„Aufgeklärter Absolutismus“ – was ist das eigentlich?

Etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts, setzten sich auch in Herrscherkreisen peu a peu die unter anderen von den Philosophen Voltaire (*1694/°1778), Jean-Jacques Rousseau (*1712/°1778) und Immanuel Kant (*1742/°1804) vertretenen Ideen der sogenannten Aufklärung durch.

Aber obwohl 1748 bereits der französische Staatstheoretiker Montesquieu (*1689/°1755) in seiner Schrift „Vom Geist der Gesetze“ den Gedanken einer konstitutionellen Monarchie – einer staatlichen Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive, Judikative – ins Spiel gebracht hatte, hieß das nicht, dass die „aufgeklärten“ Potentaten das Heft aus der Hand gegeben hätten. Nach wie vor behielten sich die Monarchen ihr (angeblich) von Gott gegebenes Recht der ultimativen Machtausübung vor.

Zwar fühlten sie sich durchaus mehr und mehr dem Gemeinwohl verpflichtet, verstanden sich sogar als erste Diener des Staates und versuchten sich in Toleranz zu üben – zum Beispiel in puncto Religionsfreiheit nach dem Motto Friedrichs II. von Preußen (*1712/°1786): „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden …“ –, blieben letztlich aber trotz aller Aufklärung der Herrschaftsform des Absolutismus treu. Einer Regierungsform, die unter dem Begriff „aufgeklärter Absolutismus“ - zum Beispiel - durch die Protagonisten Friedrich II. von Preußen, Kaiser Joseph II. von Österreich (*1741/°1790) sowie Katharina II. die Große von Russland (*1729/°1796) Eingang in die Geschichtsbücher fand ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige