Was bedeutet der Begriff „Aufklärung“ …?

… und wer sollte wann und warum aufgeklärt werden?

 

Duckmäuser, Frömmler und Geisterglaube

Nun, obwohl das etwa vom 5. bis zum Ausklang des 15. Jahrhunderts währende Mittelalter im 17. und 18. Jahrhundert um etliche Generationen zurücklag, duckmäuserten die Menschen mehrheitlich immer noch vor kirchlicher und staatlicher Gängelei, waren einem weitverbreiteten Aberglaube zugetan und ergaben sich in ihrer Unwissenheit und – nach Immanuel Kant (*1742/°1804) – „selbstverschuldeter Unmündigkeit“ in ihr angenommenes von Gott gewolltes und somit unveränderliches Schicksal.

 

Kritiker herkömmlicher Denkweisen

Gegen diese - sozusagen - widerstandslose Grundhaltung setzte im 17. Jahrhundert in England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland eine geistige Strömung ein, deren Vertreter – unter anderen:

  • Baruch de Spinoza (*1632/°1677) aus Holland,
  • John Locke (*1632/°1704) aus England,
  • die Franzosen René Descartes (*1596/°1650), Montesquieu (*1689/°1755), Voltaire (*1694/°1778) und Jean-Jacques Rousseau (*1712/°1778) sowie
  • Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646/°1716), Gotthold Ephraim Lessing (*1729/°1781) und Immanuel Kant (*1742/°1804) aus Deutschland –

diesem Phlegma den Gebrauch, die Anwendung menschlicher Vernunft entgegenhielten.

Ohne jetzt die in umfangreichen Werken festgehaltenen Gedanken dieser Vordenker oder auch nur ebenso dicke Folianten ihrer Interpreten wälzen zu müssen oder wollen, an dieser Stelle lediglich ein so ziemlich alles zusammenfassender und oft zitierter Satz des Philosophen aus Königsberg (heute: Kaliningrad), Immanuel Kant: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

 

Denkmodell 

Der Geistesbewegung der Aufklärung vorausgegangen waren die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zum Beispiel eines

  • Nikolaus Kopernikus (*1473/°1543),
  • Isaac Newton (*1643/°1727) oder
  • Galileo Galilei (*1564/°1642)

aus der Zeit der Renaissance im 15./16. Jahrhundert.

Wie nicht anders zu erwarten, führten die spektakulären Beobachtungen und technischen Erfindungen dieser klugen Köpfe naturgemäß zu einem veränderten Weltbild, dessen Auswirkungen sich in den Theorien der aufklärerischen Philosophen niederschlugen. Es entstand das Denkmodell einer Gesellschaft, in der die Gleichheit aller Menschen als verbindlich angesehen wurde und gleichzeitig die Toleranz gegenüber abweichenden Anschauungen anderer und das Ideal geistiger Freiheit mit einschloss.

 

Liberté, Egalité, Fraternité

Politisch mündete die Idee der Aufklärung in die Staatsform des „aufgeklärten Absolutismus“ und war schließlich auch Wegbereiter der nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (-> „Liberté, Egalité, Fraternité) strebenden Französischen Revolution von 1789 bis 1799.

Autor:   Manfred Zorn
Quellen: Deutschland, deine Denker (Paul-Heinz Koesters / Verlag Gruner + Jahr -1979)
            Geschichte - Kompakt & Visuell (Philip Parker / Dorling Kindersley - 2010)

 

 

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