dieser Frage geht eine etwa sechs Jahrtausende währende Entwicklung einer allgemeingültigen Staatsauffassung voraus.

Anfänge

Sieht man einmal ab

  • von der Entstehung politisch und gesellschaftlich strukturierter Gemeinwesen früher Hochkulturen (u.a. Mesopotamien, Ägypten) sowie des persischen-, griechischen- und römischen Reiches,
  • den griechischen Philosophen Platon (*427/°347 v. Chr.) und  Aristoteles (*384/°322 v. Chr.) oder auch
  • vom Römer Cicero (*106/°43 v. Chr.),

die sich bereits zu ihrer Zeit mit Fragen zu einem erstrebenswerten Staatsverständnis auseinandersetzten, taucht der – dem florentinischen Politiker, Historiker und Dichter Niccoló Machiavelli (*1469/°1527) zugeschriebene – Begriff „Staat“ (lat.: „status“/„Stand, Zustand“), oder besser die daraus entstandene italienische Entsprechung „lo stato“, erstmals in der Kulturepoche der Renaissance im 15/16. Jahrhundert auf.

Weiterführung

In den darauf folgenden Jahrhunderten des Absolutismus („absolute Monarchie“) und der Aufklärung im Laufe des 17/18. Jahrhunderts, beschäftigten sich eine Reihe namhafter Dichter, Denker und Philosophen – zum Beispiel:

  • die Engländer Thomas Hobbes (*1588/°1679) und John Locke (*1632/°1704),
  • die Franzosen René Descartes (*1596/°1650), Montesquieu (*1689/°1755), Voltaire (*1694/°1778) und Jean-Jacques Rousseau (*1712/°1778) sowie
  • Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646/°1716), Gotthold Ephraim Lessing (*1729/°1781) und Immanuel Kant (*1742/°1804) aus Deutschland –

mit weiterführenden Überlegungen zu Fragen der Staatstheorie.

Ergebnis

Hatte schon der geschichtsphilosophische Denker Montesquieu 1748 in seiner Abhandlung „Vom Geist der Gesetze“ den Gedanken einer staatlichen Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative) öffentlich gemacht, fand schließlich und endlich der Staatsrechtler Georg Jellinek (*1851/°1911) in seiner um 1900 publizierten „Allgemeine(n) Staatslehre“ mit der so genannten Drei-Elemente-Lehre – Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt – eine seitdem völkerrechtlich verbindliche Formel.

Danach ist der Staat (Quelle: Staatsbürger Taschenbuch, Verlag C.H.Beck)

  • „die politische Einheit einer Gemeinschaft von Menschen (Staatsvolk),
  • die in einem bestimmten Gebiet (Staatsgebiet)
  • unter einer obersten Gewalt (Staatsgewalt, mit Gewaltenteilung in Legislative/Gesetzgebung, Exekutive/Polizei & Verwaltung sowie Judikative/Rechtsprechung) organisiert sind“.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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